Balkanstaaten zweifeln an EU-Beitrittsperspektive

Bosnien-Herzegowina, Kroatien und das Kosovo befürchten, dass die EU es mit dem Beitritt der Region nicht ernst meinen könnte. Sie wünschen sich mehr Unterstützung. Der bosnische Außenminister erklärte, dass es ohne eine Einbeziehung der Balkanstaaten "keinen Frieden in Europa" geben werde.

Der bosnische Außenminister Sven Alkalaj (R) erklärte beim Bled Strategic Forum, dass die EU eine „stärkere Rolle spielen und mehr Führerschaft zeigen“ müsse. Foto: dpa
Der bosnische Außenminister Sven Alkalaj (R) erklärte beim Bled Strategic Forum, dass die EU eine "stärkere Rolle spielen und mehr Führerschaft zeigen" müsse. Foto: dpa

Bosnien-Herzegowina, Kroatien und das Kosovo befürchten, dass die EU es mit dem Beitritt der Region nicht ernst meinen könnte. Sie wünschen sich mehr Unterstützung. Der bosnische Außenminister erklärte, dass es ohne eine Einbeziehung der Balkanstaaten „keinen Frieden in Europa“ geben werde.

In den Balkanstaaten wachsen die Zweifel, ob die EU es mit ihrer Beitrittsperspektive für die Staaten der Region ernst meint. Das wurde am Montag (30. August) bei einer Diskussion von Ministern aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und dem Kosovo beim "Bled Strategic Forum" im slowenischen Bled deutlich.

Der bosnische Außenminister Sven Alkalaj erklärte, dass die EU eine "stärkere Rolle spielen und mehr Führerschaft zeigen" müsse. "Es wird keinen Frieden in Europa geben ohne Einbeziehung dieser Region", so Alkalaj. Damit die Menschen in der Region die für einen Beitritt erforderlichen Reformen auf sich nehmen, bräuchten sie "konkrete Anreize". Allerdings zeigte er Verständnis dafür, dass die EU keine Probleme importieren will. Die Konflikte in der Region müssten gelöst werden.  

Kroatien: Integration von "überragender Bedeutung"

"Eine Integration dieser Region ist von überragender Bedeutung für Europa und seine Stabilität", betonte auch der kroatische Außenminister Gordan Jandrokovic. Gemeinsam mit Slowenien wolle sein Land auf eine EU-Integration der restlichen Balkanstaaten drängen. "Doch die Region muss sich auch der Tatsache bewusst sein, dass man ihr erst vertrauen wird, wenn die Staaten der Region einander gegenseitig vertrauen", so Jandrokovic.

In "einigen Staaten der Region" gebe es jedoch nicht genügend "Energie zur Erlangung von europäischen Standards", erklärte Jandrokovic und spielte damit auf Bosnien-Herzegowina an. Diese dürfe man nicht alleine lassen, vielmehr man müsse ihnen helfen.

"Nicht nur eine allgemeine Beitrittsperspektive"

Der Europaminister des Kosovo, Besim Beqaj, sagte, dass entschiedene Unterstützung der EU benötigt werde, "nicht einfach nur eine allgemeine Beitrittsperspektive". Er forderte die schnelle Aufhebung der Visapflicht für Kosovaren bei Reisen in EU-Staaten. Auf dem Weg in die EU forderte er, "greifbare und realistische" Ergebnisse.

Der slowenische Präsidenten Danilo Türk äußerte sich diesen Forderungen gegenüber kritisch. Kritisiere man das Stocken der Beitrittsgespräche, sei der "größere Teil der Kritik" an die Kandidatenländer selbst zu richten. Letztendlich seien es diese, die die Beitrittskriterien zu erfüllen hätten, so Türk

dto

Links

Bled Strategic Forum: Website

EU-Kommission: Der Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess

EURACTIV.de: Die Wende zwischen Kroatien und Serbien? (20. Juli 2010)

EURACTIV.de: Kroatiens EU-Beitritt steht in Slowenien zur Wahl (4. Juni 2010)

EURACTIV.de: EU-Perspektive für den explosiven Teil Europas (3. März 2010)