Belgiens erste zweisprachige Partei fordert etablierte Parteien heraus [DE]

ProBruxsel, die „erste und einzige zweisprachige Partei Belgiens“ hat nach Angaben ihrer Gründer, die rechtlichen Auflagen des Landes nur niederländisch oder französisch sprechende Listen für die Wahl im nächsten Monat zum Brüsseler Parlament aufstellen zu dürfen angefochten. 

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ProBruxsel, die „erste und einzige zweisprachige Partei Belgiens“ hat nach Angaben ihrer Gründer, die rechtlichen Auflagen des Landes nur niederländisch oder französisch sprechende Listen für die Wahl im nächsten Monat zum Brüsseler Parlament aufstellen zu dürfen angefochten. 

Philippe Delstanche, der Vorsitzende von ProBruxsel, verglich den Versuch seiner Partei zweisprachige Wahllisten einzuführen als eine „Reise nach Absurdistan“. Die Partei registrierte zwar mit einigen Schwierigkeiten am 9. Mai ihre Listen bei den Wahlbehörden, könnte aber weiterhin rechtliche Hürden befürchten. 

Die neue Partei ist für ein zweisprachiges und kosmopolitisches Modell in der Region Brüssel, die ihrer Meinung nach, aufgrund der Spaltung zwischen dem französischsprachigen Wallonien und dem niederländischsprachigen Flandern – die beiden andere Regionen die Belgiens politisches Leben dominieren – in starke Bedrängnis gebracht wurde. 

Regionale Wahlen werden im gesamten Land am 7. Juni abgehalten, wenn auch die Europawahl stattfindet. Es gibt drei Regionen in dem Land: Flandern im Norden, Wallonien im Süden und Brüssel, eine zweisprachige Enklave im südlichen Flandern. 

Die Mitglieder von ProBruxsel sind davon überzeugt, dass die Einwohner Brüssels aufgrund der Sprachen diskriminiert werden. Der Grund sei die Spaltung des Landes in sprachliche Gemeinschaften, was ihrer Ansicht nach der Realität eines vielsprachigen und kosmopolitischen Brüssel widerspricht. 

Die Gründer der Partei befürchten, dass die derzeitigen Versuche, den belgischen Staat zu reformieren nur zwei Regionen oder „sprachliche Gemeinschaften” benennen und dabei Brüssel als eine eigene Region übersehen. 

In Belgien ist das politische Leben in zwei getrennte sprachliche Gemeinden geteilt, die mehr oder weniger mit der Teilung des Landes in die Regionen übereinstimmen. Bewohner in Wallonien sind gesetzlich dazu verpflichtet nur französisch sprechende Parteien zu wählen, während man in Flandern nur für niederländisch sprechende Parteien wählen kann. Im offiziell zweisprachigen Brüssel können Wähler entscheiden, ob sie für französische oder flämische Parteien stimmen wollen, aber es gibt keine politische Kraft, die für beide Teile steht.

Als Ergebnis musste ProBruxsel zwei Kandidatenlisten unter demselben Namen aufstellen. Mit einem „F“ vor der französischsprachigen Liste und einem „N“ vor der niederländischsprachigen Liste. Allerdings kann diese Übereinkunft noch vor Gericht angefochten werden, so Delstanche. 

Die Webseite des Bruxsel-Forums sieht auch vor, die englischsprachigen Bürger von Brüssel mit einzubeziehen, und zielt darauf ab, zu einer „unabhängigen Speaker’s Corner“ zu werden, die allen Bewohnern offen steht, die über die Zukunft der Stadt nachdenken wollen, bevor andere für sie entscheiden. 

Der Name „Bruxsel” wurde von den Gründern gewählt, da das Projekt weder Flämisch noch Französisch ist und keiner Übersetzung bedarf. Sie sagen, dass der Name auf die tausend Jahre alte Geschichte der Stadt zurückgehe, die zuerst „Bruocsella“ genannt wurde, was soviel bedeutet wie „Haus in einem Sumpf“.