EU-Kommissar Stylianides besucht Ukraine: Humanitäre Hilfe mit fatalen Folgen
Der Besuch des Kommissars für Humanitäre Hilfe, Christos Styliandes, in der ostukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk offenbart die Notwendigkeit der EU-Hilfe für die Ukraine – aber auch deren Kehrseite. EURACTIV Brüssel berichtet.
Der Besuch des Kommissars für Humanitäre Hilfe, Christos Styliandes, in der ostukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk offenbart die Notwendigkeit der EU-Hilfe für die Ukraine – aber auch deren Kehrseite. EURACTIV Brüssel berichtet.
Christos Styliandes besucht die kriegsverwüstete Stadt zusammen mit Beamten und einigen Brüsseler Journalisten. Sein erstes Ziel war ein Zentrum für intern Vertriebene in Dnjepropetrowsk, das eine Nichtregierungsorganisation (NGO) betreibt.
Dnjepropetrowsk ist mit rund einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt der Ukraine und befindet sich knapp 500 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew. Die Lage im Stadtzentrum von Dnjepropetrowsk war düster. In einem militärähnlichen Zelt warteten Frauen, vor allem aus den anderen ostukrainischen Großstädten Donezk und Luhansk, auf Hilfe.
Dem Leiter des Zentrums zufolge werden die Vertriebenen dort behandelt. Anschließend bekommen sie eine Unterkunft. Sie werden allerdings oft in anderen Landesteilen untergebracht, denn die Region Dnjepropertrowsk ist mit den Flüchtlingen überfordert.
Die 38-jährige Viktoria Vdovichenko aus Donezk sprach über ihre Flucht mit ihren beiden Söhnen. Aufgrund der Bürokratie des Systems habe sie nur wenig Hilfe erhalten.
Sobald man auf einer Hilfsliste stünde, könne man keine Hilfe aus anderer Quelle bekommen. „Im Grunde muss ich zwischen der Mikrowelle und dem Essen wählen“, sagte sie.
Insbesondere das örtliche Rote Kreuz würde die hilfsbedürftigen Menschen schlecht behandeln, so Vdovichenko.
Eine ältere Frau ist mit ihrem zwölfjährigen Enkel aus Donezk geflohen. Allerdings habe sie keine Unterstützung für ihn bekommen. Die zuständigen Beamten vor Ort hätten gesagt, sie könnten die Hilfe nur an die Mutter übergeben. Sie lebt jetzt von ihrer Pension in Höhe von umgerechnet 50 Euro und der Hilfe, die ihr als Vertriebener zukommt. Sie beträgt weniger als 50 Euro.
Elend und Reichtum liegen nahe beieinander
Stylianides besuchte auch die örtliche Verwaltung, die sich sehr stark von den Zelten für die Vertriebenen abhebt. Der örtliche Verwaltungschef Gennady Korban empfing die EU-Gäste in einem schmucken Gebäude.
Korban sprach einigen Vertriebenen die Glaubwürdigkeit ab. Einige von ihnen seien „Touristen“, die Verwandte in Dnejpropetrowsk besuchen würden. So wollten sie an humanitäre Hilfe gelangen.
Stylianides sagte, in der EU würden viele mit den Ukrainer fühlen – ähnlich wie die Solidaritätsbekundungen „Je suis Charlie“ nach den Pariser Terroranschlägen.
Auch die ersten drei Frachtflugzeuge mit Humanitärer Hilfe aus der EU trafen heute am Dnjepropetrowsker Flughafen ein. Viele Journalisten und Kameramänner waren dabei, wurden aber von anwesenden Militärs wegen der Militärhubschrauber und der kritischen Infrastruktur davor gewarnt, zu filmen.