EU gibt grünes Licht für schnellere Zulassung von Biopestiziden

Die Mitgliedstaaten haben neue Vorschriften verabschiedet, um die Zulassung von biologischen Pflanzenschutzmitteln aus Mikroorganismen zu beschleunigen und so die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden zu verringern.

EURACTIV.com
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Das Fehlen spezifischer Vorschriften bedeutet, dass die Formen der biologischen Schädlingsbekämpfung ihr volles Potenzial noch nicht ausschöpfen konnten, so die Beteiligten. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/ladybug-coccinella-septempunctata-on-fennel-flower-1181129140" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die EU-Mitgliedstaaten haben neue Vorschriften verabschiedet, um die Zulassung von biologischen Pflanzenschutzmitteln aus Mikroorganismen zu beschleunigen und so die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden zu verringern.

Die vier genehmigten Rechtsakte erhielten am Donnerstag (10. Februar) grünes Licht und werden voraussichtlich im November in Kraft treten. Sie sollen sicherstellen, dass neue biologische Mittel, die Chemikalien ersetzen können, „deutlich schneller“ auf den Markt kommen, so die Europäische Kommission in einer Erklärung.

Auf diese Weise hofft die Kommission, den Landwirt:innen neue Instrumente an die Hand zu geben und chemische Pflanzenschutzmittel zu ersetzen.

Die Nachricht fällt unter die Maßnahmen, die in der wichtigsten Lebensmittelpolitik der EU, der „Farm to Fork“-Strategie, vorgesehen sind. Ziel ist es, den Einsatz und das Risiko chemischer Pestizide bis 2030 zu halbieren und den ökologischen Sektor sowie die Anwendung des integrierten Pflanzenschutzes zu fördern.

Das Europäische Parlament und der Europäische Rat werden die Rechtsakte nun prüfen. Wenn es keine Einwände gibt, werden sie im vierten Quartal dieses Jahres in Kraft treten.

Biologische Pestizide sind eine Form der biologischen Schädlingsbekämpfung, die auf lebenden Organismen als Wirkstoff basieren, zum Beispiel Bakterien, Pilzen oder Viren. Diese lebenden Organismen sind von Natur aus pathogen für Schädlinge oder verdrängen sie.

Formen der biologischen Schädlingsbekämpfung werden zwar schon lange in diesem Sektor eingesetzt, doch in letzter Zeit haben sie als nachhaltige und umweltfreundliche Alternative zu chemischen Pestiziden an Popularität gewonnen.

Gegenwärtig sind in der EU mehr als 60 Mikroorganismen zur Verwendung zugelassen.

Interessengruppen haben jedoch kritisiert, dass sie derzeit durch eine unangepasste Regulierung behindert würden, da die Mikroorganismen bisher denselben Regulierungsweg wie chemisch aktive Substanzen durchlaufen haben.

Das Fehlen spezifischer Vorschriften hat dazu geführt, dass Formen der biologischen Schädlingsbekämpfung ihr volles Potenzial noch nicht ausschöpfen konnten. Derzeit dauert es etwa zehn Jahre, bis sie auf dem auf dem Markt zugelassen sind.

Um das Problem zu lösen, wurden diese Rechtsakte so konzipiert, dass sie den neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen entsprechen und auf den spezifischen biologischen Eigenschaften von Mikroorganismen beruhen.

„Die neuen Rechtsakte folgen einem anderen Ansatz, der sich auf die Biologie und Ökologie der einzelnen Mikroorganismen stützt und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse einbezieht“, heißt es in der Erklärung der Kommission. Diese neuen Verordnungen würden auf dem „aktuellsten Stand der Wissenschaft“ beruhen.

„Sie machen die EU zu einer der fortschrittlichsten Regulierungsbehörden auf der Weltbühne für diese Produkte“, so der Bericht.

Auf diese Weise würden die rechtlichen Anforderungen für Mikroorganismen zweckmäßiger und flexibler gestaltet, während gleichzeitig strenge Gesundheits- und Sicherheitsstandards eingehalten werden, heißt es weiter.

Dies bedeutet, dass die Antragsunterlagen optimiert, die Risikobewertung vereinfacht und die Fristen für den Zugang zum EU-Markt verkürzt werden sollen.

In der Erklärung wird auch darauf hingewiesen, dass die Beschränkung auf relevante Daten weniger Tierversuche erfordert, was ein weiteres wichtiges Ziel der Europäischen Kommission ist.

Die für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides erklärte, diese Maßnahmen seien „eine gute Nachricht für die europäischen Landwirt:innen, da sie ihnen helfen, den Einsatz chemischer Pestizide zu reduzieren“.

„Die EU hat mit die höchsten Umweltanforderungen und eine führende Rolle, wenn es um die Nachhaltigkeit ihres Lebensmittelsystems geht – die heutige Ankündigung ist ein weiterer greifbarer und konkreter Beweis dafür“, sagte sie.

Unterdessen wurde die Ankündigung von der Industrie weitgehend begrüßt.

Ein:e Vertreter:in von Croplife Europe, das die europäische Pflanzenschutzindustrie vertritt, erklärte gegenüber EURACTIV, dass man die Vorschläge für angepasste Anforderungen an Mikroorganismen begrüße und dies „definitiv ein Schritt in die richtige Richtung ist, um mehr innovative Biopestizide auf den Markt zu bringen“.

Jennifer Lewis, Exekutivdirektorin der International Biocontrol Manufacturers Association (IBMA), begrüßte zwar, dass sich die Kommission mit diesem Thema befasst, wies jedoch darauf hin, dass sich an den bestehenden Anforderungen an mikrobielle Daten „kaum etwas Grundlegendes geändert“ habe.

Sie forderte mehr Expertenkonsultationen sowohl von der Kommission als auch von den Mitgliedstaaten zu den technischen Elementen der neuen Vorschriften. Es sei eine „enttäuschende verpasste Gelegenheit“, die Politik der EU-Kommission mit den Zielen der „Farm to Fork“-Strategie in Einklang zu bringen.

„Um die Ziele der Pestizidreduzierung zu erreichen, muss sofort ein Schnellspursystem für Mikroorganismen und andere Biokontrollmittel eingeführt werden“, betonte sie.

[Bearbeitet von Alice Taylor]