EU-finanziertes Agrarprojekt stößt in Ukraine auf Kritik
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat ein neues, von der EU finanziertes Projekt im Westen der Ukraine gestartet. Beteiligte vor Ort warnen jedoch, die Mittel kämen nicht bei den am stärksten vom Krieg betroffenen Menschen an.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat ein neues, von der EU finanziertes Projekt im Westen der Ukraine gestartet. Beteiligte vor Ort warnen jedoch, die Mittel kämen nicht bei den am stärksten vom Krieg betroffenen Menschen an.
Am Mittwoch (4. Januar) hatten die Europäische Union und die FAO eine Partnerschaft zur Unterstützung ukrainischer Kleinbäuer:innen und ländlichen Haushalte angekündigt, die von den Störungen, die der Einmarsch Russlands in die Ukraine verursacht hat, betroffen sind.
Der ukrainische Landwirtschaftssektor ist für rund 13 Millionen Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, eine wichtige Lebensgrundlage.
Der elfmonatige Krieg hat jedoch zur Unterbrechung von Lieferketten und zur Zerstörung von Ernten und Infrastruktur geführt, sodass bis zu 25 Prozent der ukrainischen Landbevölkerung, die in der Landwirtschaft tätig sind, ihre Tätigkeit einstellen oder einschränken mussten, wie aus einem aktuellen FAO-Bericht hervorgeht.
Das Projekt, das im März 2023 anläuft, zielt darauf ab, den Wiederaufbau und die Entwicklung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten in den westlichen Regionen Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Transkarpatien und Teilen der Region Czernowitz mit 15,5 Millionen Dollar (14,6 Millionen Euro) zu finanzieren.
„Die EU-Mittel für dieses FAO-Projekt zielen darauf ab, die Funktionalität der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten auf dem Vorkriegsniveau wiederherzustellen oder zu stärken“, erklärte Christian Ben Hell, Sektormanager für Landwirtschaft bei der EU-Delegation in der Ukraine, in einer Mitteilung.
Neben des Angebots „Unterstützung“ zielt das Programm auch darauf ab, „Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben und Wertschöpfungsketten“ zu fördern.
Hell zufolge ist dies notwendig, um den Nahrungsmittelbedarf der einheimischen und vertriebenen Bevölkerung im Westen zu decken und die unsichere Ernährungslage in anderen Teilen des Landes kurz- und mittelfristig zu beheben. Die Unterstützung werde entscheidend sein, um eine Ernährungskrise abzuwenden.
Die Regionen in der Zentral-, Ost- und Südukraine, in denen traditionell große Mengen an Weizen, Sonnenblumen und Mais angebaut werden, sind vom Krieg am stärksten betroffen und mussten die Binnenvertreibung der Bevölkerung und der Landwirt:innen in den Westen hinnehmen, die ihre Felder und Lebensgrundlagen aufgeben mussten.
Einige Regionen – darunter die Oblaste Sumy, Dnipropetrowsk, Odessa, Tschernihiw und Mykolaiw – melden sogar noch höhere Zahlen, wobei mehr als 40 Prozent der ländlichen Haushalte in diesen Regionen von Störungen betroffen sind.
Pierre Vauthier, Leiter des FAO-Länderbüros für die Ukraine, erklärte, die Mittel würden dazu beitragen, den „dringenden Bedarf an sofortiger Unterstützung“ zu decken, um die Kapazitäten der Haushalte wiederherzustellen und eine Abhängigkeit von humanitärer Hilfe zu vermeiden.
Nicht alle Regionen betroffen
Während die zusätzliche Hilfe begrüßt wird, bemängeln einige Beteiligte, die Mittel gingen nicht dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht würden.
„Ich sehe, dass dieses Projekt den Landwirt:innen im Westen hilft, aber ich glaube nicht, dass sie diejenigen sind, die am meisten gelitten haben“, sagte Nataliia Gordiichuk, Leiterin der gemeinnützigen Organisation Ukrainian Food Valley und Inhaberin eines Lebensmittelvertriebsunternehmens, gegenüber EURACTIV.
Das liege daran, dass die hügelige Landschaft der Westukraine bedeute, „dass es nicht diese riesigen Ackerflächen gibt, sondern eher das, was wir als Nischengeschäft bezeichnen“, wie den Tourismus, die Produktion von Wein und Honig, oder die Aufzucht von Schafen und Ziegen zur Herstellung von Käse und Milch.
Laut Gordiichuk sind es jedoch die Regionen, die nicht in den Anwendungsbereich der Förderung fallen, mit größeren landwirtschaftlichen Betrieben, die Ackerkulturen wie Weizen, Mais und Sonnenblumen anbauen, die „die Ernährungssicherheit gewährleisten.“ Die Förderung trage also nicht unbedingt dazu bei, diese zu sichern.
[Bearbeitet von Natasha Foote/Alice Taylor]