Behindern fallende Öl- und CO2-Preise Entwicklung sauberer Technologien? [DE]

Die CO2-Emissionsrechte werden derzeit zu den seit 18 Monaten niedrigsten Preisen gehandelt, der Rohölpreis ist seit Juli um 50% gefallen und die Finanzmärkte befinden sich in der Krise. Diese Entwicklung könnte Investitionen in umweltfreundliche Technologien und erneuerbare Energien möglicherweise einen Dämpfer verpassen.

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Die CO2-Emissionsrechte werden derzeit zu den seit 18 Monaten niedrigsten Preisen gehandelt, der Rohölpreis ist seit Juli um 50% gefallen und die Finanzmärkte befinden sich in der Krise. Diese Entwicklung könnte Investitionen in umweltfreundliche Technologien und erneuerbare Energien möglicherweise einen Dämpfer verpassen.

Am 28. Oktober 2008 wurde ein Barrel Rohöl mit etwa 63 US-Dollar gehandelt, das entspricht gerade einmal 51 Euro, nachdem der Ölpreis noch im Juli einen absoluten Höchststand von 147 US-Dollar erreichte. Dieser Preisabfall steht in starkem Gegensatz zu früheren Prognosen, der Ölpreis könne bis 2009 auf über 200 US-Dollar steigen. Unterdessen wird CO2 im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) mit nur 19 Euro pro Tonne gehandelt.

Die niedrigen CO2- und Rohölpreise könnten einen Anreiz für neue Teilnehmer am EU-ETS darstellen, die es vorziehen, Emissionsrechte zu erwerben, statt in Technologien zu investieren, die Emissionen verringern. Die meisten Analysen deuten darauf hin, dass CO2 mit mindestens 25 Euro pro Tonne gehandelt werden muss, damit sich Verbesserungen der Effizienz langfristig bezahlt machen.

Doch den Projektentwicklern im Bereich erneuerbare Energien  und Unternehmen für umweltfreundliche Technologien stehe ein „kalter Winter” bevor, so Angus McCron, Chefredakteur der New Energy Finance, einem Informationsservice mit Sitz in London, der sich auf Investitionen in erneuerbare Energien und umweltfreundliche Technologien spezialisiert hat. 

Obgleich Öl aufgrund der geringeren weltweiten Nachfrage infolge der Finanzkrise billiger geworden sei, habe der Zusammenbruch der internationalen Geldmärkte auch zu einer Knappheit bei den Finanzmitteln für Projekte zu erneuerbaren Energien geführt, die oft sehr kapitalintensiv seien. Kleinere Unternehmen im ‚kohlenstoffarmen’ Sektor könnten unterdessen untergehen oder von größeren Unternehmen und Einrichtungen aufgekauft werden, so McCrone zu EURACTIV.

Die Aussichten seien deutlich schlechter als noch vor zwei Monaten, räumt Christian Kjaer, Geschäftsführer des Europäischen Verbands für Windenergie (EWEA) ein. Kjaer merkt allerdings auch an, dass Auftragsbücher der meisten Turbinenhersteller für die nächsten zwei Jahre voll seien und all diejenigen, die möglicherweise ihre Aufträge nicht erfüllen könnten, könnten von größeren Unternehmen, die nach wie vor solvent sind, übernommen werden.

Die Industrie für erneuerbare Energien könnte auch noch einen anderen Grund haben, optimistisch zu sein. Die nationalen Programme zur Förderung erneuerbarer Energien und verbindliche Vorgaben zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien stärkten den Sektor und schirmten ihn von den Folgen eines geringeren CO2-Preises ab, meint McCrone. Sobald die Gelder wieder flössen, bekämen die Projektentwickler wahrscheinlich auch wieder positivere Antworten von den Banken, die sicher keine kalten Füße bei der Investition in erneuerbare Energien bekämen, die als sichere Anlagen gelten würden, so McCrone, der bereits für Frühling 2009 eine Verbesserung der Lage erwartet.

Ölhöchstfördermenge die Lösung?

Die Kommission hat die hohen Ölpreise wiederholt als Rechtfertigung für die Investition in die teureren erneuerbaren Energien oder anderen kohlenstoffarmen Technologien herangezogen. Ferran Tarradellas, Sprecher der Generaldirektion für Energie der Kommission, deutete an, dass der Standpunkt der EU-Kommission sich in diesem Punkt nicht geändert hätte.

Auf die Frage, ob die niedrigeren Ölpreise Brüssels Ansichten zu diesem Thema geändert hättten, verwies ein Sprecher der Kommission EURACTIV auf den anstehenden „World Energy Outlook“ der Internationalen Energieagentur.

In der Prognose, die im November 2008 veröffentlicht werden soll, werde vorausgesagt, dass der weltweite Ölertrag stärker zurückgehen werde als zuvor vermutet. Damit werde angedeutet, dass die Preise wieder bedeutend steigen könnten, wenn sich die Lieferanten bemühen müssten, den weltweiten ‚Öldurst’ zu stillen, selbst wenn die Nachfrage insgesamt zurückgehe, berichtete die Financial Times am 29. Oktober 2008.