EU-Lebensmittelunternehmen stehen angesichts der Energiekrise vor der Schließung

Viele Unternehmen der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft haben angesichts steigender Energiepreise Schwierigkeiten, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.

EURACTIV.com
Sorry,We’re,Closed,Sign.,Grunge,Image,Hanging,On,A,Dirty
Die ersten Betroffenen seien KMUs, insbesondere solche in energieintensiven Sektoren wie Bäckerei, Gemüseverarbeitung und Molkerei, erklärte er. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/sorry-we-closed-sign-grunge-image-1413100133" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Viele Unternehmen der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft haben angesichts steigender Energiepreise Schwierigkeiten, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.

Einige von ihnen stünden vor der Entscheidung, die Produktion einzustellen, Mitarbeiter:innen zu entlassen oder ganz aus dem Geschäft auszusteigen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der wichtigsten Verbände des EU-Lebensmittelsektors.

Unter dem Druck steigender Preise für Erdgas, Düngemittel, Strom und Verpackungen sowie angesichts einer der gravierendsten Dürreperioden in jüngerer Zeit sind die Produktionskosten der EU-Agrar- und Ernährungswirtschaft im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen.

Die steigenden Preise haben dazu geführt, dass einige Lebensmittel- und Getränkehersteller in der EU dazu übergegangen sind, ihren Betrieb während Energiespitzenzeiten einzuschränken.

In einer am Donnerstag (8. September) veröffentlichten gemeinsamen Erklärung warnen FoodDrinkEurope, der EU-Landwirtschaftsverband COPA-COGECA und der EU-Verband der primären Lebensmittelverarbeiter davor, dass einige der Unternehmen die Produktion bald ganz einstellen könnten.

„Es ist zugegebenermaßen noch zu früh für eine vollständige Schließung, aber wir haben gehört, dass die Unternehmen – wo möglich – ihre Betriebe während der Energiespitzenzeiten herunterfahren“, sagte Dirk Jacobs, Generaldirektor von FoodDrinkEurope, gegenüber EURACTIV.

Die ersten Betroffenen seien KMUs, insbesondere solche in energieintensiven Sektoren wie Bäckerei, Gemüseverarbeitung und Molkerei, erklärte er.

„Solange die Ungewissheit anhält, wird der Druck auf die Unternehmen zunehmen, entweder Personal zu entlassen, den Betrieb einzuschränken oder – im schlimmsten Fall – das Geschäft ganz einzustellen“, warnte Jacobs und betonte: „Keine Energie bedeutet keine Lebensmittel.“

Nach Angaben des Verbandes laufen vier von zehn Lebensmittelunternehmen in Belgien Gefahr, im Falle eines weiteren wirtschaftlichen Rückschlags in Konkurs zu gehen.

„Die Situation ist für unseren Sektor sehr prekär – es ist fünf vor Zwölf“, fügte er hinzu.

Die Verbände warnen, dass dies angesichts der Verflechtungen innerhalb der Lieferkette Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben könnte, die bis ins Jahr 2023 spürbar sein werden.

Im Vorfeld der außerordentlichen Tagung der Energieminister:innen der Mitgliedstaaten am Freitag (9. September) und der jährlichen Rede der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, zur Lage der Union in der kommenden Woche forderten die Verbände die Entscheidungsträger:innen auf, die Lebensmittelproblematik in den Mittelpunkt der Diskussionen zu stellen.

Konkret wird die Kommission in der gemeinsamen Erklärung aufgefordert, die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, die Energiepreise zu senken und die Liquidität der Energiemärkte zu erhöhen. Dabei müsse die Energieversorgung diversifiziert, die nachhaltige Energieerzeugung gefördert und die Wettbewerbsfähigkeit der Betreiber unterstützt werden.

Darüber hinaus fordern die Organisationen eine stärkere Aufsicht der EU über die Pläne der Mitgliedstaaten zur Gasrationierung, um sicherzustellen, dass sie dem Agrar- und Ernährungssektor Vorrang einräumen, sowie eine zusätzliche Überarbeitung des befristeten Krisenplans, um zu gewährleisten, dass er von den Mitgliedstaaten und Unternehmen angewendet werden kann.

„Wir hoffen, dass die Energieminister:innen bei ihrem Treffen über die Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor beraten und dass Präsidentin von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union die entscheidende Bedeutung des Agrar- und Ernährungssektors anerkennen wird“, heißt es in der Erklärung.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]