EU-Gebäuderichtlinie in Italien: Das Ringen ums kulturelle Erbe
Um die Emissionen von Gebäuden in den Griff zu bekommen, drängt Brüssel auf höhere Sanierungsraten - eine Maßnahme, die in Italien sehr unpopulär ist, da eine Gefährdung des kulturellen Erbes befürchtet wird.
Um die Emissionen von Gebäuden in den Griff zu bekommen, drängt Brüssel auf höhere Sanierungsraten – eine Maßnahme, die in Italien besonders unbeliebt ist, da eine Gefährdung des kulturellen Erbes befürchtet wird.
Gebäude sind einer der größten CO2-Emittenten in der EU und machen etwa ein Drittel der jährlichen Gesamtemissionen aus. Um dem entgegenzuwirken, drängen die EU-Institutionen seit langem aufs Sanieren, um den Energieverbrauch der Gebäude zu senken – was in der Überarbeitung der Gebäuderichtlinie (EPBD) gipfelte. In Italien hat sich das Gesetz zur Förderung von Sanierungen als äußerst unpopulär erwiesen.
Das liegt daran, dass der wichtigste Mechanismus – die „Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz“ – auf die Gebäude mit den schlechtesten Werten in jedem Land abzielt und eine Verbesserung ihrer Gesamtenergieeffizienz verlangt. In Italien, wo viele Gebäude sowohl alt als auch im Besitz ihrer Bewohner sind, hat dies keine Freude ausgelöst.
„Wir haben einen sehr großen Bestand an Wohngebäuden, die nach dem Zweiten Weltkrieg und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Das ist eine riesige Menge an Gebäuden mit schlechter Leistung, auf die man sich konzentrieren muss“, sagt Marco Caffi, Leiter des italienischen Green Buildings Council.
Das italienische Nationale Institut für Statistik schätzt, dass es etwa 34 Millionen Häuser gibt. Nach Angaben des Instituts wurde das durchschnittliche Gebäude 1967 gebaut, lange bevor energieeffizientere Gebäude in den 1990er Jahren zum Standard bei Neubauten wurden.
Darüber hinaus beherbergt Italien zahlreiche Gebäude von kulturellem Wert, seien es die Paläste der einst reichen Venezianer oder das von Zaha Hadid entworfene römische Museum für zeitgenössische Kunst, MAXXI. Aber es gibt nebendies auch viele große Gebäude, die keinem kulturellen Zweck dienen.
Wenn es ums Sanieren geht, sei es sinnvoll, dort anzusetzen. „Große Gebäude werden oft von großen Unternehmen oder Organisationen verwaltet, die in ihren Geschäftsplänen den Energieverbrauch und andere Ressourcenverbrauchsszenarien ihrer Gebäude berücksichtigen“, erklärt Caffi.
„Die Eigentumsstruktur großer gewerblicher Gebäude erleichtert Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Ohne Anreize ist es sicherlich schwieriger, Maßnahmen für ein einzelnes Gebäude zu ergreifen, das einem einzelnen Bürger gehört“, fügte er hinzu.
Historische Gebäude hingegen müssten viel sorgfältiger behandelt werden.
Kultureller Wert versus Energieeffizienz
Die 60.000 geschützten Gebäude sind ein wesentlicher Bestandteil des Verständnisses der Italiener für ihr Land und ihre Geschichte – was angesichts der Sanierungspläne Anlass zur Sorge gibt.
„Wir müssen einfach aufpassen, dass wir den kulturellen Wert unseres Erbes nicht wegen der Energiestandards verlieren“, erklärt Valentina Marino, Fachberaterin beim Green Buildings Council.
Es wird erwartet, dass Ausnahmeregelungen für geschützte Gebäude und solche, die gerade unter Schutz gestellt werden, in der Überarbeitung der Gebäuderichtlinie eine wichtige Rolle spielen werden – eine direkte Reaktion auf diese Bedenken.
Doch der Schutz bringt für die Eigentümer der Gebäude eigene Belastungen mit sich.
„In Italien ist für Arbeiten an historischen Gebäuden die Genehmigung der Aufsichtsbehörde für das kulturelle und architektonische Erbe erforderlich, die eine spezielle Genehmigung erteilt“, erklärt der italienische Experte Caffi. „Oft sind die Auflagen sehr streng“ und erschweren die „Anwendung von Lösungen zur Verbesserung der Effizienz der Gebäudehülle“, fügt er hinzu.
Erfolgreiche Fallstudie
Ein Projekt mit gewissem Referenzwert sind die Veränderungen, die an der Fondazione Prada, einem 1993 gegründeten Museum in Mailand, vorgenommen wurden. Es wurde in und um eine alte Brennerei aus dem Jahr 1910 gebaut.
Dennoch gelang es dem Gebäude, den kulturellen Wert seiner architektonischen Substanz zu erhalten und gleichzeitig die Energieleistung des Museums zu verbessern. „Die Wände und Fenster der bestehenden Gebäude wurden beibehalten, um die typischen Merkmale des historischen Industriegebäudes zu bewahren“, erklärt Caffi.
„Stattdessen wurde die Effizienz mit Systemen erreicht, die eine hocheffiziente geothermische Wärmepumpe, LED-Lampen für die Beleuchtung und ein erstklassiges Gebäudemanagement- und Automatisierungssystem nutzen“, fügt er hinzu.
„Es stimmt, dass es nicht möglich ist, alle Anforderungen an die Energieeffizienz eines geschützten Gebäudes zu erfüllen, aber es stimmt auch, dass geschützte Gebäude nicht den gesamten italienischen Gebäudebestand ausmachen“, so Marino.
„Ich glaube nicht, dass dies die Umsetzung der EPBD in Italien blockieren würde.“
„Bei der Verbesserung der Effizienz des Gebäudebestands ist es wichtig, Prioritäten zu setzen“, sagt Caffi.
„Wir müssen uns darauf konzentrieren, wo wir den größten Energieverbrauch in Bezug auf den absoluten Verbrauch und Emissionen haben.“
Abgesehen von den vielen Wohngebäuden sind das wahrscheinlich große Gebäude, die täglich viel genutzt werden. Die Konzentration auf „gewerbliche und kommunale Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Gebäude, die den größten Teil des Tages und des Jahres intensiv genutzt werden“, könnte sinnvoller sein, fügte er hinzu.
„Vielleicht macht es keinen Sinn, große Anstrengungen zu unternehmen, um Gebäude wie das Stadio Olimpico in Rom kurzfristig zu verbessern, da sie nur gelegentlich genutzt werden.“
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald und Benjamin Fox]