Deutscher Brigadegeneral wird Chef der Europäischen Verteidigungsagentur
Erstmals soll mit dem deutschen Brigadegeneral André Denk ein hochrangiger Militär die Leitung der Europäische Verteidigungsagentur übernehmen – und nicht wie bisher ein Diplomat oder Politiker. Damit schlägt die Agentur ein neues Kapitel auf.
Erstmals soll mit dem deutschen Brigadegeneral André Denk ein hochrangiger Militär die Leitung der Europäische Verteidigungsagentur übernehmen – und nicht wie bisher ein Diplomat oder Politiker. Damit schlägt die Agentur ein neues Kapitel auf.
Die Ernennung des deutschen Brigadegenerals André Denk – derzeit als stellvertretender Generaldirektor die Nummer zwei in der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) – ist symbolträchtig. Die 2004 gegründete Agentur will die EU-Staaten zu überzeugen, dass sie eine größere Rolle bei der Koordinierung der Beschaffung von Munition und Raketen in der EU übernehmen sollte.
Vier mit der Personalie vertraute Personen sagten, dass Denks Ernennung zum EDA-Chef genehmigt sei. Ein Militär an der Spitze – anstatt eines Diplomaten oder Politikers – stellt einen Bruch mit der bisherigen Tradition dar. Bis vor wenigen Wochen wurde auch die ehemalige niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren als mögliche Leiterin gehandelt.
Verbesserte Beziehung zu Berlin?
In den letzten Jahren hat die EDA einen massiven Wandel durchlaufen und sich zu einem Beschaffungszentrum mit größerer Schlagkraft entwickelt – vor allem beim Aufspüren von Versorgungslücken in den Armeen der EU-Staaten.
Offiziell ist der EDA-Chef der EU-Spitzendiplomatin unterstellt, derzeit also Kaja Kallas. Mit Denk – einem Deutschen – an der Spitze könnten sich die Beziehungen zwischen Berlin und der EDA verbessern. Bislang hatte Deutschland die zunehmende Übertragung der Kontrolle über militärische Angelegenheiten an die EDA mit Skepsis verfolgt.
Beispielsweise hatte das bevölkerungsreichste EU-Staat darauf gedrängt, dass die gemeinsame Beschaffung nicht über die EDA, sondern über eine designierte „Lead Nation“ abgewickelt werden soll.
Denk bereitet sich auf seine künftige Rolle als Nummer 1 vor. So traf er den lettischen Verteidigungsminister während seines EDA-Besuchs in Brüssel und reiste nach Warschau, um die EU-Verteidigungsminister bei einer informellen Tagung zu treffen – Aufgaben, die normalerweise dem Agenturchef vorbehalten sind.
(de, jp, kn)