EU beschafft über 54.000 zusätzliche Affenpocken-Impfstoffdosen
Angesichts des Anstiegs der Affenpockenfälle in der EU um fast das Doppelte innerhalb einer Woche hat die Behörde zur Vorsorge von Gesundheitskrisen (HERA) der Europäischen Kommission mehr als 54.000 zusätzliche Impfstoffdosen gegen das Virus beschafft.
Angesichts des Anstiegs der Affenpockenfälle in der EU um fast das Doppelte innerhalb einer Woche hat die Behörde zur Vorsorge von Gesundheitskrisen (HERA) der Europäischen Kommission mehr als 54.000 zusätzliche Impfstoffdosen gegen das Virus beschafft.
Am Montag (18. Juli) gab die Kommission bekannt, dass HERA 54.530 Impfstoffdosen der dritten Generation des Unternehmens Bavarian Nordic beschafft hat. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Dosen, die für die Mitgliedstaaten als Reaktion auf den anhaltenden Affenpockenausbruch erworben wurden, auf 163.620.
„Wir haben jetzt mehr als 160.000 Impfstoffdosen gesichert, um umgehend auf das Fortschreiten der Ausbreitung des Virus zu reagieren. Das ist die Leistung der Europäischen Gesundheitsunion für unsere Bürger“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.
Die Impfstoffe wurden über HERA aus Mitteln des EU4Health-Programms – dem Gesundheitsprogramm der EU zur Krisenvorsorge – gekauft. Bislang haben sechs EU-Länder Impfstoffe erhalten, insgesamt wurden etwa 25.000 verteilt. Spanien erhielt 5.300, Deutschland über 5.000, Belgien 3.400, Schweden 2.700, Irland 1.400 und Italien über 1.000, teilte der Kommissionssprecher am Montag mit und fügte hinzu, dass die Lieferungen dieser Impfstoffe noch im Gange seien.
Europa bleibt ein Epizentrum des aktuellen Affenpockenausbruchs außerhalb der endemischen Länder. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 12. Juli wurden 9.200 Fälle in 63 Ländern registriert. Am 15. Juli meldete die in Großbritannien ansässige Forschungsorganisation Our World in Data über 12.000 kumulierte Fälle weltweit.
Bis Montag wurden in der EU über 7.000 Fälle von Affenpocken gemeldet, „ein Anstieg von fast 50 Prozent seit einer Woche“, sagte Kyriakides.
Die Lieferung des Impfstoffs soll in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt werden, wobei man sich an den Fallzahlen in den Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und Island orientiert. Die Impfstoffdosen werden entsprechend der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder zugeteilt, wie dies auch im Rahmen der Bekämpfung Coronavirus der Fall war.
Die Impfstoffe werden nicht für Massenimpfungen verwendet, sondern bestimmten Risikogruppen zur Verfügung gestellt. Ein Sprecher der Kommission erklärte, dass sich das Virus durch engen Hautkontakt ausbreitet und „die Übertragbarkeit des Risikos durch das Virus nicht mit den Risiken vergleichbar ist, die wir beispielsweise im Zusammenhang mit dem Coronavirus kennen.“
EMA prüft weiteren Impfstoff gegen Affenpocken
Um sicherzugehen, dass Impfstoffe auch Risikogruppen erreichen, setzt der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die Überprüfung von Imvanex fort. Dieser Impfstoff ist derzeit in der EU zur Vorbeugung von Pocken zugelassen und soll nun auch vor Affenpocken schützen.
„Aufgrund unserer Erkenntnisse aus Tierversuchen und der Ähnlichkeit mit einem Pockenvirus wird Imvanex als relevanter und wirksamer Impfstoff auch für Affenpocken angesehen“, sagte Marco Cavaleri, Leiter der Impfstoffstrategie bei der EMA, am 7. Juli.
Sylvie Briand, Direktorin der Abteilung für globale Infektionsgefahren bei der WHO, bestätigte, dass ein „Pockenimpfstoff mit hoher Wirksamkeit auch für Affenpocken verwendet werden kann.“
Da die Lagerbestände des Impfstoffs in der Europäischen Union jedoch sehr begrenzt sind, hat die Emergency Task Force (ETF) der EMA die Verwendung von Jynneos, der US-Version von Imvanex, empfohlen. Jynneos ist in den USA sowohl zur Vorbeugung von Affenpocken als auch von Pocken zugelassen.
„Wir haben eine positive Empfehlung für die Verwendung des importierten Impfstoffs für den Notfall als vorübergehende Maßnahme ausgesprochen. Dies wird es den Mitgliedstaaten ermöglichen, Risikogruppen bereits jetzt zu impfen“, betonte Cavaleri.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]