Bulgarien will Euro als Parallelwährung
Die neue bulgarische Regierung hat Verhandlungen mit der EU-Kommission aufgenommen, um den Euro als Parallelwährung einzuführen. Dieser soll laut Finanzminister Asen Vasilev bereits ab 2024 neben dem bulgarischen Lew verwendet werden.
Die neue bulgarische Regierung hat Verhandlungen mit der EU-Kommission aufgenommen, um den Euro als Parallelwährung einzuführen. Dieser soll laut Finanzminister Asen Vasilev bereits ab 2024 neben dem bulgarischen Lew verwendet werden.
Bulgarien hat sein ursprüngliches Ziel, der Eurozone am 1. Januar 2024 beizutreten, auf den 1. Januar 2025 verschoben, nachdem die hohe Inflation und der mangelnde politische Wille des vorherigen Parlaments dem Prozess im Weg standen.
Ein von der radikalen, prorussischen Partei Vazrazhdane angeregtes Referendum, das eine Verschiebung des Beitritts auf 2043 vorsieht, könnte jedoch zu einem Hindernis werden.
Die neue Regierung in Sofia wird von den pro-europäischen Anti-Korruptionsparteien Wir setzen den Wandel fort und Demokratisches Bulgarien sowie von der GERB-Partei des langjährigen Ministerpräsidenten Bojko Borissow unterstützt, die sich ebenfalls für die Einführung des Euro einsetzt.
Sollten die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank ihre Zustimmung geben, könnte Bulgarien seinen Bürgern die Wahl lassen, ob sie in Euro oder Lew handeln wollen. Ein solcher Mechanismus wird bereits von Montenegro angewandt, das den Euro praktisch eingeführt hat, ohne Mitglied der EU und der Eurozone zu sein.
„Sie wissen, dass Unternehmen in Bulgarien derzeit Transaktionen in Euro durchführen können. Aber Einzelpersonen haben nicht das Recht, Transaktionen in Euro durchzuführen, und wir haben auch nicht das Recht, unsere Gehälter in Euro zu erhalten“, sagte der Finanzminister am Mittwoch (28. Juni) gegenüber dem Portal Mediapool.bg.
„Wir wissen, dass es Länder wie Montenegro gibt, in denen diese Transaktionen auf freiwilliger Basis durchgeführt werden können“, erklärte er weiter. „Wenn zwei Bürger Transaktionen in Euro durchführen wollen und können, sollten sie das tun dürfen, ohne dass der Staat sie daran hindert.“
Die bulgarische Regierung verhandelt derzeit darüber, dass die Einzelhandelspreise für Waren im Land in beiden Währungen angegeben werden können und der Käufer entscheiden kann, in welcher Währung er zahlt.
Das würde bedeuten, dass Bulgarien der Eurozone faktisch beitreten würde, noch bevor dies verwaltungstechnisch geschieht, ohne jedoch ein Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung der Europäischen Zentralbank zu haben.
Die Partei Wir setzen den Wandel fort, die größte Regierungspartei Bulgariens, sieht den Beitritt des Landes zum visafreien Schengen-Raum und zur Eurozone als politische Versicherung, um mögliche negative Folgen für das Land zu begrenzen, falls prorussische Parteien an die Macht kommen.
Derzeit entgehen den bulgarischen Unternehmen jährlich 750 Millionen Euro durch Gebühren für Währungsumrechnungen und Überweisungen an Banken in der Eurozone – eine Summe, die sich auf 0,4 Prozent des BIP des Landes beläuft.