Europa braucht "ausgewogene Sicht" auf Asien, so Portugals Außenminister

Die EU müsse eine "umfassende und ausgewogene Sicht" auf Asien entwickeln, forderte Portugals Außenminister. Er betonte die "enormen Herausforderungen", die durch das Spannungsfeld zwischen den USA, China und Russland entstehen.

Lusa.pt
9th Ministerial Heart of Asia Conference in Lisbon
Portugals Außenminister Augusto Santos Silva. [EPA-EFE/ANTONIO PEDRO SANTOS]

Die Europäische Union müsse eine „umfassende und ausgewogene Sicht“ auf Asien entwickeln, forderte Portugals Außenminister am vergangenen Freitag auf einer Konferenz. Er betonte die „enormen Herausforderungen“, die durch die Dreiecksbeziehung und das Spannungsfeld zwischen den USA, China und Russland entstehen.

Zum Abschluss der Konferenz „EU-Asia: Challenges and Future“ (EU-Asien: Herausforderungen und Zukunft) am vergangenen Freitag sagte Augusto Santos Silva, es sei „absolut notwendig, die verschiedenen Dimensionen einer Beziehung zu berücksichtigen“. Europa brauche eine ausgewogene Sicht auf seine internationalen Partner, keine rein wirtschaftliche.

Der Minister betonte weiter, man solle beispielsweise Indien nicht nur als Partner für Medikamente und Impfstoffe sehen, und das Interesse an China solle sich nicht auf Autoexporte beschränken.

Allerdings leide die EU „immer noch an einer gewissen Selbsteinschränkung“, wenn es um die Entwicklung der „außerökonomischen Dimension“ gehe, räumte er ein.

Die EU habe sich bisher hauptsächlich auf die kommerzielle Dimension oder aber auf die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert. „Diese beiden Seiten sind entscheidend, aber reine Janusköpfigkeit ist nicht genug. Wir brauchen ein Vieleck.“

Die EU solle in ihrer geopolitischen Beziehung zu Asien allerdings auch „standhaft“ sein und „das Zentrum des Interesses“ nicht auf diesen Kontinent allein verlagern.

Vielmehr müsse man die Zahl der potenziellen Gesprächspartner vervielfachen. Dies gelte neben der näheren Nachbarschaft und Asien beispielsweise auch mit Blick auf Lateinamerika und Afrika.

Santos Silva betonte des Weiteren, dass „eine Beziehung der Spannung nicht notwendigerweise eine Beziehung der Konfrontation sein oder werden muss“. In jedem Fall habe die EU „Fortschritte gemacht“ in Bezug auf eine gemeinsame Außenpolitik, „die nicht nur ein Ableger“ der nationalen Strategien sei.

Die Union müsse nun „einen neuen, genaueren Blick“ auf Asien werfen, immer im Gleichschritt mit ihrem Verbündeten, den Vereinigten Staaten. Insgesamt solle der Ansatz „umfassend und ausgewogen“ sein.

In diesem Zusammenhang habe Portugal, das bis Ende Juni noch die EU-Ratspräsidentschaft innehat, das geplante Gipfeltreffen mit Indien zu einer seiner Prioritäten gemacht. Die seit acht Jahren ruhenden Wirtschaftsverhandlungen zwischen dem indischen Staat und der EU könnten bald wieder aufgenommen werden, so die portugiesische Hoffnung.

Das Treffen im Mai in Porto werde „ein Schlüsselereignis für das geopolitische Gleichgewicht in unseren Beziehungen zu Asien“, betonte Santos Silva abschließend.

[Bearbeitet von Josie Le Blond und Tim Steins]