Deutsche Fußballfans als Vorhut für einen europäischen Vorstoß in puncto Nachhaltigkeit
Europäische Fußballfans wollen sich für die ökologische Nachhaltigkeit ihres Sports engagieren. Jedoch fehlt es ihnen dabei an einem geeigneten Rahmen. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht des europäischen Fußballfanverbandes SD Europe. Deutschland sind derweil Vorreiter in den Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck des Fußballs in den Griff zu bekommen.
Europäische Fußballfans wollen sich für die ökologische Nachhaltigkeit ihres Sports engagieren. Jedoch fehlt es ihnen dabei an einem geeigneten Rahmen. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht des europäischen Fußballfanverbandes SD Europe. Deutschland scheint derweil Vorreiter in den Bemühungen zu sein, den ökologischen Fußabdruck des Fußballs in den Griff zu bekommen.
Der SD Europe-Bericht, den EURACTIV einsehen konnte, wurde gemeinsam mit den nationalen Mitgliedern des Verbandes entwickelt. SD Europe arbeitet zudem auch mit der EU und der UEFA zusammen, um den Fußball nachhaltiger zu machen.
„Es ist klar, dass viele organisierte Fans sich der Gefahr bewusst sind, der wir alle durch die Klimakrise ausgesetzt sind, und bereit sind, zu helfen“, sagte die Geschäftsführerin von SD Europe, Antonia Hagemann.
In dieser Hinsicht gibt es noch viel zu tun, denn der Sport steht in der Kritik von Umweltschützern. Fußballmannschaften nehmen in der Regel viele Kurzstreckenflüge in Anspruch, die Stadien verbrauchen viel Energie und produzieren große Mengen an Abfall.
Hinzu kommen die sozialen und ökologischen Auswirkungen von Fußballartikeln, die im Ausland produziert, aber teuer verkauft werden.
Organisationen wie das Football Shirt Collective schlagen seit langem Alarm wegen der Umweltauswirkungen von Trikotnachbildungen. Die Organisation berichtet, dass bei jedem Waschen eines Fußballtrikots schätzungsweise 500.000 Polyesterfasern in die Ozeane gelangen.
Die unter dem Dach von SD Europe zusammengeschlossenen Verbände stellten fest, dass die Zahl der Initiativen, die sich mit Umweltfragen befassen, zwar gestiegen ist, aber bei weitem nicht ausreicht.
Die wenigen, die es gibt, werden durch Kommunikationsprobleme und einen Mangel an Daten über den ökologischen Fußabdruck des Sports behindert, so der Bericht.
Deutschland ist Spitzenreiter
Deutschland kann auf eine lange und traditionsreiche Geschichte privater Vereine zurückblicken, was auch für den beliebtesten Nationalsport des Landes gilt und zu einer ausgeprägten Fußball-Fan-Kultur geführt hat.
„Der Fußball ist fest in unserer Gesellschaft verankert“, sagte Fritz Keller, Chef der Deutschen Fußball Liga 2020. Doch obwohl der Fußball so stark in der Gesellschaft verankert ist, haben Umweltbelange die Diskussion nicht immer geprägt.
Ökologische Nachhaltigkeitsbelange seien ein relativ neues Phänomen unter deutschen Fußballfans, sagte Helen Breit, erste Vorsitzende des langjährigen Fußballfanverbands Unsere Kurve, gegenüber EURACTIV. Sie merkte an, dass sie erst vor eineinhalb Jahren entstanden seien und brachte dies mit dem Aufkommen der „Friday for Future“-Bewegung in Verbindung.
Ab 2020 machte eine Gruppe von Fußballfanverbänden in Deutschland ernst mit der Bekämpfung der Klimakrise. Sie schloss sich zusammen, um einen gemeinsamen Ansatz zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in den verschiedenen Ligen zu entwickeln, wie EURACTIV berichtete.
Im August startete Unsere Kurve so genannte „DIY-Workshops“. Fans sollen hier mit Werkzeugen und Handbüchern ausgestattet werden, um als „Multiplikatoren“ ihre Gemeinden aufzuklären, erklärte Breit. Sie fügte hinzu, dass diese Workshops zum Selbstkostenpreis angeboten werden.
In zwei der DIY-Workshops lernen Gemeindemitglieder, wie sie ihren jeweiligen ökologischen Fußabdruck einschätzen und ihre Mitmenschen über die ökologischen Auswirkungen von Fanartikeln aufklären können. Dazu wird ihnen ein digitales Handbuch bereitgestellt, das sie jederzeit einsehen können.
[Bearbeitet von Benjamin Fox]