Dürrebedingte Ernteeinbußen treffen Viehwirtschaft am härtesten

Die anhaltenden Dürreperioden in ganz Europa haben zu einem Rückgang der Getreideproduktion geführt. Besonders stark sind dabei die Preise für Tierfutter in die Höhe geschnellt - wegen magerer Erträge herrscht hier ernsthafte Knappheit.

EURACTIV.com
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Es wird erwartet, dass der Tierhaltungssektor in der EU sowohl unter den hohen Futtermittelpreisen als auch unter der Trockenheit auf den Weideflächen zu leiden hat. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/charolais-herd-meadow-during-heat-wave-2189574945" target="_blank" rel="noopener">SHUTTERSTOCK/William Edge</a>]

Die anhaltenden Dürreperioden in ganz Europa haben zu einem Rückgang der Getreideproduktion geführt. Besonders stark sind dabei die Preise für Tierfutter in die Höhe geschnellt – wegen magerer Erträge herrscht hier ernsthafte Knappheit.

Zusammen mit dem Mangel an Weideland könnte dies die europäische Geflügel- und Schweinefleischproduktion beeinträchtigen, warnen Expert:innen.

Die EU hatte in den letzten Monaten eine der schlimmsten Dürreperioden seit Längerem, von der 14 der 27 Mitgliedstaaten, darunter Portugal, Italien, Spanien und Frankreich, besonders stark betroffen waren, wie aus einer Analyse von Farm Europe hervorgeht.

Diese außergewöhnlich heißen und trockenen Monate haben die Ernten in der EU stark beeinträchtigt, insbesondere bei Getreide und Ölsaaten, erklärte der Kommissionsvertreter Michael Scannell bei einer Anhörung des Landwirtschaftsausschusses im Europäischen Parlament am Mittwoch (31. August).

Dies habe dazu geführt, dass die Bruttogetreideproduktion im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt um vier Prozent sinken werde, erklärte Scannell.

Besonderes Sorgenkind ist jedoch der Mais, bei dem ein erheblicher Produktionsrückgang von 13,7 Prozent im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt erwartet wird.

Diese Einbußen dürften den Viehzuchtsektor stark treffen. Während die Futtermittelkosten in die Höhe schnellen, werden auch die Weidebedingungen durch die Trockenheit stark beeinträchtigt.

„Wir müssen die Auswirkungen dieser Entwicklung im Herbst und Winter sehr genau beobachten – wie auch die Entscheidungen der Viehzüchter:innen, wie sie ihre Tiere füttern und was sie das kostet, und ob sie unter diesen Umständen zum Beispiel beschließen, ihre Tiere zu verkaufen“, warnte Scannell.

Einige EU-Abgeordnete haben bereits auf den erheblichen Einfluss der Trockenheit auf den Viehzuchtsektor in ihren Ländern hingewiesen.

„Wenn ich mir die Tierhaltung anschaue, steht uns eine Katastrophe bevor“, betonte der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling und fügte hinzu, dass viele Landwirt:innen „bereits ihre Wintervorräte für die Fütterung der Rinder verwenden.“

„Es gibt noch einige Vorräte aus dem letzten Jahr. Aber wenn diese Vorräte aufgebraucht sind, wird sich die Frage stellen, ob es Keulungen geben wird oder ob einige Viehzüchter:innen die Branche komplett aufgeben werden“, warnte er.

Die sozialdemokratische Abgeordnete Clara Aguilera García warnte indes, es gebe ein „riesiges Problem in Bezug auf die Lebensfähigkeit in vielen der Viehzuchtgebiete.“

Der jüngste Bericht von Farm Europe warnte ebenfalls davor, dass die Höfe hätten bereits mit dem Anstieg der Preise für Futtermittel und andere Produktionsfaktoren aufgrund des Krieges in der Ukraine zu kämpfen und seien nun damit konfrontiert, ihren Futtermittelbedarf bis zum Herbst nur schwer decken zu können.

Langfristig nachhaltige Lösungen

Gleichzeitig könnten solche außergewöhnlich trockenen Bedingungen künftig immer häufiger auftreten, warnte Scannell.

„Diese Temperaturen im Sommer werden immer häufiger, und unsere Systeme müssen entsprechend angepasst werden“, betonte er.

Die Abgeordneten zeigten sich jedoch uneins über die beste Vorgehensweise.

Während einige Parlamentarier:innen, wie die liberale Abgeordnete Ulrike Müller und der Grüne Martin Häusling, die derzeitige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) als zu kurzsichtig kritisierten und fehlende Anreize für Wassermanagement und den Einsatz entsprechender Technologien anprangerten, warnten andere vor einem Zielkonflikt zwischen gegenwärtiger und zukünftiger Produktion.

So wies die konservative Europaabgeordnete Veronika Vrecionová die Kommission darauf hin, dass sie bei der Einführung weiterer ökologischer Auflagen für die Landwirt:innen in der EU vorsichtig sein müsse, da diese „die Situation noch verschlimmern könnten.“

Zu solchen Bedenken erklärte jedoch der Kommissionsvertreter, dass „die Kommission dies nicht als eine Entweder-Oder-Option betrachtet.“

So würden die Ausnahmeregelungen für bestimmte grüne Maßnahmen in der GAP, die angesichts des Krieges in der Ukraine eingeführt wurden, um die Produktion zu steigern, „nicht unsere Priorität infrage stellen und zugleich sicherstellen, dass wir uns auch den Herausforderungen des Klimawandels annehmen.“

„Generell wird die Ernährungssicherheit weiterhin eine hohe Priorität haben“, betonte Scannell und fügte hinzu, dass Maßnahmen nicht „blind“ eingeführt werden sollten, sondern vielmehr durch die „Suche nach neuen, innovativeren Alternativen.“

[Bearbeitet von Natasha Foote/Zoran Radosavljevic]