EU: Strenge Kontrollen für Lebensmittel aus Japan

Die EU hat die Kontrollen für Lebensmittelimporte aus Japan verschärft. In Deutschland überwacht das "Integrierte Mess- und Informationssystems" (IMIS) die mögliche Verstrahlung. Die Umweltorganisation Greenpeace vergleicht die Gefahrenstufe in Fukushima mit Tschernobyl.

Lebensmittel aus Tokio und anderen Präfekturen Japans müssen vor ihrem Transport in die EU auf Radioaktivität getestet werden. Foto: Robert Schikowski / pixelio.de.
Lebensmittel aus Tokio und anderen Präfekturen Japans müssen vor ihrem Transport in die EU auf Radioaktivität getestet werden. Foto: Robert Schikowski / pixelio.de.

Die EU hat die Kontrollen für Lebensmittelimporte aus Japan verschärft. In Deutschland überwacht das „Integrierte Mess- und Informationssystems“ (IMIS) die mögliche Verstrahlung. Die Umweltorganisation Greenpeace vergleicht die Gefahrenstufe in Fukushima mit Tschernobyl.

Die Mitgliedsstaaten beschlossen am Donnerstagabend eine Reihe spezieller Vorsichtsmaßnahmen, die voraussichtlich am Samstag in Kraft treten. Die Regeln sehen vor, dass alle Lebensmittel aus zwölf Präfekturen in Japan vor dem Export auf Radioaktivität getestet werden müssen, auch die aus dem Raum Tokio. Alle Importprodukte haben eine entsprechende Erklärung vorzuweisen. In der EU soll es zusätzliche stichprobenartige Untersuchungen geben. Lebensmittel aus den anderen 35 Präfekturen werden bei Ankunft ebenfalls stichprobenartig überprüft.

Die Maßnahmen betreffen nur Produkte, die nach dem 11. März geerntet oder hergestellt wurden. Derzeit bestehe für die europäischen Verbraucher kein Risiko durch erhöhte Strahlenbelastung in Lebensmitteln aus Japan, heißt es bei der EU-Kommission. Bei den verschärften Kontrollen handle es sich um Vorsichtsmaßnahmen.

Insgesamt wird laut Kommission nur eine geringe Menge an Lebensmitteln aus Japan in die EU importiert. So betrug im letzten Jahr der Wert von Importen aus der Landwirtschaft 187 Millionen Euro und aus der Fischereiproduktion 18 Millionen Euro.

Deutschland aktiviert IMIS

Das Bundesverbraucherministerium erklärte am Donnerstag, man beobachte die Lage in Japan sehr aufmerksam und habe ein Frühwarnsystem eingerichtet. Bislang gebe es aber keine Hinweise auf Gefährdungen, die von radioaktiv belasteten Lebensmitteln oder Futtermitteln ausgingen.

Das deutsche "Integrierte Mess- und Informationssystems" (IMIS) zur Frühwarnung wurde auch nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl aktiv, um stichprobenartig Importproben zu messen. Radioaktive Auffälligkeiten könnten mit Hilfe dieses Frühwarnsystems schnell festgestellt werden, heißt es im Bundesverbraucherministerium.

Greenpeace: "Höchste Stufe der Unfallskala jetzt erreicht"

Die atomare Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi muss auf die höchste Stufe 7 der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) eingeordnet werden, forderte die unabhängige Umweltschutzorganisation Greenpeace am Freitag von der internationalen Atomenergiebehörde IAEO.

Aus der havarierten Atomanlage seien schon jetzt entsprechend große Mengen an Radioaktivität entwichen. Dies ergebe eine Studie des Physikers Helmut Hirsch für Greenpeace. Seine Untersuchung basiere auf offiziellen Daten der französischen Strahlenschutzbehörde (IRSN) und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Hirsch komme zu dem Ergebnis, dass die Gesamtmenge der radioaktiven Substanzen Jod-131 und Cäsium-137 die Einstufung in INES 7 erfordern. Die japanischen Behörden ordnen die Atomkatastrophe derzeit der Stufe 5 zu.

"Die höchste Stufe der Unfallskala der IEAO ist jetzt erreicht", sagte Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. "Es sind derart große Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden, dass die derzeitige Katastrophe im AKW Fukushima 1 jeden Vergleich sprengt. Und die Freisetzung geht weiter."

Red.

Links


EU-Kommission:
Food safety: the EU reinforces controls on imports from Japan (24. März)

Bundesverbraucherministerium: Lebensmittel und Importwaren aus Japan: Keine Gefahrenhinweise (24. März 2011)

Bundesverbraucherministerium: Informationen zum Reaktorunglück in Japan