Elektroautos: Bundesregierung sieht "ganz klar weiterhin Nachholbedarf"
Die Bundesregierung sieht bei der Entwicklung von Elektroautos in Deutschland Nachholbedarf. Im internationalen Vergleich der Leitmärkte liegt Deutschland im Mittelfeld, erklärten die vier an E-Mobilität beteiligten Bundesministerien in Berlin.
Die Bundesregierung sieht bei der Entwicklung von Elektroautos in Deutschland Nachholbedarf. Im internationalen Vergleich der Leitmärkte liegt Deutschland im Mittelfeld, erklärten die vier an E-Mobilität beteiligten Bundesministerien in Berlin.
Die Marktentwicklung und der Markthochlauf von Elektrofahrzeugen steht im Mittelpunkt der diesjährigen Nationalen Konferenz Elektromobilität, die am 15. und 16. Juni 2015 in Berlin stattfindet. Zwar sei in den vergangenen Jahren Einiges erreicht worden, „aber es gibt auch ganz klar weiterhin Nachholbedarf“, erklärte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Montag.
Insgesamt gebe es gute Fortschritte in der Marktvorbereitungsphase für Elektrofahrzeuge in Deutschland zwischen 2011 und 2014, so Gabriel. Verbesserungen müsse es aber noch bei den Reichweiten der Motoren, der Zahl der Ladesäulen oder der Ladedauer der einzelnen Fahrzeuge geben.
Umweltministerin Barbara Hendricks nannte Elektromobilität eine große Chance für den Verkehr, zum Klimaschutz beizutragen. „Eine vollständig dekarbonisierte Weltwirtschaft, wie von den G7-Staaten auf Schloss Elmau bekräftigt, ist nur möglich, wenn auch der Verkehrssektor Abschied von den fossilen Energieträgern nimmt“, so Hendricks. Vor diesem Hintergrund könne die Entwicklung der Elektromobilität im Pkw-Bereich trotz der erzielten Erfolge nicht zufriedenstellen. „Der Marktentwicklung, die wir jetzt eigentlich erwartet hatten, fehlt weiter die entscheidende Dynamik.“
Auf der diesjährigen Nationalen Konferenz Elektromobilität wollen Industrie und Politik eine Zwischenbilanz ziehen. Dabei wird der thematische Bogen geschlagen von der Phase der Marktvorbereitung über den Markthochlauf bis hin zum Weg in den Massenmarkt. Die Themen der Foren reichen von technologischen Grundlagen über wirtschaftliche und umweltpolitische Perspektiven bis hin zu Rahmenbedingungen und Marktanreizen für die Elektromobilität.
Derzeit gibt es der Bundesregierung zufolge in Deutschland 19 E-Auto-Modelle. Bis Jahresende soll es auf dem deutschen Markt 30 Modelle geben. Ziel der Bundesregierung ist es, 2020 eine Millionen Elektroautos auf den deutschen Straßen zu sehen.
Im internationalen Vergleich der Leitmärkte liegt Deutschland im Mittelfeld, heißt es in einer Mitteilung der vier Ministerien. Mit Verkaufs-Zuwächsen in 2015 von 95 Prozent in den ersten vier Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum entwickele Deutschland aber eine hohe Dynamik.
NABU zieht nüchterne Bilanz zur Elektromobilität
Der Naturschutzbund (NABU) zieht unterdessen eine nüchterne Bilanz für Elektroautos in Deutschland. Trotz der klimapolitischen Notwendigkeit alternativer Niedrigemissionsfahrzeuge sei das bisherige Engagement der Bundesregierung zur Förderung umweltfreundlicher Mobilitätsformen unzureichend.
„Die Bundesregierung hat bisher keinen ernsthaften Versuch unternommen, eine Verkehrswende anzustoßen“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Stattdessen sehen wir immer mehr übermotorisierte Geländewagen in den Innenstädten, die einer notwendigen Verbrauchsreduzierung im Wege stehen. Das widerspricht allen Erfordernissen des Klimaschutzes, zu denen sich Bundeskanzlerin Merkel gerade erst beim G7-Gipfel bekannt hat.“
Nach Auffassung des Naturschutzbundes werde nicht nur aller Voraussicht nach das Ziel verfehlt, den Anteil von Elektroautos deutlich zu erhöhen: Auch eine Einbettung dieser Fahrzeuge in ein nachhaltiges Verkehrssystem bestehend aus deutlich weniger Autos, mehr Rad- und Fußverkehr und einer Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs bleibe bisher völlig auf der Strecke.
„Das Elektroauto ist längst nicht die Lösung aller unserer Mobilitätsprobleme“, so NABU-Verkehrsexperte Daniel Rieger. „Viel zu hoher Flächen- und Ressourcenverbrauch sowie Lärm bleiben bestehen. Aber ohne mehr Elektromobilität wird es auch nicht gehen. Deshalb brauchen wir finanzielle Anreize für Niedrigemissionsionsfahrzeuge und gleichzeitig eine Sonderabgabe auf besonders klimaschädliche Autos.“