Energiepreise explodieren aufgrund des Ukrainekriegs und versetzen die Märkte in Panik
Die Gas- und Ölpreise haben in dieser Woche neue Höchststände erreicht. Der Rohölpreis überstieg zum ersten Mal seit 2014 die 110-Dollar-Marke pro Barrel. Grund dafür ist die Panik, die der Krieg in der Ukraine auf den Energiemärkten ausgelöst hat.
Die Gas- und Ölpreise haben in dieser Woche neue Höchststände erreicht. Der Rohölpreis überstieg zum ersten Mal seit 2014 die 110-Dollar-Marke pro Barrel. Grund dafür ist die Panik, die der Krieg in der Ukraine auf den Energiemärkten ausgelöst hat.
Die Energiepreise waren in Europa ohnehin schon so hoch wie nie zuvor, und der Krieg, den Russland in der Ukraine führt, hat die Situation leider nur verschlimmert.
Europa ist stark von Russland abhängig, denn 40 Prozent des Erdgases und etwa 27 Prozent des Rohöls, der in der EU verbraucht wird, werden aus diesem Land importiert.
In mehreren EU-Ländern ist der Benzinpreis an der Zapfsäule bereits auf über 2 Euro pro Liter gestiegen, was auf die Sorge über den Krieg in der Ukraine und mögliche Sanktionen zurückzuführen ist, die die Lieferungen unterbrechen könnten.
Es kursieren bereits Meldungen von Tankstellen in Großbritannien, die völlig ausgetrocknet sind, da die Autofahrer:innen verzweifelt versuchen, ihre Fahrzeuge zu betanken, bevor die Preise weiter steigen. Berichten zufolge suchen Kund:innen mit Hilfe von Apps nach den günstigsten Tankstellenpreisen in Frankreich.
Als Reaktion darauf versuchen die Regierungen, die Verbraucher:innen zu schützen. Ungarn hat eine Preisobergrenze für den Großhandelspreis von Benzin bei 1,30 € pro Liter angekündigt. The Journal berichtet unterdessen, dass der irische Außenminister Simon Coveney „außerordentliche Flexibilität“ auf EU-Ebene gefordert hat, um den Anstieg der Kraftstoffpreise zu bewältigen.
Neben den Auswirkungen der steigenden Kraftstoffpreise auf die Brieftaschen der Autofahrer:innen könnte nun auch das Fliegen teurer werden. Die Fluggesellschaften reagieren sehr empfindlich auf Ölpreisschwankungen, und die Gewinnmargen werden sich wahrscheinlich verringern, wenn die Kerosinkosten steigen.
Dieser Anstieg der Treibstoffpreise erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Fluggesellschaften aufgrund der Corona-Beschränkungen ein historisches Tief erleben. Zudem sind sie aufgrund des Flugverbots in den russischen Luftraum inzwischen gezwungen, längere Strecken in Richtung Osten zu fliegen, was wiederum mehr Kerosin verbraucht.
Ein Flug von Frankfurt nach Peking zum Beispiel muss nun 710 Seemeilen mehr zurücklegen, um den versperrten Luftraum zu umgehen. Und ein Flug von Helsinki nach Tokio muss 2.137 zusätzliche Seemeilen zurücklegen.
Es bleibt zwar abzuwarten, ob die Fluggesellschaften diesen Anstieg der Betriebskosten in Form von höheren Ticketpreisen an die Verbraucher:innen weitergeben werden, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich die Situation in absehbarer Zeit entspannen wird.
Darüber hinaus könnten künftige Sanktionen gegen den russischen Energiesektor die Märkte noch stärker verzerren. Bislang hat sich die EU bei ihren Sanktionen gegen Energieimporte zurückgehalten. Stattdessen hat sie ein Verbot für den Export von Technologien für die Ölraffination verhängt.
Außerdem wurden die Finanzsanktionen der EU, wie beispielsweise die Sperrung bestimmter russischer Banken vom SWIFT-Netzwerk, so konzipiert, dass sie den Energiesektor umgehen.
Zwei der größten russischen Banken, Sberbank und Gazprombank, fallen nicht unter das SWIFT-Verbot, so dass die Zahlungen für Energieimporte weiterhin ungehindert erfolgen können.
Allerdings wächst der Druck, die EU-Sanktionen auf den lukrativen russischen Energiesektor auszuweiten, von dem viele befürchten, dass er zur Finanzierung der Armee in der Ukraine beiträgt.
Nach Angaben der Denkfabrik Bruegel geben die EU-Länder schätzungsweise rund 1 Milliarde Euro pro Tag für russische Energie aus – 600 Millionen Euro für Erdgas und 350 Millionen Euro für Öl.
Etwa zwei Drittel des russischen Öls werden im Verkehrssektor der EU verwendet.
Brüssel ruft zur Ruhe auf
In Brüssel hat EU-Energiekommissarin Kadri Simson versucht, die Ängste vor Gas- und Ölknappheit zu zerstreuen.
Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die EU-Länder Ölnotvorräte für mindestens 90 Tage anlegen müssen. Viele EU-Länder überschreiten diese Anforderung, sagte sie am Montag (28. Februar) nach einer Krisensitzung der Energieminister:innen vor Journalist:innen.
Zum Thema Gas fügte sie hinzu, dass Europa im Falle eines Lieferausfalls über ausreichende Vorräte und alternative Quellen verfüge, um bis zum Ende des Winters durchzuhalten.
In einem Gespräch mit Journalist:innen nach dem Treffen räumte Simson jedoch ein, dass die steigenden Ölpreise Anlass zur Sorge gäben.
„Der Ölpreisanstieg hat auf der ganzen Welt Besorgnis erregt und eine Diskussion darüber ausgelöst, ob eine koordinierte Freigabe eines Teils der bestehenden strategischen Reserve durch die Mitglieder der Internationalen Energieagentur notwendig wäre, um den Markt zu stabilisieren“, sagte sie.
Der Abhängigkeit von Russland ein Ende setzen
Simson argumentierte, dass Europa transformative Schritte unternehmen müsse, um die Abhängigkeit von Drittländern bei der Energieversorgung langfristig zu verhindern.
Die russische Invasion in der Ukraine hat dazu geführt, dass Europa seine Abhängigkeit von russischer Energie neu überdenkt. Die EU-Länder sind zunehmend dazu entschlossen, den Anteil an importiertem russischem Gas und Öl, zu verringern.
Einem durchgesickerten Entwurf einer Mitteilung der Europäischen Kommission zufolge, die für nächste Woche erwartet wird, bemüht sich Europa nun aktiv um einen Ausstieg aus der russischen Energieversorgung.
Eine rasche Umstellung auf alternative fossile Energielieferanten wie Norwegen, die Vereinigten Staaten und Länder des Nahen Ostens ist jedoch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden.
So ist es zum Beispiel unwahrscheinlich, dass Norwegen in der Lage sein wird, mehr Gas zu liefern, als es derzeit tut, und die Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG) wird zu einem Preisanstieg im Vergleich zum günstigeren über Leitungen gelieferten Erdgas führen.
Unterdessen forderte eine Gruppe von Umwelt-NGOs die EU und Großbritannien auf, russisches Öl nicht durch Lieferungen aus dem Nahen Osten zu ersetzen. Dies sei „keine Lösung, nicht für das Klima, nicht für die Menschenrechte und nicht für die Energiesicherheit“.
Die Umstellung auf neue Lieferanten fossiler Brennstoffe würde wahrscheinlich zu höheren Energierechnungen und Transportkosten führen, was die europäischen Bürger:innen noch mehr unter Druck setzen und den Druck auf die Regierungen erhöhen würde, diese Situation zu lindern.
[Bearbeitet von Alice Taylor]