Die "Transsib" steuert auf die EU zu
Bereits in 15 Jahren könnte die so genannte "Transsibirische Eisenbahn" nicht mehr in Cierna nad Tisuo an der ukrainisch-slowakischen Grenze sondern am Donauhafen in Wien enden.
Bereits in 15 Jahren könnte die so genannte „Transsibirische Eisenbahn“ nicht mehr in Cierna nad Tisuo an der ukrainisch-slowakischen Grenze sondern am Donauhafen in Wien enden.
Die Wiener Wirtschaft macht Druck auf ein europäisch-asiatisches Bahnprojekt. Der Direktor des Wirtschaftsbundes, Alexander Biach, ist damit heute an die Öffentlichkeit gegangen: „Handelspartner aus Asien sind interessiert daran, Zugang zu diesem Knotenpunkt zu erhalten. Das ist auch für Wien und Europa eine Chance.“
Bereits in 15 Jahren könnte die so genannte „Transsibirische Eisenbahn“ nicht mehr in Cierna nad Tisuo an der ukrainisch-slowakischen Grenze sondern am Donauhafen in Wien enden. Die drei betroffenen Bahngesellschaften aus Österreich, der Slowakei und der Ukraine haben sich darauf bereits verständigt.
Kostenpunkt derzeit ca. neun Milliarden Euro. Im Herbst reist eine Wirtschaftsdelegation aus Wien bereits nach Moskau, um über dieses Projekt zu diskutieren. Die aktuelle Beziehungskrise zwischen Russland und der EU, so hofft man, sollte bis dahin wieder einigermaßen beigelegt sein. Zudem geht es dabei um ein Zukunftsvorhaben, das für alle Beteiligten Interessen haben und Nutzen bringen würde. Und auch bei der EU in Brüssel wird man, sobald die neue Kommission im Amt ist, vorstellig werden. Zudem sollen aber nicht nur EU- und sonstige öffentliche Geldquellen angezapft sondern auch private Investoren gefunden werden.
10 statt 30 Tage Transportdauer
Europas internationales Bahnnetz verläuft in mehreren Spurbreiten. In 87 Prozent der EU-Staaten beträgt diese 1435 mm – auch Normalspur genannt. In Russland, Finnland und den baltischen Staaten sowie auf der iberischen Halbinsel fährt die Bahn auf Breitspur, 1524 bzw. 1668 mm. Das russische Bahnnetz reicht bis nach China und stellt daher eine vor allem wirtschaftlich zunehmend interessanter werdenden Verkehrsverbindung statt. Derzeit mit dem Hindernis behaftet, dass an der slowakisch-ukrainischen Grenze ein Spurwechsel stattfinden muss. Das heißt, die Waggons müssen entweder auf ein anderes Wagengestellt „umgespurt“ oder die Fracht überhaupt von einem auf einen anderen Waggon transferiert werden. Das hat einen nicht unerheblichen Zeitaufwand zur Folge. Mit dem Effekt, dass viele Güter etwa von China nach Europa auf dem Seeweg transportiert und in den Häfen auf LKW oder Zug umgeladen werden. Die durchschnittliche Transportzeit beträgt heute daher auf dieser Route rund 30 Tage. Die Verlängerung der Transsib bis ins Herz Europas, nach Wien, würde die Bahnverbindung wesentlich attraktiver machen, die Fahrzeit dank neuester Transport-Logistik auf ein Drittel reduzieren.
2030 von Wien über Moskau nach Peking
In Wien sind diesbezüglich auch schon konkrete Planungen im Gange. So soll ein großer Güterterminal gleich in der Nähe des Donau-Hafens in der Freudenau, zugleich nicht unweit des Flughafens Schwechat entstehen. Damit wäre ein optimaler Knotenpunkt aller relevanten Verkehrsträger gegeben, der zugleich 3.400 neue Arbeitsplätze schaffen würde. Der österreichische Streckenanteil wäre mit rund 60 Kilometer relativ kurz bemessen, auf die Slowakei hingegen würden gut 500 Kilometer entfallen.
Die Regierung in Bratislava sieht sich diesem Projekt durchaus gewachsen, erwartet sie doch daraus eine Aufwertung als wichtiges, strategisches Transitland und rechnet sie nicht zuletzt auf die Unterstützung durch die EU. Interesse findet dieses Projekt indessen nicht nur bei den großen Transportunternehmen sondern auch in der Touristikwirtschaft. Fernreisen boomen derzeit in jeder Form, sei es als Kreuzfahrt auf den Meeren oder auf den großen Flüssen, wie Rhein, Donau und Wolga. Gefragt sind aber auch Nostalgiereisen a la Orient- und Maharadscha-Express. Mit dem Zug von Wien über Moskau nach Peking zu reisen, wäre sicher eine neue Attraktivität, die sich hohen Zuspruchs erfreuen dürfte. Man wird freilich wohl zumindest noch bis 2030 auf dieses Angebot warten müssen.