EU-Kommission genehmigt Bayer-Monsanto-Übernahme
Die EU-Kommission genehmigte heute unter erheblichen Auflagen die geplante Übernahme des US-Saatgutproduzenten Monsanto durch den Agrochemie-Konzern Bayer.
Die EU-Kommission genehmigte heute unter erheblichen Auflagen die geplante Übernahme des US-Saatgutproduzenten Monsanto durch den Agrochemie-Konzern Bayer.
Die geplante milliardenschwere Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto wurde unter strengen Auflagen erlaubt. Bayer habe zugesagt, ein Paket von Abhilfemaßnahmen in Höhe von rund sechs Milliarden Euro durchzuführen, um die Auswirkungen auf den Wettbewerb zu verhindern, teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager heute mit.
Bayer investiert mehr als 60 Milliarden US-Dollar (etwa 51 Milliarden Euro) in den Kauf von Monsanto und steigt mit einem voraussichtlichen Umsatz von rund 22 Milliarden Dollar zum größten Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern der Welt auf.
Vestager begründete die Zustimmung zur Megafusion unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten. Nach Prüfung würde die Fusion die Wettbewerbslage nicht verzerren, da sich die Zahl der Wettbewerber nicht verringere. Laut Vestager wird der Markt nun neben Bayer immer noch vom US-Konzern Dow-Dupont sowie den europäischen Anbietern Syngenta und BASF dominiert.
Bestandteil der Auflagen der EU-Kommission ist die Forderung, dass Bayer einen Teil seines Geschäfts verkaufen muss, um Überschneidungen zwischen Bayer und Monsanto bei Forschung und Verkauf in den Bereichen Saatgut und Pflanzenschutzmittel zu vermeiden.
Bereits im Gespräch ist BASF. Das Unternehmen soll das Gemüsesaatgut-Geschäft von Bayer, das einen Umsatz von rund 430 Millionen Euro pro Jahr hat, übernehmen. Dem Verkauf will die EU-Kommission bis zum 16.04.2018 – ebenfalls unter Auflagen – zustimmen.
Bereits im Vorfeld der Entscheidung gingen über eine Millionen Petitionen bei der Kommission ein, die auf die negativen Effekte der Fusion für Bauern und Verbraucher hinweisen. „Ich verstehe warum“, sagte Vestager, aber wenn sie die nun erteilten Auflagen lesen, „verstehen sie hoffentlich unsere Entscheidung“.
Vor allem die Risiken für die Umwelt gingen weit über die Aufgaben der Wettbewerbskommission hinaus, so Vestager. All diese Bedenken seien wichtig, sind aber Gegenstand aktueller Debatten in anderen Kommssionsbereichen und der zuständigen nationalen Behören der Mitgliedstaaten. Als Beispiel verwies Vestager auf die aktuelle Diskussion über das Verbot von Neonicotinoiden, die schädlich für Bienen und die Umwelt wären.
Laut Kommissionsangaben macht Bayer rund 30 Prozent seines Umsatzes in Europa. Gut ein Viertel (rund 9,6 Milliarden Euro in 2017) des Gesamtumsatzes von 35 Milliarden Euro realisert Bayer in seiner Agrarchemie-Sparte, vorrangig mit Pflanzenschutzmitteln. Der US-Konzern Monsanto setzt rund 10 Prozent seiner Erlöse in Europa um und hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14,6 Milliarden Dollar (11,8 Milliarden Euro) – hauptsächlich mit Saatgut.
Bedenken im Bereich Innovation
Die Bayer-Monsanto-Übernahme ist die dritte große Fusion in diesem Industriebereich, die durch die EU-Kommission genehmigt wurde. Nach Vestager hatte die Kommission große Bedenken, wie sich die Bayer-Monsanto-Übernahme auf die Innovationsfähigkeit und die Digitalisierung des Industriesektors Landwirtschaft auswirken wird.
So ist die Übertragung dreier Forschungsvorhaben von Bayer zu hochwirksamen Unkrautvernichtern an die BASF ebenfalls Teil der Kommissionsauflagen. Zudem muss Bayer der BASF eine Lizenz für die IT-Plattform zur digitalen Steuerung der Landwirtschaft einräumen.
Bevor die Auflagen der EU-Komission nicht erfüllt sind, darf Bayer die Fusion mit Monsanto nicht abschließen.