EU-Mission zum Mond?

Parlamentarier aus ganz Europa diskutieren in Berlin die Zukunft der Raumfahrt. Der deutsche "Weltraumpolitiker" Klaus-Peter Willsch (CDU) fordert, die Finanzierung trotz Schuldenkrise zu sichern.

Über den Mond weiß man nach wie vor nicht viel. Die Erde lässt sich da schon genauer beobachten und auswerten. Nikolaus Kopernikus lässt grüßen. Foto: dpa
Über den Mond weiß man nach wie vor nicht viel. Die Erde lässt sich da schon genauer beobachten und auswerten. Nikolaus Kopernikus lässt grüßen. Foto: dpa

Parlamentarier aus ganz Europa diskutieren in Berlin die Zukunft der Raumfahrt. Der deutsche „Weltraumpolitiker“ Klaus-Peter Willsch (CDU) fordert, die Finanzierung trotz Schuldenkrise zu sichern.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch hat eine europäische Mondmission angeregt. "Deutschland und Europa sollten sich darauf verständigen, durch eine gemeinsame Mission zum Mond unsere Kenntnis der Entstehungsgeschichte unserer Erde auf die Spur zu kommen und sich dadurch einen Vorsprung in der Exploration sichern", sagte Willsch am Dienstag in einem Interview mit Bundestag.de. "Warum sollten wir uns jetzt schon Gedanken um eine Expedition zum Mars machen, wenn unser Erdtrabant, der Mond, noch kaum erforscht ist?", fragt Willsch weiter.

Willsch ist Präsident der Europäischen Interparlamentarischen Weltraumkonferenz (EIWK), die Anfang kommender Woche zu ihrem Jahrestreffen im Deutschen Bundestag zusammenkommt. Unter dem Motto "Parlamentarier für Raumfahrt" treffen sich Abgeordnete aus den zehn Mitgliedsstaaten, Beobachter aus weiteren EU- und Nato-Staaten sowie  Vertreter der Europäischen Weltraumagentur (ESA) zum gemeinsamen Austausch. "Inhaltlich wird sich die Konferenz vor allem mit den europäischen Raumfahrt-Flaggschiffen, dem Satellitennavigationssystem Galileo und mit der Globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung GMES beschäftigen", so Klaus-Peter Willsch. "Vor allem die Frage der zukünftigen Finanzierung beider Projekte müssen wir diskutieren."

Raumfahrt trotz Schuldenkrise?

Der Haushaltspolitiker Willsch verteidigt Ausgaben für die Raumfahrt. Man dürfe nicht vergessen, "dass wir im Hochtechnologiebereich Raumfahrt in unsere Zukunft investieren". Deshalb wolle man dafür sorgen, dass die Raumfahrt in der europäischen Schuldenkrise mit einem blauen Auge davonkommt. Mit großen Aufstockungen des Budgets für die Raumfahrt rechnet Willsch allerdings nicht. 

Die EU-Kommission setzt sich für einen europäischen Ansatz bei Investitionen in Raumfahrttechnologien ein. Man werde eine Industriepolitik im Raumfahrtsektor entwickeln, um eine solide, die gesamte Lieferkette umfassende industrielle Grundlage zu schaffen, heißt es in der EU 2020-Leitiniative zur Industriepolitik vom Herbst 2010. 

Hintergrund

Neue bemannte Weltraummissionen werden regelmäßig diskutiert, sowohl im Rahmen nationaler Programme (EURACTIV.de vom 12. August 2009) wie im europäischen Verbund (EURACTIV.de vom 23. Oktober 2009). Die EIWK wurde 1999 von Parlamentsgruppen aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland gegründet.

mmo

Links

Bundestag.de: Warum der Mond wichtiger ist als der Mars. Interview mit Klaus-Peter Willsch (11. Oktober 2011)

European Interparliamentary Space Conference (EISC) : Internetseite

EU-Kommission: Die Industrie für Europa – Europa für die Industrie. Pressemitteilung (28. Oktober 2010)