Antibiotikaresistenz: EU-Behörde wirbt für kürzere Tiertransporte

Die Transportzeiten für Tiere sollten verkürzt werden, um das Risiko antibiotikaresistenter Keime zu verringern. Dies geht aus einem neuen wissenschaftlichen Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hervor.

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„Wenn die Dauer des Transports zunimmt, erhöht sich auch die Zeit, in der andere Tiere und die Umwelt (z.B. Luft, LKW) [antimikrobiell resistenten Bakterien] ausgesetzt sind“, heißt es in dem Bericht. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/pigs-being-sent-slaughterhouse-1013034238" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die Transportzeiten für Tiere sollten verkürzt werden, um das Risiko antibiotikaresistenter Keime zu verringern. Dies geht aus einem neuen wissenschaftlichen Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hervor.

Das Gutachten, das am Dienstag (25. Oktober) veröffentlicht wurde, bewertet das Risiko der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen (AMR) bei Geflügel, Schweinen und Rindern während des Transports zwischen landwirtschaftlichen Betrieben oder zu Schlachthöfen.

Dem Bericht zufolge ist die Dauer des Transports von entscheidender Bedeutung, da längere Transportzeiten eine stärkere Vermehrung von Bakterien und eine Übertragung von Bakterien zwischen Tieren ermöglichen.

„Wenn die Dauer des Transports zunimmt, erhöht sich auch die Expositionszeit gegenüber [antimikrobiell resistenten Bakterien] in anderen Tieren und in der Umwelt (z.B. Luft, Lastwagen)“, heißt es in dem Bericht.

Derweil können die Exposition gegenüber einer zusätzlichen kontaminierten Umgebung während der Ruhezeiten sowie die zusätzliche Zeit bis zum Erreichen des endgültigen Bestimmungsortes auch das Risiko der Vermehrung und Verbreitung von Bakterien in den transportierten Tierpartien erhöhen, so die Schlussfolgerung der Stellungnahme.

Der weit verbreitete Einsatz von Antibiotika – sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin – hat dazu geführt, dass einige Bakterien eine Antibiotikaresistenz entwickeln. Dadurch werden Antibiotika zunehmend unwirksam gegen Infektionen und machen allgemein bekannte Infektionen unverhandelbar.

Allein resistente bakterielle Infektionen werden mit fast fünf Millionen Todesfällen pro Jahr weltweit in Verbindung gebracht, wobei etwa 1,3 Millionen Todesfälle direkt auf die resistenten sogenannten Superbugs zurückzuführen sind. Dies hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu veranlasst, Antibiotikaresistenz als eine der 10 größten globalen Bedrohungen aufzuführen.

Die kürzlich von der Kommission gegründete Europäische Gesundheitsunion nannte das Antibiotikaproblem ebenfalls als eine der drei größten Gesundheitsbedrohungen der Union. Das Flaggschiff der EU-Lebensmittelpolitik, die Farm-to-Fork-Strategie, hat sich zum Ziel gesetzt, den Verkauf von Antibiotika für Nutztiere in der EU bis 2030 zu halbieren.

Frank Verdonck, Leiter des EFSA-Referats für biologische Gefahren sowie Tiergesundheit und Tierschutz, erklärte, dass Antibiotikaresistenz trotz der verfügbaren Daten, die einen Rückgang des Antibiotikaverbrauchs in den letzten Jahren belegen, „nach wie vor ein dringendes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellt, das auf globaler Ebene und sektorübergreifend angegangen werden muss.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Agentur eine Verkürzung der Transportzeiten fordert. Schon früher kam sie zu dem Schluss, dass die Transportzeiten auf ein Minimum reduziert werden müssen, um das Wohlergehen von Nutztieren während des Transports zu verbessern.

Die Auswirkungen der EFSA-Bewertung gehen jedoch über die Tiergesundheit und das Wohlergehen der Tiere hinaus, da viele Bakterien von Tieren auf Menschen übertragen werden können.

„Wenn diese Bakterien gegen antimikrobielle Mittel resistent werden, kann die wirksame Behandlung von Infektionskrankheiten beim Menschen beeinträchtigt werden“, heißt es in dem Gutachten.

Die Kommission bereitet aktuell sogenannte tertiäre Rechtsvorschriften zur Verbesserung der amtlichen Kontrollen von Tiertransportschiffen vor, die sie Ende 2022 verabschieden will.

Der Bericht stellt jedoch fest, dass es an spezifischen wissenschaftlichen Studien zum Thema der Ausbreitung von Antibiotikaresistenz unter Tieren während des Transports mangele. Er weist auf mehrere Datenlücken hin und gibt Empfehlungen für die zukünftige Forschung.

Neben der Minimierung der Transportdauer enthält der EFSA-Bericht eine Reihe weiterer Empfehlungen, darunter die gründliche Reinigung von Fahrzeugen, Ausrüstung und Räumen, in denen die Tiere während des Transports beladen und entladen werden.

In der Zwischenzeit könnten mobile Schlachteinheiten eingesetzt werden, um die Transportzeit und -belastung sowie die Zeit zwischen Fang und Schlachtung generell zu begrenzen. Voraussetzung sei, dass die Anforderungen an die Lebensmittelhygiene und die Zulassungsbedingungen erfüllt werden können, heißt es weiter.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]