Deutschland: Weiter große Lücken bei Künstlicher Intelligenz

Im November stellte das Bundesforschungsministerium (BMBF) seinen KI-Aktionsplan vor. Damit will man Deutschland und Europa auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) an die Spitze zu bringen. Am Mittwoch (17. Januar) zog der Ausschuss für Digitales dazu eine erste Bilanz.

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“Trotz dieser Stärken steht Deutschland jedoch im internationalen Vergleich, insbesondere mit Ländern wie den USA und China, vor Herausforderungen. Diese Länder investieren stark in KI, ziehen Talente an und fördern die Entwicklung neuer Technologien,” kritisierte Kai Pascal Beerlink, Referent Künstliche Intelligenz beim Digital Verband Bitkom gegenüber Euractiv. [Coffeemill / Shutterstock]

Im November stellte das Bundesforschungsministerium (BMBF) seinen KI-Aktionsplan vor. Damit will man Deutschland und Europa auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) an die Spitze zu bringen. Am Mittwoch (17. Januar) zog der Ausschuss für Digitales dazu eine erste Bilanz. Doch Fachleute sehen noch großen Nachholbedarf.

Der KI-Aktionsplan, welcher mit einer zweimonatigen Verspätung im November vorgestellt wurde, umfasst zwölf Handlungsfelder, welche die gesamte Wertschöpfung von KI auf nationaler und EU-Ebene stärken sollen. In der laufenden Legislaturperiode sollen 1,6 Milliarden für KI zur Verfügung gestellt werden. 

Der Aktionsplan für Künstliche Intelligenz (KI) baut auf der KI-Strategie der letzten Bundesregierung, welche im November 2018 beschlossen wurde, auf und soll die Lücken der KI-Strategie schließen. 

„Wir haben eine Rahmenstrategie, wir haben die Leute, wir müssen ins Machen kommen“, erklärte Mario Brandenburg, Staatssekretär des BMBF im Digital Ausschuss am Mittwoch

Expertinnen und Experten sehen jedoch mit Blick auf den internationalen Wettbewerb Nachholbedarf.

Obwohl Deutschland als Forschungsstandort für KI international anerkannt ist und durch exzellente Forschungseinrichtungen und Universitäten bedeutende Beiträge zur Automatisierung und Industrie 4.0 leistet, weist Deutschland Schwachstellen auf, die es auszubessern gelte, so der Digital Verband Bitkom.

„Trotz dieser Stärken steht Deutschland jedoch im internationalen Vergleich, insbesondere mit Ländern wie den USA und China, vor Herausforderungen. Diese Länder investieren stark in KI, ziehen Talente an und fördern die Entwicklung neuer Technologien,“ kritisierte Kai Pascal Beerlink, Referent Künstliche Intelligenz beim Digital Verband Bitkom gegenüber Euractiv.

„Die vielleicht größte Schwachstelle in Deutschland ist der Transfer von Erkenntnissen aus der Wissenschaft in die Wirtschaft“, so Beerlink.

Obwohl 24 Prozent der deutschen Unternehmen Deutschland in der KI-Forschung weltweit in der Spitzengruppe sieht, setzen in der Wirtschaft derzeit nur 15 Prozent aller Unternehmen KI ein. Gerade mal 2 Prozent sehen Deutschland im internationalen Wettbewerb als Vorreiter, so die Statistik laut Fraunhofer IAIS.

„KI ist eine Querschnittstechnologie und wir müssen sie zum einen in die Breite der gesamten Wirtschaft bringen, zum anderen müssen wir auch bei den Anbietern von KI-Lösungen ganz vorne mit dabei sein“, erklärte Beerlink gegenüber Euractiv.

Der vom BMBF angekündigte hochrangige KI-Workshop der Wissenschaft auf europäischer Ebene wird am 23. Januar in Brüssel stattfinden. 

KI-Aktionsplan

Mit dem KI-Aktionsplan sollen gezielt kleinere Unternehmen erreicht werden. Die KI Servicezentren und KMU Förderprogramme sollen dort den Transfer verbessern, so der Staatssekretär am Mittwoch.

Das BMBF beschreibt die Umsetzung des KI-Aktionsplans als „intensiv vorangetrieben“.

„So wurden bereits acht Förderaufrufe gestartet, der Aktionsplan Robotik veröffentlicht und zahlreiche Gespräche mit Stakeholdern geführt“, fügte die BMBF-Sprecherin hinzu.

Um mehr Möglichkeiten zu schaffen, sich mit KI zu befassen, werden weitere 50 Professuren durch das ‘KI-Update’ geschaffen und die KI-Kompetenzzentren mit den Zentren für digitale Bildung und Schulzentren verbunden.

„Die geförderten KI-Kompetenzzentren, darunter das Center for Scalable Data Analytics and Artificial Intelligence oder das Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz, beflügeln die KI-Forschung in Deutschland“, hob Joachim Köhler, Abteilungsleiter Netmedia am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), hervor.

Nachholbedarf

Während in den Bereichen KI-Hardware und KI-Forschung bereits erhebliche Fortschritte erreicht worden sind, bemängelt der KI-Experte am Fraunhofer IAIS, dass Deutschland einiges aufzuholen habe. 

„Wie erfolgreich der KI-Aktionsplan am Ende sein wird, hängt unter anderem davon ab, wie schnell Deutschland es schafft, große und offene KI-Basismodelle bereitzustellen“, sagte Köhler vom Fraunhofer-Institut gegenüber Euractiv.

„Hier stehen die Aktivitäten des KI-Aktionsplans im direkten Wettbewerb mit den KI-Aktivitäten der US-amerikanischen Industrie mit Fokus auf Microsoft, Google, Apple, Meta und Amazon sowie OpenAI“, fügte Köhler hinzu.

Gerade diese Unternehmen sind dabei, ihre Technologieführerschaft zu etablieren, indem sie KI-Technologien über bestehende Cloud-Systeme in Unternehmen einbinden. 

„Deutschland hat sich nicht so schnell wie andere Länder digitalisiert und die Chancen der Digitalisierung genutzt“, so die Einschätzung von Matthew Brittin, Präsident von EMEA Business & Operations bei Google, gegenüber Euractiv.

Auch müsse das Angebot der europäischen KI-Forschung und Entwicklung stärker gebündelt werden.

„Aktuell ist das Projekt OpenGPT-X das einzige Förderprojekt des BMWK, das sich intensiv mit der Erstellung von KI-Basismodellen beschäftigt. Diese Aktivitäten müssten im KI-Aktionsplan deutlich ausgebaut und erweitert werden“, erklärte Köhler.

„In Deutschland haben wir hervorragende Technologien, aber keine starken Ökosysteme wie etwa Microsoft Azure [Plattform für Cloud Computing] oder die Google Cloud. Dieser Wettbewerb wird durch den KI-Aktionsplan nur ansatzweise ausgetragen“, fügte Köhler hinzu.

Lösungsansatz

„Entscheidend wird sein, wie diese Initiative in die Gesamtstrategie der Bundesregierung zur Künstlichen Intelligenz eingebettet wird. Die Politik darf nicht wie in der Vergangenheit auf der einen Seite KI fördern, auf der anderen Seite aber auch behindern“, sagte Beerlink von Bitkom und verwies dabei auf die restriktiven Regeln für die Verwendung sensibler Daten.

„Wenn wir Milliarden in KI investieren, ihr dann aber die Daten entziehen, ohne die eine KI nun einmal nicht arbeiten kann, dann kommen wir nicht von der Stelle“, fügte Beerlink hinzu.

Aus Sicht des KI-Experten am Fraunhofer IAIS bedarf es eines deutsch-europäischen Ökosystems, welches die Erstellung der KI-Basismodelle in skalierbarer Weise ermöglicht. 

(Bearbeitet von Oliver Noyan)