Chef der Tschechischen Nationalbank sieht Euro-Einführung kritisch
Die Einführung des Euro bringe Tschechien keine Vorteile, behauptete der Chef der Tschechischen Nationalbank, Aleš Michl. Er widersprach damit dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel, der zuvor erklärt hatte, die Euro-Einführung könnte das Land näher an deutsche Lohnniveaus heranführen.
Die Einführung des Euro bringe Tschechien keine Vorteile, behauptete der Chef der Tschechischen Nationalbank, Aleš Michl. Er widersprach damit dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel, der zuvor erklärt hatte, die Euro-Einführung könnte das Land näher an deutsche Lohnniveaus heranführen.
In seiner Neujahrsansprache betonte Präsident Pavel, dass die Einführung des Euro dazu beitragen könnte, Tschechien dem deutschen Lohnniveau anzunähern. Michl kommentierte die Ansprache am Sonntag (5. Januar) eher kritisch.
„Nein, der Euro ist keine Rettung, und er wird unsere Löhne nicht näher an die in Deutschland heranführen“, betonte der Chef der Tschechischen Nationalbank.
Michl erläuterte, dass eine reine Währungsumstellung nicht automatisch zu höheren Löhnen führe. Die tschechische Krone stelle eine stabilisierende Kraft in der nationalen Wirtschaft dar und könne Unternehmen zu Innovationen anregen.
„Der Euro ist gut in Zeiten, in denen der Wechselkursanpassungsmechanismus der Zahlungsbilanz nicht funktioniert“, sagte Michl und betonte, dass die Einheitswährung unter bestimmten Bedingungen eine klare Rolle spiele.
„Eine [nationale] Währung sollte Unternehmen stärken und zu Innovationen motivieren und unsere Löhne näher an die in Deutschland heranführen“, argumentierte Michl. Die Krone könne sich an die Angebots- und Nachfragedynamik im Außenhandel anpassen.
Ein weiterer Aspekt, den Michl ansprach, war die freiwillige Nutzung des Euro durch viele tschechische Unternehmen. Diese verwendeten die Einheitswährung bereits für Transaktionen oder Finanzierungen.
„Die Wirtschaft ‚europäisiert‘ sich von selbst, Schritt für Schritt“, merkte Michl an und deutete damit auf einen allmählichen, organischen Wandel hin, der nicht überstürzt werden müsse.
Derzeit haben 20 der 27 EU-Mitgliedstaaten den Euro eingeführt, sodass in sieben Ländern noch die nationale Währung gilt: Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden. Während Dänemark sich gegen die Einführung der Einheitswährung entschieden hat, wird erwartet, dass andere Länder den Euro einführen, sobald sie die erforderlichen Bedingungen erfüllen.