Bulgarische Anti-Vaxx-Aktivisten stellen sich hinter Putin
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind viele der Anti-Vaxxer zu überzeugten Anhängern von Präsident Wladimir Putin und Russland geworden.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind viele der Anti-Vaxxer zu überzeugten Anhängern von Präsident Wladimir Putin und Russland geworden.
Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine Ende Februar hat die bulgarische Impfskeptiker-Bewegung ihren inhaltlichen Fokus verschoben. Anstatt sich auf COVID-19-Impfstoffe und damit zusammenhängende Verschwörungstheorien zu fixieren, sind sie zu überzeugten Anhängern von Präsident Wladimir Putin geworden und nähren Anti-EU-Stimmungen.
Bereits vor dem Ausbruch des Krieges war der Glaube an Corona-bezogene Verschwörungstheorien und eine generelle Impfskepsis in Bulgarien sehr weit verbreitet. Laut den offiziellen Statistiken des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ist Bulgarien mit einer Impfquote von weniger als 30 Prozent europaweites Schlusslicht bei der Durchimpfungsrate der Bevölkerung.
Während die Impfgegner in der Hochphase der Pandemie einige Erfolge für sich verbuchen konnten, erweist sich ihre Desinformationskampagne in Bezug auf den Ukraine-Krieg jedoch mühseliger. Da Russland in der Ukraine keine nennenswerten Fortschritte machen kann, wird es immer schwieriger, die Anhänger zu überzeugen.
Diese Einschätzung stammt vom Head of Operations Social Intelligence bei Publicis Bulgaria, Georgi Auad, der EURACTIV ein Interview gab. Auad ist einer der führenden bulgarischen Experten und Datenanalysten, die sich auf soziale Mediennetzwerke spezialisiert haben.
Ihm zufolge wird der Krieg in der Ukraine genutzt, um das Vertrauen der Bulgaren in die EU zu erschüttern. Trotz Moskaus Bemühungen waren sie jedoch nicht so erfolgreich wie die Desinformationskampagnen rund um COVID-19.
„Trolle haben es schwer, mit den häufig wechselnden Positionen der russischen Behörden Schritt zu halten, die jeden Tag mit einer neuen Ausrede für den Angriff auf die Ukraine aufwarten. Das Narrativ ist sehr vage. Am Anfang war es eine spezielle Operation zur Entnazifizierung der Ukraine“, kommentiert Auad.
Dabei lassen sich Trolle laut dem Experten recht einfach erkennen: „Scrollen Sie durch den Verlauf der Kommentare, um zu sehen, wie schnell sie von der Impfgegnerschaft zum Putinismus übergehen. Das ist ein sicheres Zeichen“, sagte er.
Bulgarien belegt im Medienkompetenzindex 2021 den letzten Platz in der Europäischen Union und das seit vier Jahren. Damit hat sich seit der ersten Veröffentlichung des Index 2018 wenig geändert. Das Ranking wird jährlich von der European Policy Initiative (EuPI) des Open Society Institute, das in Sofia gegründet wurde, erstellt.
Auad merkte an, dass die Mehrheit der Putin-Anhänger auf Facebook zu finden seien. Auf dem bulgarischen Twitter herrsche dagegen ein ganz anderes Bild. Der Experte kritisierte die bulgarischen Behörden für das Fehlen klarer Maßnahmen gegen Fake News in sozialen Netzwerken sowie für das Fehlen einer kohärenten Kommunikationskampagne. Konkret werde zu wenig gegen aggressive politische Äußerungen zur Unterstützung des Krieges unternommen.
„Es an der Zeit, der Öffentlichkeit mitzuteilen und zu erklären, welche Maßnahmen von den bulgarischen Institutionen ergriffen werden und warum“, so der Experte.
Der Informationskrieg in Bulgarien wird seit mindestens einem Jahrzehnt sehr aktiv geführt. Facebook spielt dabei eine entscheidende Rolle. In den letzten zwei Jahren war die antieuropäische Kampagne weitgehend pandemiebezogen.
Die Invasion Russlands in die Ukraine hat zu einer inhaltlichen Verschiebung der Desinformation geführt. Ein Großteil der pro-russischen Propaganda wird von Facebook-Nutzern verbreitet, die auch Nachrichten der pro-russischen Vazrazhdane-Partei teilen.