Deutsche Landwirtschaft verzeichnet Rekordjahr
Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das gerade in der Landwirtschaft vom Ukrainekrieg geprägt war, ging es den Höfen in Deutschland wirtschaftlich so gut wie seit zehn Jahren nicht. Krisenprofiteur sei die Branche trotzdem nicht, heißt es aus dem Ministerium.
Im vergangenen Geschäftsjahr, das gerade in der Landwirtschaft vom Ukrainekrieg geprägt war, ging es den Höfen in Deutschland wirtschaftlich so gut wie seit zehn Jahren nicht. Krisenprofiteur sei die Branche trotzdem nicht, heißt es aus dem Ministerium.
Nach mehreren schwierigen Jahren entwickelten sich die Einkommen in der Landwirtschaft im Wirtschaftsjahr 2021/22 “deutlich positiv.” Zu diesem Ergebnis kommt das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) in seiner jüngsten Hochrechnung.
So stieg das Einkommen je Arbeitskraft im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel auf rund 43.500 – das mit Abstand stärkste Ergebnis der letzten zehn Jahre.
Als Hauptgrund für den Anstieg sieht das Ministerium den “kräftigen Anstieg” der Erzeugerpreise, die Landwirt*innen für viele Agrarprodukte erzielen konnten. Diese Mehreinnahmen hätten selbst die deutlich gestiegenen Kosten für Betriebsmittel wie Dünger und Tierfutter kompensiert.
“Das sind wirklich erfreuliche Nachrichten in diesen Krisenzeiten”, betonte Ophelia Nick, parlamentarische Staatssekretärin im BMEL, während der Vorstellung der Hochrechnung am Montag (17. April).
Nach einem Jahrzehnt, in dem die Gewinne in der Branche angesichts zahlreicher Krisen sehr volatil gewesen seien, sei es gut, dass es “auch mal ein Jahr gibt, in dem Betriebe durchatmen” konnten, so Nick.
So konnten Milch- und andere Futterbaubetriebe rund 60 Prozent mehr Gewinn einfahren, Ackerbaubetriebe verzeichneten ein durchschnittliches Plus von knapp 40 Prozent.
Profite trotz oder wegen der Krise?
Vor allem der russische Angriffskrieg und die damit einhergehenden Unterbrechungen der ukrainischen Exporte hatten die Marktpreise für viele Agrarprodukte in die Höhe getrieben.
Insgesamt stiegen die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte in Deutschland laut Statistischem Bundesamt zwischen Februar 2022 – dem Beginn der russischen Invasion – und Februar 2023 um rund ein Fünftel.
Besonders machte sich der Preisanstieg bei Produkten bemerkbar, die die Ukraine bis vor dem Krieg in großen Mengen exportierte, darunter Getreide wie Weizen und Gerste, aber auch Ölsaaten, beispielsweise Raps oder Sonnenblumen.
Bei all diesen Produkten hätten die Betriebe im abgelaufenen Geschäftsjahr durch höhere Erzeugerpreise bei stabilen Ernteerträgen ihren Umsatz steigern können, erklärte Nick.
Dem gegenüber stehen die Kosten für landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Dünge- und Futtermittel oder Energie, die ebenfalls durch den russischen Angriffskrieg in die Höhe getrieben wurden.
Der Kostenanstieg wurde laut BMEL durch die höheren Umsätze der Betriebe jedoch mehr als kompensiert.
Zu ähnlichen Ergebnissen war auch das Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbands (DBV) gekommen, mit dem zuletzt im Januar die Stimmung unter den landwirtschaftlichen Betrieben gemessen wurde.
Hier hatten erstmals seit längerem die Landwirt*innen ihre wirtschaftliche Situation wieder optimistischer eingeschätzt. Die Entwicklung der Erzeugerpreise für Produkte wie Milch, Weizen und Raps habe belastende Einflüsse wie hohe Dünger- und Futterkosten “offenbar mehr als aufgewogen”, folgerte der Verband.
Krisenprofiteur ist die Branche aus Sicht von Ophelia Nick trotzdem nicht. Vielmehr sei auf den Höfen viel dafür getan worden, den widrigen Bedingungen zu trotzen.
Man könne stolz darauf sein, dass die Betriebe “Anpassungen vorgenommen” hätten – beispielsweise durch Einsparungen beim Einsatz von Kunstdünger – und so “trotz dieser Krisenzeiten gut durchgekommen” seien, erklärte die Grünen-Politikerin auf Nachfrage.
Auch hätten günstige Wetterbedingungen zu guten Erträgen und damit hohen Gewinnen beigetragen.
Großbetriebe profitieren
Besonders stark profitiert haben derweil von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung laut den Daten des Ministeriums Großbetriebe.
“Das hat sicherlich auch immer mit Skaleneffekten zu tun, durch die beispielsweise der Einkauf von Betriebsmitteln für große Betriebe günstiger wird”, so Nick.
Dies zeige, dass bei der zukünftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) darauf geachtet werden müsse, kleinbäuerliche Betriebe zu stärken und so die Vielfalt in der Agrarstruktur zu erhalten, betonte sie.
(Bearbeitet von Oliver Noyan)