EU-Zentralasien-Gipfel in Samarkand: Rohstoffe Zentralasiens im Fokus der EU
Vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses an seltenen Erden und kritischen Rohstoffen reist eine hochrangige EU-Delegation nach Samarkand. Das geopolitische Interesse an Zentralasien wächst rapide, doch bis jetzt zögert die EU.
Vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses an seltenen Erden und kritischen Rohstoffen reist eine hochrangige EU-Delegation nach Samarkand. Das geopolitische Interesse an Zentralasien wächst rapide, doch bis jetzt zögert die EU.
Samarkand, Usbekistan – Die Gastgeber aus Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan empfangen die EU-Delegation mit einer Mischung aus Offenheit und Zurückhaltung.
Der zweitägige Gipfel am Donnerstag und Freitag soll laut EU-Botschafter für Usbekistan, Toivo Klaar, die Beziehungen „deutlich stärken“.
Zu den wenigen konkret erwarteten Ergebnissen des Treffens zählen die Eröffnung eines Büros der Europäischen Investitionsbank in Taschkent sowie die Ankündigung eines europäischen Investitionsforums, das noch 2025 in Usbekistan stattfinden soll.
Ein zentrales Dokument des Gipfels wird die sogenannte „Samarkand-Erklärung“ sein, die den „gemeinsamen Wunsch nach einer strategischen Partnerschaft“ festhält. Themen wie Konnektivität, Umwelt und Sicherheit stehen auf der Agenda – im Fokus steht aber vor allem der Zugang zu kritischen Rohstoffen.
Seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine 2022 wächst das Interesse der EU an Zentralasien. Die seit langer Zeit vernachlässigte Region rückt aufgrund ihrer geopolitischen Lage und Ressourcen in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen.
Die Binnenstaaten von den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens – Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan – sind strategisch bedeutsam, ihre Regierungen stehen weiterhin Moskau nahe und werden zugleich stark von Peking umworben. Auch nutzen russische Unternehmen Standorte in der Region, um westliche Sanktionen zu umgehen.
Aus diesem Grund versucht Europa, seinen Einfluss auf die zentralasiatischen Regierungen zu stärken. Doch auch das Streben nach dem Zugang zu wichtigen Mineralien und der dringende Bedarf Europas, seine Energiequellen zu diversifizieren, sind zentrale Beweggründe.
Bodenschätze mit strategischem Wert
Die Region verfügt über bedeutende Vorkommen an Uran, Lithium und seltenen Erden – zentrale Elemente für die Energiewende und Hochtechnologien. Derzeit ist die EU fast vollständig von China abhängig, wenn es um diese Ressourcen geht.
Daher setzt Brüssel auf eine Diversifizierungsstrategie. Im März präsentierte die EU-Kommission einen neuen Plan zur Wiederbelebung des Rohstoffsektors, auch in Drittstaaten. Ziel ist es, Projekte in Partnerländern gezielt zu fördern.
„Wir sehen, dass die EU sehr interessiert an Zentralasien ist“, so Han Ilhan, Berater des Uzbekistan Technological Metals Complex. Zahlreiche Projekte seien derzeit in Planung.
Zentralasien könnte für Europa bedeutsam sein. Die 34 als kritisch eingestuften Rohstoffe der EU – darunter Kobalt, Kupfer, Lithium, Nickel und Wolfram – sind in der Region in großer Menge vorhanden.
„Es ist eine wenig bekannte Region, doch alle zentralasiatischen Länder zählen je nach Materialart zu den zehn rohstoffreichsten der Welt – mit Kasachstan und Usbekistan an der Spitze“, sagte Roman Vakulchuk, Forscher am Norwegischen Institut für Internationale Angelegenheiten.
„Das Investitionsklima ist nicht besonders günstig, daher sehen wir noch keinen Ansturm westlicher Bergbauunternehmen in Zentralasien. Aber das wird nicht mehr lange dauern“, sagte ein französischer Diplomat in Kasachstan. Er verwies unter anderem auf das Fehlen internationaler Standards im Bergbausektor der Region.
Einige europäische Firmen wagen dennoch den Vorstoß. So realisiert etwa die deutsche HMS Bergbau AG ein Lithiumprojekt in Ostkasachstan.
Zudem unterzeichneten Frankreich und Kasachstan im November eine strategische Rohstoff-Partnerschaft bis 2026, die französischen Unternehmen den Zugang zum kasachischen Markt eröffnen soll.
Auf EU-Ebene wurde am 13. März ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan im Umfang von drei Millionen Euro abgeschlossen. Usbekistan hatte bereits im Mai 2024 eine entsprechende Absichtserklärung mit der EU unterzeichnet.
Wettlauf mit etablierten Mächten
Die EU kommt spät, denn China sichert sich seit über einem Jahrzehnt Zugriff auf zentrale Abbaulizenzen, insbesondere in Kirgisistan und Tadschikistan. Der Großteil der Exporte kritischer Mineralien aus Kasachstan und Usbekistan ist derzeit für Peking reserviert.
Russland wiederum sichert sich seit Jahrzehnten einen Großteil seines Uranbedarfs aus der Region, die der Kreml als strategisches „nahes Ausland“ betrachtet. Wirtschaftlich ist die Region in vielen Infrastrukturprojekten weiterhin stark von Moskau abhängig.
Der Wettlauf um kritische Metalle in Zentralasien ist jedoch auch anderen neuen Akteuren nicht entgangen – darunter die USA, Kanada und Südkorea, die kürzlich große Abkommen mit Kasachstan und Usbekistan unterzeichnet haben.
„Trotz großer Worte ist die EU nur an zwei oder drei Projekten in Zentralasien beteiligt. Das ist sehr wenig und sehr langsam, obwohl sie seit Jahrzehnten mit diesen Regierungen interagiert“, sagte Vakulchuk. Kritische Rohstoffe seien vor 2022 noch nicht Teil der EU-Strategie für Zentralasien gewesen.
Doch die Region ist nach wie vor stark abhängig von Russland und China – ein sensibles Thema.
„Wir sehen aus Zentralasien den Wunsch, die Beziehungen zur EU zu vertiefen und ihre Außenpolitik zu diversifizieren“, sagte ein hochrangiger EU-Beamter.
Während der Samarkand-Gipfel stattfindet, scheint das europäische Interesse durchaus gewürdigt zu werden – doch wird es mit Vorsicht aufgenommen. Keine der zentralasiatischen Republiken hat bislang eine Erklärung abgegeben, die auf eine größere Rolle der EU in der Region hindeutet.
[CS/BTS/KN]