Europa vor der Perspektive einer Überraschungsstilllegung am Suezkanal
Die ägyptische Krise ging gestern (8. Februar) in eine neue und möglicherweise kritische Phase über, als Tausende von Angestellten des Suezkanals einen unbegrenzten Streik einleiteten – zwei Wochen, nachdem die Proteste gegen das Regime Mubaraks begonnen hatten.
Die ägyptische Krise ging gestern (8. Februar) in eine neue und möglicherweise kritische Phase über, als Tausende von Angestellten des Suezkanals einen unbegrenzten Streik einleiteten – zwei Wochen, nachdem die Proteste gegen das Regime Mubaraks begonnen hatten.
Einige Berichte besagen, dass zwischen fünf und sieben Prozent des Ölverbrauchs Europas die Wasserstraße täglich durchqueren. Wenn sie gesperrt wird, sollte sich die Auswirkung auf Preise und Versorgung schnell fühlen lassen.
Die älteste Tageszeitung Ägyptens, „Al Ahram“, berichtete gestern in ihrer Online-Ausgabe, dass 6.000 Arbeiter in Suez, Port Said und Ismailia einen unbegrenzten Streik und ein Sit-in eingeleitet hätten, um gegen geringe Löhne und sich verschlechternde Gesundheits- und Arbeitsbedingungen zu protestieren.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte Mohamed Motair, Unternehmensdirektor der „Suez Canal Authority“, dass die Arbeiter nicht bei den Operationen tätig seien, obwohl sie verschiedenen damit verbundenen Dienstleistungsgesellschaften angehörten.
Dies habe mit dem Verkehr auf dem Suezkanal nichts zu tun und der Kanal funktioniere normal weiter, sagte Motair.
Diese Nachricht könnte aber sowohl die Märkte als auch die europäischen Politiker alarmieren und wird wahrscheinlich von den prodemokratischen Aktivisten auf dem Tahrir-Platz in Kairo begrüßt werden.
Das Energieministerium der Vereinigten Staaten klassifiziert den Suezkanal als einen von einer Handvoll an Weltöltransitschlüsselbereichen und Ereignisse dort können auf Ölpreise eine überproportionale Auswirkung haben. Die Preise erreichten letzte Woche 100 Dollar pro Barrel – auf Grund von Befürchtungen, dass der Kanal von den Protesten getroffen werden könnte.
Peter Schork, ein Ölmarktanalyst, dessen einflussreicher Rundbrief Berichten zufolge den Ölpreis bewegen kann, sagte, dass eine Stilllegung des Suezkanals ein Überraschungsereignis wäre.
Was dies so gefährlich mache, sei, dass die OPEC Suez nicht kontrolliere. Sie könnte die Preise beruhigen, indem sie Barrels auf den Markt brächten, erklärte er EURACTIV.
Sie habe den Markt vor einer Woche gestillt, als sich Öl für über 100 Dollar pro Barrel verkaufte. Also habe die OPEC eine Chance weniger, jetzt zu helfen, jegliche Preisanstiege zu beruhigen.
Circa vier Millionen Ölbarrels durchqueren täglich den Suezkanal durch Tanker- und Pipelineverkehr.
8 Prozent des weltweiten Seehandels und 2,6 Prozent der globalen Herstellung durchqueren den Kanal, der an seiner engsten Stelle nur 305 Meter breit ist.
Rosemary Hollis, ehemalige Direktorin des „Royal Institute of International Affairs“ und derzeitige Professorin für Nahoststudien an der „City University“ in London, unterstrich, dass die ägyptischen Demonstranten bisher versucht hätten, ihren Aufruhr als eine innenpolitische Angelegenheit zu behalten.
Sie sei sich darüber nicht im Klaren, was sie durch einen Streik zu erreichten hofften, erklärte sie EURACTIV.
Allerdings fügte sie hinzu, dass eine Stilllegung passieren könnte, wenn sie dächten, dass der einzige Grund, warum Mubarak an der Macht bleibe, die Vereinigten Staaten seien und dass sie die Interessen der USA verletzen und die Weltaufmerksamkeit auf sich lenken könnten, indem sie so agierten.
Vor einer Woche hat Berichten zufolge ein führendes Mitglied der Muslimbruderschaft Ägyptens, Muhammad Ghannem, der Tageszeitung gesagt, dass der Suezkanal sofort geschlossen werden sollte.
Die Bruderschaft ist die größte und am besten organisierte Oppositionspartei Ägyptens aber, obwohl sie sagt, sie verpflichte sich dem Pluralismus und der Demokratie, erschreckt ihre islamistische Agenda viele im Westen.
Maya Kocijancic, Pressesprecherin der EU-Chefin der Außenpolitik, Catherine Ashton, erklärte EURACTIV, dass die Hohe Vertreterin für auswärtige Angelegenheiten Ägypten nach einer Reise nach Tunesien nächste Woche zu besichtigen hoffe.
Unter den Würdenträgern, die Ashton treffen wolle, seien „Vertreter der ägyptischen Regierung und höchstwahrscheinlich Vizepräsident Suleiman, sowie wahrscheinlich verschiedene politische Kräfte in Ägypten“ zu finden, sagte sie.
Kocijancic war nicht in der Lage zu bestätigen, mit welchen Oppositionsgruppen sich Ashton unterhalten werde. Allerdings arbeite man gerade an den Vorbereitungen, sagte sie.