EU soll Produktion von Seltenen Erden in Kasachstan fördern
Kasachstan plant, seine Rolle in der weltweiten Produktion von seltenen Metallen und Erden auszuweiten. Dieser Sektor ist für die EU von besonderem Interesse und Europas grüne Energiediplomatie eröffnet die Möglichkeit einer gegenseitigen Beziehung.
Kasachstan plant, seine Rolle in der weltweiten Produktion von seltenen Metallen und Erden auszuweiten. Dieser Sektor ist für die EU von besonderem Interesse und Europas grüne Energiediplomatie eröffnet die Möglichkeit einer gegenseitigen Beziehung.
Auf einer Regierungssitzung unter der Leitung des kasachischen Premierministers Oljas Bektenov am 13. November wurden Strategien zur Stärkung der globalen Marktposition Kasachstans, zur Gewinnung von Technologie und Investitionen und zur Integration in neue Wirtschaftssektoren diskutiert.
Das Land gewinnt bereits wertvolle Minerale wie Beryllium, Scandium, Tantal und Niob. Metallurgische Anlagen produzieren und verarbeiten kritische Metalle wie Wismut, Antimon, Selen, Gallium und Indium.
Mit einer Investition von 350 Millionen US-Dollar hat die Produktion von Wolframkonzentrat in der Lagerstätte Boguty bereits begonnen. Weitere Pläne beinhalten die Erschließung von Wolframerzen, die Produktion von Ammoniumparawolframat und die Schaffung eines Magnetproduktionsclusters.
Die Produktion von Mangansulfat-Monohydrat deckt fünf Prozent des Weltmarktes ab. In der Zwischenzeit will sich das Land auf Batteriematerialien, Permanentmagnete und hitzebeständige Legierungen konzentrieren.
Kasachstan hat geplant, Graphitkonzentrat in der Lagerstätte Sarytogan zu produzieren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) hat drei Millionen Euro in diese Lagerstätte investiert, ihre erste direkte Kapitalbeteiligung im Graphit- und kritischen Rohstoffsektor in Zentralasien.
Deutsche und koreanische Unternehmen erkunden bereits Lithiumvorkommen in Ostkasachstan und planen die Herstellung von hitzebeständigen Legierungen auf Nickelbasis für Düsentriebwerke unter Verwendung von Materialien wie Rhenium und Kobalt.
Bektenov hob das Potenzial kasachischer Unternehmen bei der Durchführung geologischer Erkundungen, einschließlich Machbarkeitsstudien, hervor. Dieser Ansatz soll dazu beitragen, den Anteil Kasachstans an der weltweiten Produktion von seltenen Metallen und Seltenerdmetallen zu erhöhen.
Unerschlossenes Potenzial
Das Land verfügt über ein erhebliches Potenzial zur Lieferung kritischer Mineralien, die für die Energiewende und den Markt für Elektrofahrzeuge unerlässlich sind, was auf zunehmendes Interesse der EU stößt. Eine Analyse hob neun wichtige Exportprodukte hervor, wie die etablierten Metalle Zink, Kupfer, Blei, Silber und Aluminium.
Dazu gehören auch unerschlossene Rohstoffe wie Lithium mit neu entdeckten Vorkommen im Wert von 15,7 Milliarden US-Dollar sowie Nickel, Gold und Seltenerdmetalle mit umfangreichen Reserven im Wert von 46 Billionen US-Dollar.
Bei seinem jüngsten Besuch in Frankreich hob der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew die umfangreichen Vorkommen seines Landes an Seltenerdmetallen wie Lithium, Beryllium und Tantal hervor, die in fast allen Hochtechnologie- und grünen Industrien gefragt sind.
Da der weltweite Handel mit kritischen Rohstoffen bis 2040 voraussichtlich steigen wird, könnte Kasachstan laut Tokajew zu einem zuverlässigen Lieferanten für die Industrie der EU werden. Die zentralasiatische Republik produziert 19 der wichtigsten Rohstoffe, die für die Wirtschaft der EU von entscheidender Bedeutung sind.
Im November 2022 unterzeichneten die EU und Kasachstan eine Absichtserklärung über eine strategische Partnerschaft für nachhaltige Rohstoff-, Batterie- und erneuerbare Wasserstoff-Wertschöpfungsketten.
Mitte Oktober fand die 21. Sitzung des Kooperationsrats zwischen der EU und Kasachstan statt, bei der beide Parteien die laufende Zusammenarbeit im Bereich kritischer Rohstoffe bekräftigten.
Diplomatie an lokale Bedürfnisse anpassen
Die Internationale Energieagentur (IEA) beschreibt Kasachstan, dank seiner natürlichen Ressourcen, als Vorreiter in Zentralasien bei der Entwicklung von Innovationsstrategien für saubere Energie. Sie weist auch auf Herausforderungen und Erkenntnisse der letzten zehn Jahre hin und auf Bereiche, auf die sich kasachische Entscheidungsträger in Zukunft konzentrieren könnten.
In einer Analyse von Clingendael, dem Niederländischen Institut für Internationale Beziehungen, werden kritische Rohstoffe und grüner Wasserstoff als zwei Schlüsselbereiche einer für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit hervorgehoben.
Die Analyse des Instituts ermutigt die EU darin, mit Kasachstan zusammenzuarbeiten. Somit kann es sicherstellen, dass das Land von einer wertschöpfenden Produktion profitiert, anstatt lediglich Rohstoffe zu exportieren. Die EU sollte Kasachstan auch bei der Entwicklung einer lokalen Industrie für saubere Energie unterstützen und so zur Dekarbonisierung und zum sozioökonomischen Wachstum im Land beitragen.
Dem Bericht zufolge sollte die EU Investitionen in den Sektor der erneuerbaren Energien in Kasachstan priorisieren und gleichzeitig Öl- und Gasprojekte auslaufen lassen, um die mit der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verbundenen Sicherheitsrisiken zu verringern.
Durch die Ausrichtung ihrer grünen Energiediplomatie auf die lokalen Bedürfnisse Kasachstans kann die Union eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung fördern, die sowohl die Energiesicherheit als auch die nachhaltige Entwicklung unterstützt, heißt es in der Schlussfolgerung der Analyse.
Die EU sollte jedoch ihr Vorgehen beschleunigen. Kasachstan und die Vereinigten Staaten haben bereits ein gemeinsames Unternehmen gegründet, um ein geologisches Erkundungsprojekt in der Lagerstätte Akbulak in der Region Kostanay durchzuführen. Historischen geologischen Daten zufolge enthält die Lagerstätte Reserven an sogenannten Seltenerdelementen.
Bis 2024 hat Kasachstan 124 Lagerstätten von seltenen Metallen und Seltenerdmetallen identifiziert. Nur 37 davon wurden bisher erforscht. Wenn es Kasachstan gelingt, sein gesamtes Potenzial auszuschöpfen, könnte es seinen Platz unter den führenden globalen Produzenten einnehmen und als Gegengewicht zur chinesischen Dominanz dienen.
Derzeit entfallen 60 Prozent der Produktion und 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung auf China. Zur Verringerung der Abhängigkeit von Chinas Quasi-Monopol, sollte die EU die Zusammenarbeit mit potenziellen Märkten wie Kasachstan ausbauen.
[Bearbeitet von Brian Maguire | Euractiv’s Advocacy Lab]