EU-Minister drängen auf weiteren Schutz von Wölfen

Umweltminister:innen aus 12 EU-Mitgliedstaaten haben in einem Schreiben an die Europäische Kommission auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Schutzstatus des Wolfes trotz zunehmender Kritik vonseiten der Landwirtschaft aufrechtzuerhalten.

Euractiv.com
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Wölfe und andere große Raubtiere stehen derzeit unter strengem Schutz gemäß der EU-Habitatrichtlinie. Aber der wackelt. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/family-grey-wolf-forest-1657675519" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Umweltminister:innen aus 12 EU-Mitgliedstaaten haben in einem Schreiben an die Europäische Kommission auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Schutzstatus des Wolfes trotz zunehmender Kritik vonseiten der Landwirtschaft aufrechtzuerhalten.

Der Brief, der am Mittwoch (1. Februar) an EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius geschickt wurde, folgt auf eine Entschließung, die im November 2022 im EU-Parlament verabschiedet wurde und in der gefordert wird, den Schutzstatus des Wolfes zugunsten der Viehwirtschaft herabzustufen – ein Schritt, den die Unterzeichnenden explizit ablehnen.

Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke ist unter den Unterzeichner:innen.

„Wir, die Umweltminister, lehnen in einer Zeit der weltweiten Krise der biologischen Vielfalt die Tendenz der Entschließung, den gesetzlichen Schutz des Wolfes zu schwächen, eindeutig ab“, heißt es in dem Schreiben. Zudem wird die „unverzichtbare Rolle“ der Großraubtiere bei der Regulierung des Wildbestandes betont.

Wölfe und andere große Raubtiere stehen derzeit unter strengem Schutz gemäß der EU-Habitatrichtlinie, was bedeutet, dass alle Formen des absichtlichen Fangens oder Tötens von Wölfen in freier Wildbahn verboten sind.

Vertreter:innen der Landwirtschaft sowie von Ländern und Regionen mit großen Raubtierpopulationen haben jedoch wiederholt davor gewarnt, dass wachsende Bestände eine Bedrohung für die Landwirtschaft und die lokalen Gemeinschaften darstellten und gefordert, den Status des Wolfes zu überdenken.

Das Schreiben, das von der Slowakei initiiert und von 11 weiteren EU-Mitgliedstaaten unterstützt wurde, räumt zwar ein, dass Schäden an Nutztieren in der Koexistenz mit dem Wolf unvermeidlich sind, aber weist aber auch darauf hin, dass Maßnahmen ergriffen werden können, um die Belastung zu verringern.

Dazu gehören Entschädigungsregelungen für verursachte Schäden sowie präventive Maßnahmen, die in allgemein verbindlichen Rechtsvorschriften festgelegt sind.

Die Minister:innen zeigen sich „überzeugt, dass ein strenger Schutz zusammen mit einem wirksamen System präventiver Maßnahmen, einer gerechten Entschädigung, aber auch der Kommunikation mit den Experten […] die besten Lösungen bringen wird.“

Der slowakische Minister Ján Budaj erklärte, er hoffe, dass die Haltung der Europäischen Kommission zum Wolfsschutz unverändert bleibe.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Europäische Kommission den gleichen verantwortungsvollen Ansatz zum Schutz seltener Arten beibehalten wird wie bisher“, sagte Budaj und bekräftigte, dass die Umweltminister „bereit sind zu helfen“, um Informationen zu sammeln und die Unterstützung und Entwicklung von Maßnahmen zur Erhaltung des rechtlichen Schutzes des Grauwolfs in Europa weiter zu verstärken.

Aus Sicht landwirtschaftlicher Verbände ist dagegen die Situation einer wachsenden Wolfspopulation in der EU in vielen Fällen nicht mehr tragbar.

Auf einer Pressekonferenz mit dem EU-Landwirtschaftsverband COPA-COGECA beklagte die Präsidentin des landwirtschaftlichen Zweigs des Verbandes, Christiane Lambert, die „quälende“ Situation, mit der viele Landwirte konfrontiert seien, und betonte, dass die wachsende Wolfspopulation der Landwirtschaft weiterhin „große Schwierigkeiten“ bereite.

Dies gelte insbesondere für „ländliche und bergige Regionen, in denen die Viehzucht eine der wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten darstellt“, fügte sie hinzu.

Gleichzeitig hängt aktuell das Schicksal des Wolfes, der ein Pony von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getötet hat, in der Schwebe.

Das Pony mit dem Namen „Dolly“ wurde Anfang September durch einen Wolfsangriff getötet, als es zusammen mit einem anderen Pony im Besitz der Familie von der Leyen in der Nähe von Hannover in Norddeutschland graste.

Die deutsche Region Hannover erteilte daraufhin eine offizielle Abschussgenehmigung für den Wolf, die am Dienstag (31. Januar) um Mitternacht auslief. Die Behörden prüfen derzeit die Verlängerung der Genehmigung.

Von der Leyen hatte im Dezember in einem Brief erklärt, die Kommission wolle den Schutzstatus von Wölfen neu bewerten.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]