Digitale Dekade: EU-Bericht zeigt Lücken in Digitalisierungsplänen
Der erste Bericht über den Stand der Digitalen Dekade wurde am Mittwoch (27. September) veröffentlicht. Die wichtigsten Ergebnisse zeigen Lücken in der 5G-Netzabdeckung und offene Fragen beim Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen.
Der erste Bericht über den Stand der Digitalen Dekade wurde am Mittwoch (27. September) veröffentlicht. Die wichtigsten Ergebnisse zeigen Lücken in der 5G-Netzabdeckung und offene Fragen beim Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen.
Die Bestrebungen der EU für 2030 sind „messbare Ziele“ für digitale Fähigkeiten, digitale Infrastruktur, Digitalisierung von Unternehmen und Digitalisierung öffentlicher Dienste. Die Digitale Dekade soll einen Rahmen vorgeben, der alle Maßnahmen im Zusammenhang mit der Digitalisierung lenken und sicherstellen soll, sodass alle Aspekte der Technologie und Innovation den Menschen zugutekommen.
Der am Mittwoch veröffentlichte Bericht ist der erste aus einer zukünftig jährlich erscheinenden Artikelserie, welche von entscheidender Bedeutung für die Identifizierung von Lücken in den Fortschritten ist.
„Der Weg zur Umsetzung der Ziele der Digitalen Dekade ist noch lang. Jetzt ist es an der Zeit, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Lücke zu schließen und sicherzustellen, dass der vollständige digitale Übergang bis 2030 erreicht wird, ohne jemanden zurückzulassen“, sagte Věra Jourová, Vizepräsidentin für Werte und Transparenz der Europäischen Kommission.
Eva Maydell, bulgarische Europaabgeordnete, zeigte sich jedoch besorgt über die Lücken in den Fortschritten. Sie schrieb auf X, dass die Zahlen des Berichts „besorgniserregend“ seien und dass „wir uns dringend um die Wettbewerbsfähigkeit der EU kümmern“ und „weiterhin eine innovationsfreundliche Agenda vorantreiben“ müssten.
Highspeed-Internet für alle
Eine der größten Lücken wurde bei der Einführung von 5G festgestellt.
Im Rahmen des Ziels für 2030 ist geplant, eine 5G-Netzabdeckung in allen bewohnten Gebieten bereitzustellen, und jeder europäische Haushalt sollte von einer Versorgung mit Highspeed-Kapazitäten profitieren können.
Aus dem Bericht geht hervor, dass 5G zwar für 81 Prozent der EU-Bevölkerung verfügbar ist, dieser Prozentsatz in ländlichen Gebieten jedoch mit 51 Prozent deutlich niedriger ist. Darüber hinaus sind Glasfasernetze, die für die Bereitstellung von Highspeed-Verbindungen erforderlich sind, nur für etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung zugänglich.
Außerdem gibt es Probleme mit der Qualität von 5G in sogenannten Stand-Alone-Netzen.
Dem Bericht der Kommission zufolge wären zusätzliche Investitionen in Höhe von mindestens 200 Milliarden Euro erforderlich, um eine flächendeckende Versorgung mit Hochgeschwindigkeitsinternet und 5G in besiedelten Gebieten zu erreichen.
Lobbygruppen, die Europas größte Telekommunikationsbetreiber vertreten, haben argumentiert, dass die Betreiber einen „unüberwindbaren“ Betrag investieren müssen, um „das exponentielle Verkehrswachstum zu bewältigen.“
Die Generaldirektorin von ETNO, Lise Fuhr, sagte Euractiv, dass sie „den Bericht begrüßen, der klar die Investitionslücke in Europas Netzwerken anerkennt und zeigt, dass neue Maßnahmen erforderlich sind, um 5G und Glasfaser zu allen Bürgern zu bringen.“
Chips und Digitalisierung der Wirtschaft
Auch Halbleiterindustrie und die Digitalisierung der Wirtschaft spielt eine entscheidende Rolle für die Digitale Dekade.
Die EU plant ihren Anteil an der weltweiten Produktion von Halbleitern bis 2030 verdoppeln, von derzeit 10 Prozent des Weltmarktanteils auf 20 Prozent.
Das im September in Kraft getretene Europäische Chip-Gesetz ist ein wichtiger Teil dieser Bemühungen, indem es das Ökosystem der Halbleiterindustrie entwickelt und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten erhöht.
Um diese Ziele weiter voranzutreiben, sollten die Mitgliedsstaaten nationale Strategien verfolgen und in Chips investieren, schlägt der Bericht vor.
Was die Digitalisierung angeht, so variiert der Einsatz von KI in den Unternehmen dem Bericht zufolge zwischen den EU-Ländern. Am höchsten ist er in Dänemark mit 24 Prozent, während er in Rumänien nur 1 Prozent beträgt.
Auch beim Ausbau von Glasfasernetzen gibt es erhebliche Unterschiede: Nur 19 Prozent der deutschen Bevölkerung haben Zugang.
Die Kommission strebt an, dass sich die Zahl der Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro bis 2030 verdoppelt. Darüber hinaus sollen 90 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in der EU das „Basisniveau“ der digitalen Intensität erreichen. Der EU-Durchschnitt liegt derzeit bei 54 Prozent.
Die digitale Intensität misst die Nutzung verschiedener digitaler Technologien auf Unternehmensebene, und das Basisniveau der digitalen Intensität umfasst Unternehmen mit einem niedrigen, hohen und sehr hohen Niveau des digitalen Intensitätsindex, nicht aber solche mit einem sehr niedrigen Niveau.
Die Kommission hofft, dass innerhalb desselben Zeitraums mindestens 75 Prozent der EU-Unternehmen Cloud-Computing-Dienste, Big Data oder künstliche Intelligenz nutzen werden. Die Nutzung fortschrittlicher digitaler Technologien liegt derzeit bei durchschnittlich 8 Prozent.
Der Bericht fügt hinzu, dass mehrere Mitgliedstaaten bereit sind, öffentliche Dienste und Gesundheitsakten sowie die Verteilung von eIDs vollständig zu digitalisieren. Belgien beispielsweise liegt mit einem Wert von 85 im Vergleich zu 72 über dem EU-Durchschnitt.
Kompetenzen
Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die digitalen Kompetenzen der 16- bis 74-Jährigen um 80 Prozent zu steigern und bis 2030 20 Millionen IKT-Spezialisten (Informations- und Kommunikationstechnologien) zu haben. Der durchschnittliche Anteil der IKT-Fachkräfte an der Erwerbsbevölkerung liegt in der EU derzeit bei 4,6 Prozent.
Auf den Bericht folgen nationale Fahrpläne, die von den EU-Ländern bis zum 9. Oktober vorgelegt werden, und anschließend Diskussionen mit dem Rat, dem Parlament und dem Vorstand der Digitalen Dekade.
[Bearbeitet von Alice Taylor/Kjeld Neubert]