EU-Regeln treiben Kerosinpreise in die Höhe

Kerosin wird sich in den kommenden Jahren zum teuersten Treibstoff für Flugzeuge entwickeln und wahrscheinlich noch vor 2030 dasselbe Preisniveau wie Flüssigwasserstoff erreichen, so eine neue Studie.

EURACTIV.com
Kerosene
Laut dem Bericht wird Kerosin bis 2050 rund 300 Dollar pro Megawattstunde kosten, was einer Versechsfachung des derzeitigen Preises entspricht. [<a href="https://www.euractiv.com/section/alternative-renewable-fuels/news/meps-vote-to-broaden-the-definition-of-sustainable-aviation-fuels/" target="_blank" rel="noopener">Dushlik / Shutterstock.com</a>]

Kerosin wird sich in den kommenden Jahren zum teuersten Treibstoff für Flugzeuge entwickeln und wahrscheinlich noch vor 2030 dasselbe Preisniveau wie Flüssigwasserstoff erreichen.

Laut einer Studie des von der EU finanzierten Gemeinschaftsunternehmens Clean Sky mit McKinsey werden die EU-Vorschriften zur Bestrafung der Umweltverschmutzung im Luftverkehr den Wettbewerbsvorteil von Kerosin gegenüber kohlenstoffärmeren Alternativen bald zunichtemachen.

Umgekehrt werden die Preise für flüssigen Wasserstoff – ein wichtiger Treibstoff für eine umweltfreundliche Luftfahrt erweist – der sich derzeit in der Entwicklung befindet, und für synthetische Kraftstoffe, die bald auf den Flughäfen der EU gesetzlich vorgeschrieben sein werden, drastisch sinken, derweil die Kosten durch das wachsende Angebot und Fortschritte bei der Produktion und dem Transport sinken.

Laut dem Bericht wird Kerosin bis 2050 rund 300 Dollar pro Megawattstunde kosten, was einer Versechsfachung des derzeitigen Preises entspricht.

Der Preis für synthetische Kraftstoffe, auch bekannt als E-Fuels oder Power-to-Liquid, liegt derzeit bei etwa 450 Dollar pro Megawattstunde, dürfte aber bis 2050 auf weniger als 250 Dollar sinken.

Flüssigwasserstoff, der derzeit zu einem Preis von etwa 300 Dollar pro MWh gehandelt wird, dürfte bis 2050 sogar auf knapp 50 Dollar sinken.

Bei Flüssigwasserstoff handelt es sich um eine kohlenstoffneutrale Brennstoffquelle, wenn er mit Ökostrom gewonnen wird. Aufgrund des relativen Mangels an erneuerbaren Energien in Europa und der fehlenden Nachfrage auf breiter Ebene gestaltet sich dessen Anschaffung derzeit jedoch teuer.

Die traditionellen fossilen Energieerzeuger im Nahen Osten, darunter Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, haben die Marktchance erkannt und wenden sich bereits der Wasserstoffproduktion zu. Sie planen, ihre enormen Solarenergiekapazitäten zu nutzen, um grünen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe zu einem niedrigeren Preis zu produzieren.

Während Flüssigwasserstoff und Power-to-Liquid zunächst billiger bei Anbietern aus dem Nahen Osten zu haben sein werden, werden die europäischen Hersteller bis 2030 die Parität erreicht haben, so die Studie.

Verursacherprinzip

Die Luftfahrtindustrie geriet ins Fadenkreuz der EU-Ziele zur Emissionsreduzierung. Eine Reihe von Gesetzesvorlagen zielt darauf ab, die Umweltverschmutzung für die Branche teurer ausfallen zu lassen.

Das ReFuelEU-Gesetz würde Flugzeuge, die an einem EU-Flughafen betankt werden, dazu verpflichten, Kerosin mit einem bestimmten Prozentsatz an sogenannten nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAFs) zu tanken.

Der SAF-Anteil, der sich aus E-Treibstoffen und fortschrittlichen Biokraftstoffen zusammensetzt, würde mit der Zeit ansteigen und das Kerosin verdrängen.

Die EU-Abgeordneten fordern ebenfalls, dass die Fluggesellschaften künftig dazu verpflichtet werden, mehr für ihre CO2-Emissionen zu zahlen. Sie haben kürzlich dafür gestimmt, alle Flüge, die von Europa aus starten, in den CO2-Handel der EU miteinzubeziehen und gleichzeitig das Auslaufen der kostenlosen CO2-Zertifikate zu beschleunigen.

Der Luftverkehr ist zwar theoretisch bereits seit 2012 in den EU-Kohlenstoffmarkt einbezogen, doch blieb ein Großteil der Emissionen der Fluggesellschaften in der Praxis von den Kohlenstoffkosten befreit.

Der Gesetzgeber hat beschlossen, diese kostenlosen Zertifikate auslaufen zu lassen, was die Verbrennung von kohlenstoffintensivem Kerosin teurer ausfallen lassen würde.

Auch die EU hat im letzten Jahr eine Steuer auf Kerosin auf den Tisch gelegt. Nach den vorgelegten Plänen würde Kerosin, das auf Flügen innerhalb der EU verwendet wird, seine Steuerbefreiung verlieren.

Sauberes fliegen finanzieren

Neben den Strafmaßnahmen hat die EU auch die Forschung im Bereich der umweltfreundlicheren Luftfahrttechnologie finanziell unterstützt. Dazu gehören 1,7 Milliarden Euro für das Gemeinschaftsunternehmen Clean Aviation, die über das F&E-Förderprogramm Horizon Europe bereitgestellt werden. Weitere 2,4 Milliarden Euro werden von der europäischen Luftfahrtindustrie investiert.

Das Programm Clean Aviation bringt wichtige Akteure der Luftfahrtindustrie sowie kleine und mittlere Unternehmen mit Forschungszentren und Hochschulen zusammen, um einen emissionsärmeren Luftverkehr zu entwickeln.

Ziel ist es, bis 2029 neuartige Energiequellen und Triebwerke für Flugzeuge zu testen, damit bis 2035 emissionsfreie Flugzeuge in Dienst gestellt werden können. Es wird erwartet, dass die Emissionen von Flugzeugen im Vergleich zu 2020 um bis zu 30 Prozent reduziert werden.

Die Vorteile des Fliegens erfordern eine Reduzierung des Kerosinverbrauchs und die Suche nach nachhaltigen Alternativen, sagte Axel Krein, der Geschäftsführer des gemeinsamen Unternehmens Clean Aviation, gegenüber EURACTIV.

„Wenn man den heutigen Stand der Luftfahrt beobachtet, glauben viele Leute, dass nur Geschäftsleute fliegen, aber 15 Prozent sind Geschäftsflüge und 85 Prozent sind Freizeitflüge. Das ist etwas, das zu unserem Leben gehört. Und deshalb ist es unser Bestreben, es möglich zu machen, weiterhin [zu fliegen], ohne das Klima zu belasten“, sagte er.

„Die Menschen beginnen zu glauben, dass es sich lohnt, all diese Anstrengungen zu unternehmen. Nicht nur finanziell, sondern auch in Bezug auf die Arbeitskräfte, den Fokus und den Ehrgeiz, um sicherzustellen, dass die Vorteile, die der Flugverkehr bietet, aufrechte erhalten und deren negativen Auswirkungen ausgeschlossen werden.“

Nach Angaben des Gemeinschaftsunternehmens Clean Aviation könnten durch die Umstellung auf saubere und effizientere Flugzeuge etwa 320 Milliarden Euro eingespart werden, verglichen mit dem Weiterbetrieb herkömmlicher Maschinen.

Diese Zahl wird durch einen Rückgang der CO2-Emissionen, der NOx-Emissionen und der Lärmbelastung erreicht.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]