Bildungsziele für 2010 verfehlt

Trotz einiger Fortschritte haben die EU-Mitgliedsländer nach zehn Jahren nur eines von fünf Bildungszielen erreicht. Das geht aus dem EU-Bildungsbericht 2010 hervor, den die Europäische Kommission nun vorgelegt hat. Euractiv.de bietet einen Überblick über die Musterschüler und Sorgenkinder in der EU.

Lehrer sind schlecht auf Vielfalt und die speziellen Bedürfnisse von Flüchltingen vorbereitet. Foto: dpa
Lehrer sind schlecht auf Vielfalt und die speziellen Bedürfnisse von Flüchltingen vorbereitet. Foto: dpa

Trotz einiger Fortschritte haben die EU-Mitgliedsländer nach zehn Jahren nur eines von fünf Bildungszielen erreicht. Das geht aus dem EU-Bildungsbericht 2010 hervor, den die Europäische Kommission nun vorgelegt hat. Euractiv.de bietet einen Überblick über die Musterschüler und Sorgenkinder in der EU.

Die Mitgliedsländer haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt und sind gescheitert. Die in den letzten zehn Jahren erzielten Fortschritte reichen nicht, um die sogenannten Bildungsbenchmarks für 2010 zu erreichen. Immer noch können in der EU zu wenige Schüler richtig lesen, bilden sich zu wenige erwerbsfähige Erwachsene weiter und viel zu viele Schüler beenden die Sekundarstufe II nicht oder brechen die Schulausbildung vorzeitig ab. Dies geht aus dem EU-Bildungsbericht hervor, den die Kommission am Dienstag vorgelegt hat. Nur ein Bildungsziel wurde 2010 erreicht: Es gibt jetzt deutlich mehr Studenten, die ihr mathematisches, naturwissenschaftliches bzw. technisches Studium erfolgreich abgeschlossen haben.

Top-Listen der Bildungsziele


Lesekompetenz

Bis 2010 sollte der Anteil der Schüler mit geringer Lesekompetenz auf 17 Prozent sinken. Der EU-Durchschnitt lag 2009 jedoch noch bei 20 Prozent (Mädchen 13,3 Prozent, Jungen 26,6 Prozent).

EU-Top 3

  1. Finnland (8,1 Prozent)
  2. Estland (13,3 Prozent)
  3. Niederlande (14,3 Prozent)

Deutschland liegt mit 18,5 Prozent auf Platz 12. Österreich mit 27,5 Prozent auf Platz 23. Die Schlusslichter sind Rumänien (40,4 Prozent) und Bulgarien (41,0 Prozent).

Schulabbrecher

Bis 2010 sollte ein Schulabbrecherquote von höchstens 10 Prozent erreicht werden. In den 27 EU-Mitgliedsstaaten lag bei den 18- bis 24-Jährigen der Anteil der Schulabbrecher bei 14,4 Prozent im Jahr 2009 (Frauen: 12,5 Prozent, Männer: 16,3 Prozent).

EU-Top 3

  1. Slowakei (4,9 Prozent)
  2. Polen (5,3 Prozent)
  3. Tschechien (5,4 Prozent)

Deutschland liegt mit 11,1 Prozent auf Platz 12. Österreich liegt mit 8,7 Prozent zusammen mit Litauen auf Platz 6. Die Schlusslichter sind Malta (36,8 Prozent) und Portugal (31,2 Prozent).

Bildungserfolg der Jugendlichen

Bis 2010 sollten mindestens 85 Prozent der 22-Jährigen in der EU die Sekundarstufe II abgeschlossen haben. Der Anteil der Personen im Alter von 20-24 Jahren, die die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, lag 2009 aber nur bei 78,6 Prozent (Frauen: 81,4 Prozent, Männer: 75,9 Prozent).

EU-Top 3

  1. Slowakei (93,3 Prozent)
  2. Tschechische Republik (91,9 Prozent)
  3. Polen (91,3 Prozent)

Deutschland liegt mit 73,7 Prozent auf Platz 23. Österreich liegt mit 86 Prozent auf Platz 8. Die Schlusslichter sind Portugal (55,5 Prozent) und Malta (52,1 Prozent).

Math.-Nat. -Hochschulabsolventen

Bis 2010 sollte die Gesamtzahl der Hochschulabsolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technologischer Fächer in der EU um mindestens 15 Prozent zunehmen. Das Geschlechterungleichgewicht sollte verringert werden. Dieses Ziel wurde im EU-Durchschnitt deutlich übererfüllt.  Die Anzahl von Hochschulabsolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technologischer Fächer ist seit 2000 um 37,2 Prozent und der Frauenanteil von 30,7 Prozent auf 32,6 Prozent im Jahr 2008 gestiegen.

EU-Top 3 (Wachstum seit 2000)

  1. Portugal (193,2 Prozent)
  2. Slowakei (185,8 Prozent)
  3. Tschechische Republik (141,3 Prozent)

Deutschland liegt mit 53,5 Prozent auf Platz 10; Österreich mit 66,4 Prozent auf Platz 6. Die Schlusslichter sind Irland (1,0 Prozent) und Frankreich (5,4 Prozent).

Lebenslanges Lernen

Der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, der am lebenslangen Lernen teilnimmt, sollte in der EU im Durchschnitt 12,5 Prozent im Jahr 2010 erreichen. EU-weit ist die Teilnahme auf 9,3 Prozent im Jahr 2009 gestiegen (25 bis 65 Jahre, Männer: 8,5 Prozent, Frauen: 10,2 Prozent). Dieser Zuwachs ist jedoch zu einem beträchtlichen Teil auf einen Zeitreihenbruch um das Jahr 2003 zurückzuführen. Seit 2005 ist die Beteiligung leicht zurückgegangen.

EU-Top 3

  1. Dänemark (31,6 Prozent)
  2. Schweden (22,2 Prozent, vorläufig)
  3. Finnland (22,1 Prozent)

Deutschland liegt mit 7,8 Prozent auf Platz 11. Mit 13,8 Prozent liegt Österreich auf Platz 7. Die Schlusslichter sind Rumänien (1,5 Prozent) und Bulgarien (1,4 Prozent).

Investition in Bildung

"Wir brauchen weitere Anstrengungen seitens der Mitgliedsstaaten, damit wir die gemeinsamen europäischen Ziele erreichen", forderte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. Laut dem EU-Bericht stagnieren die öffentlichen Ausgaben für Bildung seit 2000 und das Volumen der privaten Ausgaben konnte nicht gesteigert werden. Die EU-Mitgliedsländer müssten im Schnitt 10.000 Euro mehr pro Student und Jahr in das Hochschulwesen investieren, um etwa mit den USA gleichzuziehen.

"Bildungsausgaben sind eine gute Investition in Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum und zahlen sich langfristig aus. In Zeiten angespannter Haushaltslagen müssen wir aber auch sicherstellen, dass Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden", gibt Vassiliou zu bedenken.

Bildungsziele bis 2020

Die EU-Bildungsminister haben sich in der Strategie Europa 2020 bereits neue "Benchmarks"  gesetzt. Deutschland und andere Mitgliedsstaaten sind allerdings sehr zurückhaltend, da sie den Bereich Bildung als nationale Domäne betrachten und möglichst wenige EU-Vorgabe zulassen wollen. Die deutsche Skepsis lässt sich auch im Nationalen Reformprogramm Deutschlands 2010 nachlesen, den die Bundesregierung an die EU-Kommission übermittelt hat.

Sabrina Schadwinkel

Links

Dokumente der EU-Kommission

EU-Bildungsbericht: Trotz guter Fortschritte mehr Anstrengungen erforderlich

Frequently asked questions: Key report on progress and performance in education and training in EU countries

Twelve main messages of the report 2010/2011

Strategischer Rahmen allgemeine und berufliche Bildung