Der nachhaltige Lebenszyklus der Holzfaser

Viele von der Industrie benötigte Rohstoffe werden immer knapper und teurer. Das Wirtschaftswachstum leidet. Politiker suchen nach Auswegen. Der neueste Trend heißt "nachhaltige Materialwirtschaft". Die OECD warnt: voreiliges Handeln könne eher schaden als nutzen.

Von der Forstwirtschaft zur Altpapiertonne – jede Stufe im Lebenszyklus der Holzfaser soll in Zukunft auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden. Fotos: dpa
Von der Forstwirtschaft zur Altpapiertonne - jede Stufe im Lebenszyklus der Holzfaser soll in Zukunft auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden. Fotos: dpa

Viele von der Industrie benötigte Rohstoffe werden immer knapper und teurer. Das Wirtschaftswachstum leidet. Politiker suchen nach Auswegen. Der neueste Trend heißt „nachhaltige Materialwirtschaft“. Die OECD warnt: voreiliges Handeln könne eher schaden als nutzen.

Zunehmende Rohstoffknappheit und steigende Kosten schwächen das europäische Wirtschaftswachstum. Politiker suchen nach Auswegen und wollen den Einfluss der Industrie auf die Umwelt abschwächen. Das neue Mantra der Umweltpolitik heißt "nachhaltige Materialwirtschaft" (sustainable materials management, SMM).

Dieser Ansatz misst den Einfluss, den Produkte während ihres gesamten Lebenszyklus auf die Umwelt haben, von der Förderung der Rohstoffe über das Produktdesign und die Fertigung bis hin zum Verbrauch und zur Entsorgung. Er kann auf alle produzierenden Sektoren ausgedehnt werden – von Mobiltelefonen über Autos bis hin zur Agrarwirtschaft – um den Materialverbrauch und den Einfluss auf die Umwelt zu senken.

Konkrete Vorschläge der OECD

Die OECD hat im Anschluss an ein Treffen konkrete Vorschläge gemacht, mit denen Staaten den Materialverbrauch senken können. Die zuständigen Behörden sollen künftig die öffentliche Auftragsvergabe nutzen, um die Versorgungskette umweltfreundlicher zu gestalten. Außerdem will die Organisation das sogenannte "Öko-Labelling" fördern. Dabei verschaffen Ökosiegel dem Verbraucher einen Überblick über die Umwelteinflüsse eines Produkts.

Weiterhin schlägt die OECD vor, Hersteller für die von ihren Produkten verursachten Umweltschäden verantwortlich zu machen. Außerdem könnten Staaten den Zugang zu Rohstoffen einschränken – beispielsweise indem sie deren Preis erhöhen. Vorbild hierfür ist das Emissionshandelssystem der EU. Es begrenzt die Menge des erlaubten CO2-Ausstoßes und gestattet Unternehmen, mit den Zertifikaten zu handeln.

Globales Handeln – aber nicht zu schnell

Die OECD rät von Alleingängen ab: In der zunehmend vernetzten Weltwirtschaft könnten Staaten SMM-Maßnahmen nicht alleine durchsetzen. Die Organisation fordert eine aktivere internationale Zusammenarbeit, damit die "Staatengemeinschaft langfristig nachhaltiges und faires Wachstum erreicht".

Die EU-Umweltminister haben Mitte des Jahres eine Studie zum SMM-Ansatz debattiert. Darin schlug die belgische Ratspräsidentschaft einen integrierten Ansatz über alle Stufen des Produktlebenszyklus vor.

Die OECD warnte Regierungen jedoch davor, zu schnell zur Tat zu schreiten. Bevor neue Regelungen geschaffen würden, müssten die Auswirkungen bestehender Politikmaßnahmen analysiert werden: "Das Zusammenspiel bestehender Maßnahmen kann zu falschen Anreizen und ungewollten Konsequenzen führen". So könnten zum Beispiel Biosprit-Subventionen zu steigendem Wasserverbrauch und steigenden Lebensmittelpreisen führen.

Komplexe Zusammenhänge

Auch komplexe Zusammenhänge zwischen widerstreitenden Interessen und unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen sind große Herausforderungen bei der Umsetzung von SMM-Maßnahmen. So reicht beispielsweise der Lebenszyklus der Holzfaser von der Holzwirtschaft bis zum Recyclingunternehmen und derjenige für Metalle vom Bergbau bis hin zur Entsorgung von Elektromüll.

Besonders wichtig ist laut dem Bericht der OECD die Verbindung zwischen Materialverbrauch, Wasser und Energie: ein Verbot giftiger oder umweltschädlicher Materialien könne unbeabsichtigt zu einem erhöhten Wasser- und Energieverbrauch führen. Daher müssten die Verbindungen zwischen diesen drei Produktionselementen geklärt und ihre Auswirkungen analysiert werden.

EURACTIV.com / hme

Links


OECD:
OECD Global Forum on Environment: Sustainable Materials Management (29. Oktober 2010)

EU-Kommission: European Emission Trading System (EU-ETS)

EU-Kommission: Rohstoff-Strategie. Übersicht.

EURACTIV.de: EU-Kommissar Tajani will gemeinsame EU-Industriepolitik (1. November 2010)

EURACTIV.de: EU-Parlament diskutiert EU-Industriepolitik (1. Oktober 2010)

EURACTIV.de: Emissionshandel der Zukunft? (10. September 2010)

EURACTIV.de: Kommt EU-Regelung zu Treibhausgaszertifikaten zu spät? (8. September 2010)

EURACTIV.de: Wie europäisch ist das Energiekonzept 2050? (6. September 2010)

EURACTIV.de: Bütikofer drängt auf EU-Rohstoffsteuer (20. August 2010)

EURACTIV.de: FAZ: EU-Kommission plant Rohstoff-Steuer (18. August 2010)

EURACTIV.de: Geden (SWP): Was kommt nach dem Zwei-Grad-Ziel? (27. Juli 2010)

EURACTIV.de: CEP warnt vor verschärftem EU-Klimaziel (22. Juli 2010)

EURACTIV.de: Klimakonferenz in Cancún – Jo Leinen dämpft Erwartungen (7. Juni 2010)

EURACTIV.de: Debatte um EU-Rohstoffpolitik (16. April 2010)