Dalli: "eHealth ist keine Science Fiction"
Die heutige IT-Technik bietet auch dem Gesundheitswesen große Möglichkeiten. Sogenannte "eHealth"-Technologien können viel Zeit und Kosten sparen, sagt der EU-Gesundheitskommissar John Dalli im Interview mit EURACTIV. Die Idee: Systeme sollen miteinander kommunizieren, auch über Landesgrenzen hinweg.
Die heutige IT-Technik bietet auch dem Gesundheitswesen große Möglichkeiten. Sogenannte „eHealth“-Technologien können viel Zeit und Kosten sparen, sagt der EU-Gesundheitskommissar John Dalli im Interview mit EURACTIV. Die Idee: Systeme sollen miteinander kommunizieren, auch über Landesgrenzen hinweg.
ZUR PERSON
John Dalli (Malta, EVP) ist seit 1987 Minister in verschiedenen Ressorts der maltesischen Regierung gewesen. Als EU-Kommissar wird sich Dalli auf das "Pharma-Paket" konzentrieren. Dalli will zudem die Möglichkeiten verbessern, sich im Ausland behandeln zu lassen (EURACTIV vom 15. Januar 2010, englisch). Hierzu soll auch die "eHealth"-Initiative beitragen (EURACTIV vom 21. Oktober 2010). Die Kommission beabsichtigt, die für die medizinische Versorgung in einem anderen Mitgliedstaat erforderlichen Formulare durch eine Europäische Krankenversicherungskarte zu ersetzen. Die Kommission wird ein gemeinsames Konzept für Patientenkennungen und eine "elektronische Gesundheitsdaten-Architektur" durch Standardisierung unterstützen.
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EURACTIV: Welche Vorteile sehen Sie in der Anwendung von eHealth-Technologien?
DALLI: Wir wollen die Rechte der Patienten, ihre Sicherheit und den Zugang zum Gesundheitswesen ins Zentrum der Politikgestaltung rücken. eHealth kann dazu beitragen, die Gesundheitssysteme effizienter zu machen und Patienten den Zugang zu Expertise von überall her ermöglichen.
EURACTIV: Wie kann eHealth Patientenrechte gewährleisten?
DALLI: Informationstechnologien können Lösungen voranbringen helfen, die von Patienten mit Hinblick auf Leistungen gefordert werden.
Die Technologie kann dem Gesundheitspersonal sowie den Patienten Zeit ersparen. Wenn die Ergebnisse medizinischer Untersuchungen und Tests zwischen Krankenhäusern gemeinsam genutzt weden können, muss ein Patient sich nicht denselben Untersuchungen unterziehen, geht er in ein anderes Krankenhaus. Dies spart Zeit und Ressourcen.
Es wäre möglich, einige Exzellenz-Zentren zu haben, die sich auf spezielle Themen konzentrieren und für diejenigen zugänglich sind, die nicht in der Nähe wohnen. Dies ist insbesondere für Patienten mit seltenen Krankheiten wichtig. So gäbe es Expertisen-Schwerpunkte, die ihre Dienstleistungen in alle Ecken Europas liefern können.
eHealth-Lösungen können auch das Patientenrecht auf Sicherheit schützen, wenn sie an chronischen Krankheiten leiden bei denen die Überwachung relativ einfach und schnell gewährleistet werden kann und somit Komplikationen verhindern.
Das Schlüsselproblem: Systeme müssen kommunizieren
EURACTIV.de: Es stehen viele neue Technologien zur Verfügung, die meisten Krankenhäuser nutzen diese aber noch nicht. Was muss geschehen, damit Patienten vom technischen Fortschritt profitieren?
DALLI: Dies ist nicht Science-Fiction. Die Technologie wartet darauf genutzt zu werden. Es ist an der Zeit, nicht mehr nur über eHealth zu reden, sondern es zu nutzen. In einigen Regionen und Mitgliedsstaaten wird im Bereich eHealth eine Menge getan, aber in anderen ist der Fortschritt bescheiden.
EURACTIV: Was hält den Fortschritt zurück?
DALLI: Das Schlüsselproblem ist der Mangel an Interoperabilität. Systeme müssen in der Lage zu sein, innerhalb und zwischen den Krankenhäusern miteinander zu kommunizieren und letztlich auch über Landesgrenzen hinweg. Politischer Wille wird benötigt, um eHealth Realität werden zu lassen. Die Mitgliedsstaaten sind zwar für Gesundheit zuständig, aber wir müssen die Menschen zusammenbringen, um über Kooperation zu sprechen, wenn wir das Meiste aus eHealth und grenzüberschreitender Zusammenarbeit machen wollen.
Wir benötigen Interoperabiliät und Informationsaustausch, um den Fortbestand von Pflege und sicherer Notpflege zu gewährleisten. Ich glaube, dass Interoperabilität zustande kommen kann ohne nationale Gesundheitskompetenzen zu verletzen. Ich werde auch versuchen, eHealth in die vergangene Woche von der Kommission angekündigte neue Innovationspartnerschaft zum gesunden Altern einzubetten.
EURACTIV: Welche Rolle spielt die Richtlinie zur grenzüberschreitenden gesundheitlichen Versorgung bei der Entwicklung des Rechtssystems für eHealth?
DALLI: Sie ist wichtig und ich hoffe, dass uns am Ende der Debatte ein Konsens einen effektiven Weg aufzeigt.
EURACTIV: Sind Sie zuversichtlich, dass sich die Investition langfristig auszahlt?
DALLI: Wenn man in die Gesundheitsversorgung investiert, ist Nachhaltigkeit essenziell. Wirtschaftlich ausgedrückt kann eHealth zu Einsparungen führen, indem Dopplungen bei der Arbeit vermieden und die Reisekosten der Patienten verringert werden. Dies gehört zu den größten qualitativen gesellschaftlichen Vorteilen, die eHealth den Nutzern einbringen wird.
EURACTIV.com
Das Interview in englischer Sprache finden Sie hier.
Links
EU-Kommission: Proposal for a directive on cross-border health
EU-Kommission: E-health (DG Infso)
EU-Kommission: E-health (DG Sanco)