EU-Finanzaufsicht über Griechenland läuft nach 12 Jahren aus
Griechenland endete am Samstag (20. August) nach 12 Jahren Finanzaufsicht durch die Europäische Union, die dem Land als Gegenleistung für die Gewährung von Finanzhilfen, um der schwerwiegenden Schuldenkrise zu begegnen, aufgelegt worden waren.
Für Griechenland endete am Samstag (20. August) nach 12 Jahren die Finanzaufsicht durch die Europäische Union.
Die Finanzaufsicht wurde den Griechen als Gegenleistung für die Gewährung von Finanzhilfen aufgelegt, die das Land brauchte um der schwerwiegenden Schuldenkrise von 2009 zu begegnen.
Im November 2009 stellte Athen einen drastischen Anstieg seines Haushaltsdefizits fest, der schließlich zu einer Finanzkrise in der gesamten Eurozone führte und den griechischen Staatshaushalt ein Jahrzehnt lang schwer in Mitleidenschaft zog.
Im Gegenzug für ein Rettungspaket in Höhe von 289 Milliarden Euro und um Griechenland vor dem Ausscheiden aus der Eurozone zu bewahren, verlangte eine „Troika“, bestehend aus dem Internationalen Währungsfonds (IMF), der EU und der Europäischen Zentralbank, von Athen durchgreifende Reformen.
Dazu gehörten tiefgreifende staatliche Ausgaben- und Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen, Privatisierungen und andere umfassende Reformen zur Sanierung der Staatsfinanzen.
Die Wirtschaft brach um mehr als ein Viertel ein, die Arbeitslosigkeit stieg auf fast 28 Prozent an und qualifizierte Fachkräfte wanderten in Scharen aus.
„Ein Zyklus von 12 Jahren, der den Bürgern Leid brachte, zu wirtschaftlicher Stagnation führte und die Gesellschaft spaltete“ sei beendet, sagte Premierminister Kyriakos Mitsotakis.
„Es entsteht ein neuer Horizont voller Wachstum, Einheit und Wohlstand für alle“, sagte er. „Das Griechenland von heute ist ein anderes Griechenland.“
„Wir verzeichnen ein starkes Wirtschaftswachstum und einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit um drei Prozent seit dem letzten Jahr und um 5 Prozent seit 2019“, fügte er hinzu.
Das Ende der Aufsicht wird Griechenlands Position auf dem internationalen Markt stärken, indem es seine Attraktivität für Investoren erhöht. Athen wird nun auch mehr Kontrolle über seine interne Wirtschaftspolitik ausüben können.
„Das Ende der verstärkten Überwachung Griechenlands markiert auch den symbolischen Abschluss der schwierigsten Zeit, die die Eurozone je erlebt hat“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni in einer Erklärung.
„Die Staatsschuldenkrise, die die ersten Jahre des vergangenen Jahrzehnts prägte, war eine steile Lernkurve für unsere Union.“
„Unsere starke kollektive Reaktion auf die Pandemie zeigte, dass Europa die Lehren aus dieser Krise gezogen hat. Wir müssen die gleiche Solidarität und Einigkeit an den Tag legen, wenn wir uns in den unruhigen Gewässern bewegen, in die unsere Volkswirtschaften jetzt eintauchen.“
Griechenland wird jedoch – wie die anderen geretteten EU-Mitglieder Spanien, Portugal, Zypern und Irland – weiterhin von seinen Gläubigern überwacht werden, während es seine Schulden zurückzahlt.
Im Falle Griechenlands wird dies noch zwei Generationen dauern, wobei die letzten Kredite im Jahr 2070 zur Rückzahlung anstehen.
Nach Prognosen der Europäischen Kommission wird die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um 4 Prozent wachsen und damit deutlich stärker als der Durchschnitt der Eurozone von 2,6 Prozent.
Allerdings ist die Arbeitslosenquote in Griechenland eine der höchsten in der Währungsunion, der Mindestlohn einer der niedrigsten und die Verschuldung des Landes liegt bei 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.