Europäer verlieren Glauben an die EU
Einer neuen Umfrage zufolge sagen nur 42 Prozent der Europäer, dass sie der EU vertrauten. Dies bedeutet einen Rückgang um sechs Prozentpunkte in nur sechs Monaten.
Einer neuen Umfrage zufolge sagen nur 42 Prozent der Europäer, dass sie der EU vertrauten. Dies bedeutet einen Rückgang um sechs Prozentpunkte in nur sechs Monaten.
Die Umfrage hat auch befunden, dass weniger als die Hälfte der Bürger Europas die EU-Mitgliedschaft ihres Landes als positiv erachten, aber die Europäische Kommission hält an den positiven Elementen des Berichts fest, wie etwa der Wirtschaftsregierung.
Beamte haben das neue Eurobarometer als unterstützend für die neue größere Budgetkontrolle Brüssels dargestellt und wiesen auf die 75 Prozent der Europäer hin, die gesagt haben, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten werde helfen, den Wirtschaftssturm zu überstehen.
Die Umfrage wurde im Mai durchgeführt, als die Verhandlungen zum Eurozonenrettungspaket von 720 Milliarden Euro ihren Höhepunkt erreichten (EURACTIV 10.05.10). Ironischerweise befindet sie, dass die Slowaken einer EU-Lösung für die Krise am positivsten (89 Prozent) gegenüber stehen – trotz der Tatsache, dass das slowakische Parlament das EU-IWF-finanzierte Rettungspaket für Griechenland vor kurzem abgewiesen hat.
Bürger fordern „mehr Europa“?
Ein Kommissionspressesprecher erklärte, die Befunde zeigten, dass die Bürger „mehr Europa“ forderten. Diese Ergebnisse bedeuteten eine Ermutigung vor dem informellen Treffen nächsten Monat, das sich mit der Wirtschaftsregierung befassen werde.
Trotz der positiven Klänge aus Brüssel deutet eine tiefere Analyse des Berichts auf eine Glaubenskrise hin, was die Union betrifft.
Nur 49 Prozent der Bürger erachten die Union als eine positive Sache, während 47 Prozent erklären, sie vertrauten der Union nicht. Sogar potentielle Mitglieder der Union scheinen, am europäischen Projekt das Interesse verloren zu haben: nur 27 Prozent der Türken sagen, sie vertrauten Brüssel.
Zum ersten Mal berücksichtigte das Eurobarometer Island, das derzeitig Gespräche führt, um der EU beizutreten. Erschreckende 35 Prozent sagten, sie vertrauten der Union, während nur 29 Prozent dachten, Island würde von einer EU-Mitgliedschaft Nutzen ziehen.
Der euroskepktische Think-Tank OpenEurope sagte, es sei eine sehr lockere Interpretation der Umfrage, dass man sie als positiv präsentiere. Besonders ist die Kommission dafür auf Kritik gestoßen, dass sie suggeriert hatte, die Bürger unterstützten die europäische Wirtschaftsregierung.
Die gestellte Frage erwähne nicht einmal die EU-Institutionen oder gar die „Gouvernance“, sondern lediglich einen „vagen Bezug“ auf eine stärkere Zusammenarbeit unter Mitgliedsstaaten, was eine ziemlich andere Sache sei, so Mats Persson, Direktor of OpenEurope.
Europäer befürchten die Zukunft
Europäern zufolge sei die Zukunft düster. Die meisten (55 Prozent) glauben, die schlimmste Phase der Wirtschaftskrise komme noch, obwohl es akzeptiert wird, dass die Sparmaßnahmen zur Reduzierung der Haushaltsdefizite nicht warten könnten.
Steigende Preise stellten für einen Großteil der europäischen Gesellschaft ein wichtiges Problem dar, wie die Umfrage befand. 36 Prozent gestatten, sie hätten Schwierigkeiten, Rechnungen zu zahlen, ein Problem, das durch Inflation und Zinserhöhungen noch verschärft werden könnte.
Starke 71 Prozent der Befragten stimmten dem zu, dass Reformen, die den nächsten Generationen zu Gute kommen werden, fortgesetzt werden sollten, auch wenn es für die jetzige Generation ein Opfer bedeute. Allerdings erklären sich nur 46 Prozent dafür, ihre Lebensstandards persönlich reduzieren wollen, um die Zukunft der nächsten Generationen zu sichern.