Europäische Dividenden steigen im zweiten Quartal 2022 um 28,7 Prozent
While inflation eats away at the purchasing power of European workers, the largest European companies have considerably increased the sums they paid out to shareholders in the second quarter of 2022.
Während die Inflation die Kaufkraft der europäischen Arbeitnehmer:innen aufzehrt, haben die größten europäischen Unternehmen die Beträge, die sie an ihre Aktionär:innen ausschütten, im zweiten Quartal 2022 deutlich erhöht.
Der von der Investmentgesellschaft Janus Henderson Investors veröffentlichte globale Dividendenindex zeigt einen starken Anstieg der Ausschüttungen der 1.200 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung. Vor allem europäische Unternehmen haben mehr Geld an ihre Anteilseigner:innen ausgeschüttet als im vergangenen Jahr, und zwar um 28,7 Prozent mehr (in Euro).
Dem Bericht zufolge wird dieser Anstieg durch die hohen Unternehmensgewinne ermöglicht, die im vergangenen Jahr erzielt wurden, als sich die Wirtschaft von der Pandemie erholte. Die Dividendenausschüttungen waren bereits im Jahr 2021 um 25,7 Prozent gestiegen, nachdem sie im Pandemiejahr 2020 um 28,4 Prozent gekürzt werden mussten.
Angetrieben durch Aufschwung und hohe Preise
In Frankreich beispielsweise hat Airbus einen großen Beitrag zu diesem Dividendenanstieg geleistet, da das Unternehmen seine Ausschüttungen nach einer zweijährigen Pause wieder aufgenommen hat. In anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Spanien, Italien und Schweden wurden die steigenden Dividenden vor allem durch den Bankensektor getragen.
Der Bericht stellte jedoch auch fest, dass Unternehmen von steigenden Preisen profitiert haben.
So haben beispielsweise die deutschen Automobilhersteller Mercedes-Benz und BMW ihre Auszahlungen im Vergleich zum letzten Jahr mehr als verdreifacht. „Dramatisch gestiegene Autopreise und eine Verbesserung des Absatzmixes hin zu Fahrzeugen mit höherer Gewinnspanne haben die Volumenrückgänge mehr als ausgeglichen“, heißt es in dem Bericht.
Der Index bezieht sich nur auf die größten Unternehmen in Europa und der Welt und bietet daher nur einen unvollständigen Überblick über die Situation. Dennoch belebt er die Debatte darüber, wer von dem derzeitigen Preisanstieg profitiert und wer darunter leidet.
Rückgang der realen Löhne
Aufgrund der hohen Energiepreise nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine stieg die Inflation in der EU im Juli auf durchschnittlich 8,9 Prozent im Jahresvergleich. Zwar sind die Nominallöhne in der gesamten Union ebenfalls gestiegen, doch gleicht ihr Wachstum den inflationsbedingten Kaufkraftverlust nicht aus.
Die Reallöhne schrumpfen, während die Dividendenausschüttungen stärker steigen als die Inflation. Im zweiten Quartal dieses Jahres waren die Dividendenausschüttungen um 15,5 Prozent höher als im gleichen Quartal des Jahres 2019 – also vor der Pandemie.
Dies kommt bei Arbeitnehmervertreter:innen nicht gut an, die der Meinung sind, dass die Last der Inflation ungleichmäßig von den Arbeitnehmer:innen getragen wird. Nach Ansicht des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) zeigt die Diskrepanz zwischen dem Dividendenwachstum und dem Lohnanstieg, dass „exzessive Unternehmensgewinne – und nicht die Löhne – die Inflation antreiben.“
Besteuerung zusätzlicher Gewinne?
„Diese Zahlen werden für Millionen von Arbeitnehmer:innen, die mit der Krise der Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben, schwer zu glauben sein“, sagte die stellvertretende EGB-Generalsekretärin Esther Lynch und forderte eine Steuer auf Zusatzgewinne, die dank der hohen Preise erzielt wurden.
Die sogenannte „Windfall Tax“ wird in mehreren EU-Mitgliedstaaten diskutiert, meist für Energieunternehmen. Im Juli kündigte Spanien die Einführung einer Steuer auf Überschussgewinne an, die zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 7 Milliarden Euro generieren soll.
Ebenfalls im Juli erklärte die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Věra Jourová, während einer diesbezüglichen Debatte im EU-Parlament, die EU-Exekutive erwäge einen „koordinierten und vernünftigen Ansatz in der EU für Steuern auf außergewöhnliche Gewinne.“
In der Zwischenzeit argumentieren Kritiker:innen der Steuer, dass hohe Gewinne ein guter Anreiz für Unternehmen seien, zu investieren, was wiederum zu zusätzlichem Angebot und niedrigeren Preisen führen sollte.
[Edited by Zoran Radosavljevic]