EU-Parlament will nicht übertragbare Krankheiten in den Griff bekommen
Prävention ist der entscheidende Faktor, um die Belastung durch nicht übertragbare Krankheiten abzumildern. Dies beschreibt ein Berichtsentwurf des Europäischen Parlaments, der hinzufügt, dass diese Krankheiten, die EU jährlich mit mehr als 100 Milliarden Euro belasten.
Prävention ist der entscheidende Faktor, um die Belastung durch nicht übertragbare Krankheiten abzumildern. Dies beschreibt ein Berichtsentwurf des Europäischen Parlaments, der hinzufügt, dass diese Krankheiten, die EU jährlich mit mehr als 100 Milliarden Euro belasten.
Nicht übertragbare Krankheiten (NCDs) sind für 90 Prozent aller Todesfälle in der EU und für 70 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle in Europa verantwortlich. Dazu zählen Krankheiten wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen.
Die Abgeordneten haben betont, dass die Präventionsstrategien verbessert werden müssen und dass dies den Gesundheitssystemen zugute kommen würde.
„Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um vorzeitige Todesfälle zu verhindern, die Lebensqualität der Bürger zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu sichern“, sagte der liberale dänische Europaabgeordnete Erik Poulsen (Renew), Berichterstatter für nichtübertragbare Krankheiten, am Mittwoch (30. Juli) bei der Vorstellung des Berichts im Gesundheitsausschuss.
Er fügte hinzu, dass die Zahl der nicht übertragbaren Krankheiten aufgrund der alternden Bevölkerung zunehmen werde, was eine „große Herausforderung für das europäische Gesundheitssystem und den Arbeitsmarkt“ darstelle.
Um diese Zahlen zu senken, ruft der Bericht dazu auf, sich auf die Prävention zu konzentrieren, die derzeit nicht ausreichend finanziert wird: 2018 wurden nur 3 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in der EU für Prävention ausgegeben.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass NCDs nicht nur eine große gesundheitliche, sondern auch eine finanzielle Belastung darstellen und die Volkswirtschaften der EU jährlich mehr als 100 Milliarden Euro kosten.
Risikofaktoren
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Menschen aller Altersgruppen anfällig für Risikofaktoren, die zu NCDs beitragen, wie Tabakrauch, schädlicher Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.
Die WHO betont, dass „ein wichtiger Weg zur Kontrolle der NCDs darin besteht, sich auf die Reduzierung der mit diesen Krankheiten verbundenen Risikofaktoren zu konzentrieren.“ Dabei handelt es sich um die so genannten modifizierbaren verhaltensbedingten Risikofaktoren, die durch Prävention schneller angegangen werden können.
Milka Sokolović, Exekutivdirektorin der European Public Health Alliance (EPHA), nahm im Juni an einer Anhörung des Gesundheitsausschusses mit Interessenvertretern teil, die der Ansicht sind, dass die derzeitigen Maßnahmen zur Bekämpfung der NCDs nicht ausreichend wirksam sind.
Sokolović erläuterte gegenüber EURACTIV, dass sie darauf bestehen, diese im Bericht korrekt und mit dem nötigen Nachdruck zu behandeln.
Vor diesem Hintergrund hat die EPHA Änderungsanträge zum Entwurf des Dokuments vorgelegt, die sich auf den „intrinsischen Schaden des Alkoholkonsums“ und die „schädlichen Auswirkungen ungesunder Ernährung“ beziehen und sich für stärkere Maßnahmen gegen Tabak und Alkohol einsetzen.
Die Europäische Union hat zahlreiche Initiativen mit demselben Ziel ins Leben gerufen, wie etwa den Europäischen Plan zur Krebsbekämpfung der Kommission oder die Empfehlung des Rates über rauchfreie Zonen.
Neue Instrumente oder bessere Nutzung der vorhandenen Instrumente
Risikofaktoren sind jedoch nicht nur mit individuellen Verhaltensweisen verbunden. Auch Dinge wie bestimmte Chemikalien oder Luft- und Wasserverschmutzung können die Ursache für nicht übertragbare Krankheiten sein.
Im Parlament erinnerten einige Abgeordnete an andere Gesetzesinitiativen wie die Aktualisierung der REACH-Verordnung über die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Diese ist zwar seit 2022 in Arbeit, verzögert sich aber immer wieder.
Diese Verordnung zielt darauf ab, die menschliche Gesundheit und die Umwelt vor den Risiken zu schützen, die von Chemikalien ausgehen können. Diese können auch ein Faktor für nicht übertragbare Krankheiten sein.
Im Zusammenhang mit REACH erwähnte die grüne französische Europaabgeordnete Michèle Rivasi die Verlängerung der Verwendung von Glyphosat in der EU. Die Verwendung dieses Herbizids sollte eigentlich im Dezember 2022 verboten werden, aber später verlängert wurde. Ihrer Meinung nach zeige die Verzögerung dieser Regelungen einen „Mangel an Kohärenz zwischen den Politiken.“
Die schwedische Volksvertreterin Sara Skyttedal (EVP) hob auch einige der Berichte hervor, an denen das EU-Parlament gearbeitet hat, die sich mit nicht übertragbaren Krankheiten befassen. Dies sei zum Beispiel der vom Ausschuss zur Krebsbekämpfung angenommene Bericht, „der uns auch weiterhin bei diesem Thema leiten sollte.“
Ein weiteres Dokument, das die Europaparlamentarier als Ausgangspunkt nannten, ist das Dossier über die Lehren aus der COVID-Pandemie, aus dem sie auch die Notwendigkeit der Zusammenarbeit ableiten. Sie waren sich einig, dass Gesundheit zwar in die nationale Zuständigkeit fällt, COVID aber gezeigt hat, dass die EU-Mitgliedstaaten zusammenarbeiten können.
„Wenn es um Gesundheit geht, brauchen wir mehr Europa, nicht weniger Europa“, sagte die italienische Europaabgeordnete Angela Danzi.
[Bearbeitet von Giedre Peseckyte/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]