EU-Kommission besorgt über fehlenden Schweinepest-Impfstoff in Europa

Während Italien unter einer Schweinepest-Epidemie leidet und die Schinkenproduktion zunehmend unter Druck gerät, schlägt die Europäische Kommission Alarm: Ein Impfstoff gegen die Seuche ist in der EU bislang nicht in Sicht.

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Nach Angaben des italienischen Konsortiums hat die Seuche seit Anfang des Jahres die Schlachtung von rund 50 Tausend Schweinen erzwungen. [Shutterstock/ArtbyPixel]

Während Italien unter einer Schweinepest-Epidemie leidet und die Schinkenproduktion zunehmend unter Druck gerät, schlägt die Europäische Kommission Alarm: Ein Impfstoff gegen die Seuche ist in der EU bislang nicht in Sicht.

In diesem Sommer sind in Italien, Deutschland und Polen erneut Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) aufgetreten. Dabei handelt es sich um ein hoch ansteckendes und für Haus- und Wildschweine tödliches Virus, das für den Menschen harmlos ist.

Die Ausbrüche in Schweinemastbetrieben und Wäldern, die in den letzten Wochen aufgetreten sind, haben vor allem in Italien für Alarm gesorgt. Am stärksten betroffen ist die nördliche Region Lombardei, in der mehr als die Hälfte der Schweine des Landes gezüchtet werden.

Am Montag sprach Giovanni Filippini, der Sonderbeauftragte für die ASP in Italien, gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA von einer „komplexen“ Situation mit 18 Ausbrüchen in der Lombardei, fünf im Piemont und einem in der Emilia Romagna.

Behörden haben Transportbeschränkungen verhängt und Keulungen anordnet. Doch die Europäische Kommission warnt, dass Wissenschaftler in der EU weiterhin darum kämpfen, einen dringend benötigten Impfstoff zu entwickeln, um die Seuche flächendeckend einzudämmen.

„Wir haben konsequent investiert und konsequent versagt“, sagte Paco Reviriego Gordejo, Referatsleiter in der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Kommission (GD SANTE), am Mittwoch vor dem AGRI-Ausschuss des Europäischen Parlaments.

Laut Reviriego handelt es sich bei der ASP um ein besonders komplexes Virus, das „nichts“ mit früheren Impfherausforderungen wie COVID beim Menschen oder Tollwut bei Tieren zu tun hat.

„Unsere Wissenschaft ist noch nicht so weit, dass sie uns einen sicheren und wirksamen Impfstoff liefern kann“, fügte er hinzu.

Letztes Jahr war Vietnam das erste Land der Welt, das einen Impfstoff gegen die Schweinepest zugelassen hat. Doch Monate später erklärte die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH), der Hersteller habe nicht genügend Daten an internationale Gremien weitergegeben.

Auf die Frage nach der Möglichkeit, den vietnamesischen Impfstoff in die EU zu importieren, äußerte sich Reviriego skeptisch, ob er den EU-Standards entsprechen würde.

Italienische Schinkenhersteller warnen vor den Folgen

Das Konsortium für Parmaschinken, das die Interessen der Erzeuger der berühmten italienischen geschützten Ursprungsbezeichnung vertritt, erklärte, dass die Verbraucher bereits die wirtschaftlichen Folgen der Seuche zu spüren bekommen.

„Die Preise für Wurstwaren schießen in die Höhe, und die Schweinepest ist schuld daran“, erklärten Vertreter des Konsortiums am Dienstag (3. September) gegenüber der nationalen Nachrichtenagentur Adnkronos. Sie verwiesen auch auf einen Rückgang der Tierzahlen.

Um die Seuche einzudämmen, müssen infizierte oder gefährdete Schweine gekeult werden. Bernard van Goethem, Direktor für Krisenmanagement bei der GD SANTE, äußerte sich am Mittwoch vor dem AGRI-Ausschuss unmissverständlich.

„In einem Betrieb, in den die Krankheit eingedrungen ist, werden hundert Prozent der Schweine sterben“.

Nach Angaben des italienischen Konsortiums hat die Seuche seit Anfang des Jahres die Schlachtung von rund 50 Tausend Schweinen erzwungen.

Wie bereits bei deutschem Schweinefleisch, das für China bestimmt war, sei auch der Export von italienischem Schweinefleisch nach China, Japan und in einige amerikanische Länder blockiert worden, so der italienische Schweinezüchterverband.

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Owen Morgan/Nick Alipour]