EU-Kommission verdoppelt Ziel für Biomethanproduktion aus Agrarabfällen

Die Europäische Kommission hat ihr Ziel für die heimische Biomethanproduktion bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppelt, um die EU gegen die drohende Energiekrise zu schützen, heißt es in einer neuen Mitteilung.

EURACTIV.com
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Biogas ist ein erneuerbarer Brennstoff, der durch die Zersetzung von organischen Stoffen wie Lebensmittelresten und tierischen Abfällen gewonnen wird. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/biogas-facility-corn-field-renewable-resources-146705414" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die Europäische Kommission hat ihr Ziel für die heimische Biomethanproduktion bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppelt, um die EU gegen die drohende Energiekrise zu schützen, heißt es in einer neuen Mitteilung.

Angesichts der russischen Invasion in der Ukraine befasst sich der am Dienstag (8. März) veröffentlichte ‚REPowerEU‘-Plan mit der Frage, wie Europa bis 2030 unabhängig von russischen fossilen Brennstoffen werden kann, angefangen beim Gas.

Um die Widerstandsfähigkeit des europäischen Energiesystems zu erhöhen, schlägt die Kommission einen zweigleisigen Ansatz vor. Der Ausbau von Biomethan beziehungsweise Biogas soll dabei eine der wichtigsten Säulen des Vorschlags bilden.

Das Ziel, bis 2030 jährlich 35 Milliarden Kubikmeter Biomethan zu produzieren, ist doppelt so hoch wie das bisher von der EU-Kommission festgelegte Ziel. In einer früheren Mitteilung zum Fit-for-55-Paket war diese Zahl auf 17 Milliarden Kubikmeter festgelegt worden.

Damit würde sich die Produktion in der gesamten EU bis 2030 verzehnfachen.

Der Strategie zufolge sollen die Strategiepläne der Mitgliedstaaten im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) dazu genutzt werden, „Finanzmittel für Biomethan aus nachhaltigen Biomassequellen bereitzustellen“.

Dazu gehören insbesondere landwirtschaftliche Abfälle und Reststoffe, heißt es in der Mitteilung.

Das Thema Biogasproduktion ist in der Landwirtschaft umstritten: Während einige darin eine Möglichkeit sehen, ihr Einkommen aufzubessern, argumentieren andere, dass dadurch wertvolle Ressourcen wie Dung und Ernterückstände den Bauernhöfen und Böden entzogen werden.

In der Zwischenzeit leidet die Biogasproduktion unter mangelnder Akzeptanz in den lokalen Gemeinschaften und fehlender Finanzierung. Daher ist die Produktion in der EU bisher hinter ihrem Potenzial zurückgeblieben.

Für Harmen Dekker, Geschäftsführer des europäischen Biogasverbandes EBA, ist der Sektor jedoch bereit, das ehrgeizige neue Ziel zu erreichen.

„Das Biomethan-Ziel entspricht über 20 Prozent der derzeitigen EU-Gaseinfuhren aus Russland. Bis 2050 kann sich diese Kapazität verdreifachen und auf weit über 100 Milliarden Kubikmeter ansteigen und damit 30 bis 50 Prozent des künftigen EU-Gasbedarfs decken“, sagte er.

Er fügte hinzu, dass einige Länder bereits aktiv an der Entwicklung der Biomethanproduktion in Europa arbeiten, während viele andere bald damit beginnen werden.

Pekka Pesonen, Generalsekretär des EU-Landwirtschaftsverbands COPA-COGECA, begrüßte die Nachricht und bezeichnete die Biogasproduktion als „wertvollen Teil der Ambitionen“.

Pesonen wies darauf hin, dass das Thema Biogas trotz einer Reihe von Erklärungen hochrangiger EU-Beamter, die es unterstützen, auf EU-Ebene nicht viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Er sei jedoch „sehr froh“, dass man sich nun auf diese alternative Energiequelle konzentriere.

„Im besten Fall können wir damit die Nebenprodukte, die wir ohnehin in die Wertschöpfungskette zurückführen müssen, besser handhaben“, sagte Pesonen. Dies sei eine Möglichkeit zur Aufwertung von Produkten, die zum Teil ein Umweltrisiko darstellen können, insbesondere in Bezug auf Nährstoffverluste.

„Wir freuen uns also, dass die Kommission die Initiative ergriffen hat, um voranzukommen. Ich denke, es ist an der Zeit“, fügte er hinzu.

Vorschriften für Beihilfen gelockert

Neben Biogas sieht die neue Mitteilung auch vor, die Unterstützungsmöglichkeiten für Landwirt:innen im Rahmen der laufenden Überprüfung der Vorschriften für staatliche Beihilfen zu erweitern.

Parallel zu ihrer Mitteilung leitet die Kommission Konsultationen mit den Mitgliedstaaten über einen neuen provisorischen Rahmen für staatliche Beihilfen ein. Dieser soll es den Unternehmen ermöglichen, den Anstieg der Energiekosten im Zusammenhang mit der russischen Invasion abzufedern.

Eine ähnliche Lockerung der EU-Beihilfen für Landwirt:innen wurde während der Pandemie eingeführt, um den Sektoren zu helfen, die nicht unter die im europäischen Recht vorgesehenen Marktmaßnahmen fallen. Die Verordnung bildet das Sicherheitsnetz für Landwirt:innen im Falle von Marktkrisen, um beispielsweise Preiseinbrüchen entgegenzuwirken.

Energie und Düngemittel machen zusammen 20 Prozent der Produktionskosten der Landwirt:innen aus. Das bedeutet, dass der Sektor vom jüngsten Anstieg der Energiepreise hart getroffen wurde, vor allem durch den starken Anstieg der Düngemittelpreise, die im letzten Jahr um 142 Prozent in die Höhe geschnellt sind.

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski begrüßte die Lockerung der Regeln für staatliche Beihilfen in einem Tweet und erklärte, dies biete den Mitgliedstaaten „Optionen, um Unternehmen und Landwirt:innen, die von den hohen Energiepreisen betroffen sind, kurzfristig Erleichterung zu verschaffen.“ Dies würde dazu beitragen, „dass sie mittel- bis langfristig weniger von der Volatilität der Energiepreise betroffen sind.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]