„Die Fremde“ erhält EU-Filmauszeichnung 2010
Den LUX-Preis 2010 des Europäischen Parlaments für das europäische Kino gewann das deutsche Werk Die Fremde, das durch die narrative Behandlung des Dramas einer in Deutschland lebenden türkischen Familie das Problem der Ehrenmorde behandelt.
Den LUX-Preis 2010 des Europäischen Parlaments für das europäische Kino gewann das deutsche Werk Die Fremde, das durch die narrative Behandlung des Dramas einer in Deutschland lebenden türkischen Familie das Problem der Ehrenmorde behandelt.
Als sie die Auszeichnung gestern (24. November) in Empfang nahm, sagte die Filmregisseurin, Feo Alada?, dass sie eine Geschichte über Familienbeziehungen erzählen wollte, aber gleichzeitig auch eine Geschichte, die die soziokulturelle und moralische Dimension betreffe.
Ein Ehrendmord ist der Mord eines Mitgliedes der Familie oder der gesellschaftlichen Gruppe durch andere Mitglieder, auf Grund des Glaubens der Täter – und eventuell auch der breiteren Gemeinschaft –, dass das Opfer die Familie oder die Gemeinschaft entehrt habe.
Den Vereinigten Nationen zufolge werden jährlich bis zu 100.000 Frauen aus Gründen des Ehrenmordes ermordert.
Die deutsche Europaabgeordnete der Europäischen Volkspartei (EVP) Doris Pack, Vorsitzende des Kulturausschusses des Europäischen Parlamentes, sagte, dass es die Regisseurin verstehe, ohne niemanden zu beschuldigen die Zuschauer in die Geschichte hineinzubringen und sie die Konflikte der Beteiligten erleben zu lassen.
Alada? beschreibe die inneren Konflikte der Protagonistin, zwischen ihren Wurzeln und der Tradition, der Liebe zu ihren Eltern und dem Leben, das sie als moderne und unabhängige Frau in Deutschland führen wolle, auf eine sehr sensible und realistische Art und Weise, fügte Pack hinzu.
Während einer Pressekonferenz beschrieb Pack den Ehrenmord als ein „Problem der Tradition“, das die Türkei bekämpfen müsse.
Als er den Preis verlieh, betonte der Parlamentspräsident, Jerzy Buzek, die Rolle der Kultur und des Filmes als eine gute Methode, damit die Menschen übereinander erführen und sich gegenseitig verstünden.
Der Gewinner bekommt 90.000 Euro, um den Film in allen 23 Amtssprachen der EU mit Untertiteln zu versehen und um die Originalfassung des Filmes in Fassungen für Seh- oder Hörbehinderte umzuwandeln.
Wenn der prämierte Film schon mit Untertitel in den Kinos projiziert wurde, unterstützt der LUX-Filmpreis die Produktion einer DVD.
Seit der Schaffung des LUX-Preises haben ihn die Filme Auf der anderen Seite von Fatih Akin (2007), Le Silence de Lorna von Jean-Pierre und Luc Dardenne (2008) und Welcome von Philippe Lioret (2009) gewonnen.