Erntebericht: Landwirtschaft leidet unter Folgen des Klimawandels

Bauernverband und Klimaschützer warnen vor den Auswirkungen des Klimawandels auf die Agrarproduktion in Deutschland, nachdem die diesjährige Ernte aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen gemischt ausgefallen ist.

Euractiv.de
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Eine Abfolge verschiedener Wetterextreme in den vergangenen Monaten hat die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland geprägt und laut Erntedaten zu erheblichen Unterschieden zwischen den Regionen und Produktionssektoren geführt. [SHUTTERSTOCK/ID-VIDEO]

Bauernverband und Klimaschützer warnen vor den Auswirkungen des Klimawandels auf die Agrarproduktion in Deutschland, nachdem die diesjährige Ernte aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen gemischt ausgefallen ist.

Eine Abfolge verschiedener Wetterextreme in den vergangenen Monaten hat laut Daten zur diesjährigen Ernte die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland geprägt und zu erheblichen Unterschieden zwischen den Regionen und Produktionssektoren geführt.

„Extremwetter als Folgen der Klimakrise machen unsere Ernten immer stärker zu einem Lotteriespiel“, sagte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir bei der Vorstellung des offiziellen Ernteberichts der Bundesregierung am Montag (28. August).

Der Bericht verweist auf Phasen unvorhersehbaren Wetters, darunter ein ungewöhnlich milder Winter im Jahr 2022, ein Frühling 2023, der regnerisch begann und trocken endete, und ein trockener Sommer, der gerade dann ungewöhnlich regnerisch wurde, als die Ernte eingebracht werden musste.

Ernte durch Regen beeinträchtigt

Der Bericht spricht zwar von einer „zufriedenstellenden“ Rapsernte, stellt aber fest, dass die Getreideernte insgesamt rund vier Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegt, mit besonders niedrigen Werten in Mitteldeutschland und im Nordosten. Bei Winterweizen, der wichtigsten Getreideart, blieben die Erträge rund drei Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

„Wo es starke Niederschläge zur Erntezeit gab, litt vor allem beim Weizen die Qualität“, heißt es in dem Bericht.

Özdemir rief dazu auf, Lehren aus den durchwachsenen Erntedaten dieses Jahres zu ziehen. „Wer glaubt, man könnte später mit Klimaschutz und Klimafolgenanpassung anfangen, vertritt nicht die Interessen der deutschen Landwirtschaft“, betonte der Grünen-Politiker.

„Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die Landwirtschaft klimafest zu machen, damit wir auch in 20, 30 oder 50 Jahren noch sicher ernten können“, fügte er hinzu.

Das Argument, dass die diesjährige Ernte einen ersten Ausblick auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft bietet, wurde von Landwirten und Aktivisten gleichermaßen geteilt.

So sprach der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, bei der Präsentation der Ernteprognose des Verbandes in der vergangenen Woche von den „deutlich spürbaren Auswirkungen des Klimawandels.“

Auch der Präsident der Umweltorganisation NABU, Jörg-Andreas Krüger, betonte, dieses Jahr zeige, wie die Klima- und Naturkrise „unsere Lebensmittelproduktion schon heute vor große Herausforderungen stellt.“

Was folgt aus den Daten?

Die Schlussfolgerungen darüber, was dies für künftige politische Maßnahmen bedeuten sollte, gingen jedoch auseinander.

Aus Rukwieds Sicht muss alles getan werden, „um zukünftig unsere Erträge und die Ernährung sichern zu können.“ Dazu gehöre „die Züchtung resilienterer Pflanzensorten, eine breite Palette an Wirkstoffen für den Pflanzenschutz, wassersparende und konservierende Bodenbearbeitung und die gezielte Förderung einer Bewässerungsinfrastruktur.“

Die Umweltorganisation WWF wies unterdessen auf eine vielfältige und artenreiche Agrarlandschaft als Möglichkeit hin, die Landwirtschaft klimaresistenter zu machen. Diese „verhindert Erosion, bietet Lebensraum für natürliche Gegenspieler zu Krankheitserregern und Schädlingen und hält Wasser möglichst lange dort, wo es für die Produktion von wertvollen Lebensmitteln benötigt wird“, hieß es in einem Statement.

Die deutschen Erntedaten kommen auch vor dem Hintergrund der anhaltenden Auswirkungen extremer Wetterbedingungen auf die Landwirtschaft in ganz Europa, insbesondere durch die schweren Dürre in diesem Frühjahr auf der Iberischen Halbinsel und in anderen Teilen Südeuropas.

EU-weite Wetterkapriolen

Der jüngste Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU über die Überwachung der Ernten im August stellt fest, dass „reichliche“ und „häufige“ Regenfälle die Ernte verzögerten und die Qualität der Winterkulturen in Deutschland, aber auch den Benelux-Ländern und im Nordwesten Frankreichs beeinträchtigten.

„In Bulgarien, Süd- und Ostrumänien, der Tschechischen Republik und Zentralpolen wirkten sich Hitzewellen und überdurchschnittliche Trockenheit besonders negativ auf die Sommerkulturen aus“, heißt es in dem Bericht.

Auch die Landwirtschaftsministerin Albaniens, Frida Krifca, erklärte kürzlich in einem Interview mit EURACTIV, dass der Klimawandel das größte Problem für die albanischen Landwirte darstelle.

Sie wies auf sporadische und heftige Regenfälle, verlängerte Winter und Frühlinge sowie höhere Temperaturen als kritische Herausforderungen für gegenwärtige und zukünftige Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirte hin.

Am Mittwoch (30. August) will die Europäische Kommission dem Agrarausschuss des Europäischen Parlaments die Ergebnisse der EU-weiten Ernte vorlegen.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]