Britische Regierung in 'Lockerbie-Auseinandersetzung' verwickelt [DE]
Der britische Premierminister Gordon Brown vermeidet vorsichtig, öffentliche Kommentare abzugeben, infolge einer höchst umstrittenen Entscheidung der schottischen Regierung in der vergangenen Woche, den einzigen verurteilten Drahtzieher des 1988 verübten Bombenanschlags auf einen Jumbo Jet über der Stadt Lockerbie freizulassen.
Der britische Premierminister Gordon Brown vermeidet vorsichtig, öffentliche Kommentare abzugeben, infolge einer höchst umstrittenen Entscheidung der schottischen Regierung in der vergangenen Woche, den einzigen verurteilten Drahtzieher des 1988 verübten Bombenanschlags auf einen Jumbo Jet über der Stadt Lockerbie freizulassen.
Ein Sprecher erklärte, dass Gordon Brown glaubt, die frühe Freilassung des Lockerbie-Attentäters sei zu sensibel, um sie zu kommentieren, berichtete die britische Presse gestern (24. August 2009).
Der Sprecher des Premierministers verteidigte Browns‘ Schweigen indem er sagte , „Natürlich anerkennt der Premierminster, dass dies eine schwierige Entscheidung war und eine sehr sensible, und es wird starke Gefühle von den Familien der Menschen geben, die Opfer dieses terroristischen Anschlags wurden“.
Der Beamte sagte, es war eine „einzigartig sensible und schwierige Entscheidung“. Die Londoner Regierung hatte diese Entscheidung nicht kommentiert und würde dies auch nicht im nachhinein tun, fügte er hinzu.
Offiziell hält Westminster seine Distanz zur Entscheidung der schottischen Behörden, Megrahi zu erlauben, „nach Hause geschickt zu werden, um zu sterben“. Das Vereinigte Königreich besteht darauf, dass die schottische Regierung frei über justizielle Belange entscheiden kann, und die einzige Kritik, die zum Ausdruck gebracht wurde, war über das Faktum, dass Megrahi in seinem Heimatland als Held empfangen wurde, obwohl die libyschen Behörden zuvor wiederholt zugestimmt hatten, das Ereignis ruhig zu halten.
Ein Geschenk für den Führer
Aber Diplomaten wurden zitiert, zu sagen, sie glaubten nicht , dass der Zeitpunkt von Megrahis‘ Freilassung, genau vor den 40. Jahrestag der „libyschen Revolution“ purer Zufall sei.
Der frühere britische Premierminister Tony Blair gab am Samstag in einem Interview mit CNN zu, dass die libyschen Behörden Megrahis Fall in allen bilateralen Kontakten mit den britischen Behörden angesprochen hätten.
„Lassen Sie mich eines klar sagen. Die Libyer erwähnten natürlich den Fall Megrahi die ganze Zeit über, nicht nur mir gegenüber, sondern gegenüber jedem. Es war eine große nationale für sie“, sagte Blair. „Ich habe immer zu ihnen gesagt, ich habe nicht die Macht Herrn Megrahi freizulassen“, fügte Blair hinzu.
Auch von Gordon Brown wurde berichtet, er habe mit Gaddafi über Megrahis‘ Fall auf dem G8-Gipfel in L’Aquila in Italien letzten Juli gesprochen.
Schlechte Diplomatie – gutes Geschäft?
Der britische Außenminister David Miliband wies Vorwürfe zurück, dass London der schottischen Regierung seine Zustimmung zur Freilassung des Gefangenen gegeben habe, um neue Geschäftsmöglichkeiten in dem ölreichen Land auszubeuten.
Die Absage wurde allerdings in Zweifel gezogen, als Gaddafis Sohn, Saif al-Islam Gaddafi, darauf bestand, dass die Entscheidung Megrahi frei zu lassen an wirtschaftliche Vereinbarungen gebunden war.
„In allen britischen Interessen in Hinblick auf Libyen, habe ich dich [Megrahi] immer auf die Agenda gehoben“, wurde von Saif berichtet, gesagt zu haben. Saif wird allgemein als der nächste Führer Libyens in Warteposition gesehen.
Schlimmer noch, Gaddafi schüttete selbst Öl ins Feuer als er der Queen, Prinz Andrew und Gordon Brown für die Freilassung Megrahis dankte, den er in einem groß beworbenen Fernsehauftritt am Freitag empfing.
Schottische Regierung kämpft um Überleben
In der Zwischenzeit haben schottische Oppositionsparteien wiederholt einen Misstrauensantrag vorbereitet über die Entscheidung von Kenny MacAskill, dem schottischen Justizminister, Megrahi zu entlassen.
Schottland wird von einer Minderheitsregierung der Schottischen National Party (SNP) regiert, welche für die schottische Unabhängigkeit eintritt. Es ist jedoch nicht das Schicksal der schottischen Regierung, sondern eher unbequeme Enthüllungen welche die Behörden am meisten zu fürchten scheinen, sagten Beobachter.
‚Verschwörungstheorien‘ stehen im Mittelpunkt
Obwohl sie lange als “Verschwörungstheorien” abgetan wurden, beginnen Behauptungen Megrahi könnte unschuldig angeklagt sein im Mittelpunkt zu stehen. Vielen britischen Kommentatoren zufolge sei Megrahi befreit worden, weil die britischen Behörden fürchteten, dass ein möglicher Einspruch über Megrahis‘ Fall ihn als unschuldig befunden hätte, was für die Justiz blamabel gewesen wäre.
Der CIA-Beamte im Ruhestand Robert Baer reklamiert, dass ein Schlüsselzeuge – ein maltesischer Bürger – manipuliert worden sei und dass die Berufung über den Zweifel hinaus beweisen würde, dass der Bombenanschlag vom Iran manipuliert wurde (EURACTIV vom 19. August 2009).
Professor Robert Black von der Universität Edinburgh, der den Lockerbie-Fall von Anfang an verfolgt hat, sagte, dass Malta, die Beantragung einer separaten Untersuchung des Bombenanschlags sein sollte sowie den Makel an dem Land und seiner Flughafensicherheit zurückzunehmen. Solch eine Untersuchung, schlug er vor, könnte auf Maltas Geheiß von der Europäischen Union durchgeführt werden.
„Ich denke die maltesische Regierung sollte innerhalb der EU starken Druck für eine Untersuchung im Lockerbie-Fall machen”, kommentierte Professor Black.
Maltas stellvertretender Premierminister Tonio Borg reagierte schnell am Sonntag und sagte, sein Land hätte “keine Verbindung” mit der Lockerbie-Katastrophe.