Europäische Unternehmen von späten Zahlungen behindert

Europäische Unternehmen, insbesondere kleinere, haben im letzten Jahr aufgrund von späten Zahlungen insgesamt Schulden in Höhe von € 300 Milliarden abgeschrieben – eine Summe in der gleichen Höhe wie die Staatsschulden in Griechenland, so eine neue Studie.

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Europäische Unternehmen, insbesondere kleinere, haben im letzten Jahr aufgrund von späten Zahlungen insgesamt Schulden in Höhe von € 300 Milliarden abgeschrieben – eine Summe in der gleichen Höhe wie die Staatsschulden in Griechenland, so eine neue Studie.

Der Europäische Zahlungsindex von 2010, zusammengestellt von der schwedischen Kreditmanagement-Firma Intrum Justitia, zeigt, dass abgeschriebene Schulden in ganz Europa, die dadurch verursacht wurden, dass Firmen, öffentliche Behörden und Verbraucher nicht rechtzeitig zahlen, in den letzten zwölf Monaten um 30 Milliarden Euro gestiegen sind.

Im Europäischen Parlament wird über eine neue Version der Europäischen Richtlinie zum Zahlungsverzug aus dem Jahr 2000 abgestimmt werden. Die vorgeschlagene Änderung wurde vor kurzem vom Binnenmarkt- und Verbraucherschutzausschuss (IMCO) angenommen.

Der Europäische Zahlungsindex, der über 6.000 Firmen in 25 europäischen Ländern abdeckt, befand, dass 2,6 Prozent aller Transaktionen abgeschrieben werden, im Vergleich zu 2,4 Prozent im Jahr 2009. Europäische KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) leiden am meisten, mit einem abgeschriebenen Anteil von 3 Prozent aller Transaktionen.

Der Index zeigt, dass das Vertrauen unter europäischen Firmen gering ist, da nur zehn Prozent der Unternehmen annehmen, dass sich die Bedingungen im kommenden Jahr verbessern werden. 52 Prozent sagten, sie glaubten nicht daran, nach der Rezession die nötige Unterstützung der Banken zu bekommen.

Intrum Justitia legte die Befunde der Studie europäischen Gesetzgebern und Industrieverbänden im Rahmen eines Frühstücks, das vom Europäischen Kreditforschungsinstitut (ECRI) in Brüssel am 11. Mai organisiert wurde, vor.

Europa „verschwendet“ 300 Milliarden Euro

Dem Europäischen Zahlungsindex zufolge beläuft sich die Summe, die Unternehmen in Europa geschuldet, doch niemals bezahlt wird, auf 300 Milliarden Euro – eine Rekordsumme, die einen Anstieg um acht Prozent seit 2009 bedeutet und den Staatsschulden des hoch verschuldeten Griechenlands gleichkommt.

Die Studie bestätigte den Unterschied in der Zahlungsmoral in den Ländern Europas und zeigte auf, dass das Risiko des Zahlungsverzugs in nordischen Ländern wie Finnland, Schweden, Deutschland und Großbritannien viel geringer ist als im Süden und Osten: Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Zypern, die Tschechische Republik, Polen, Ungarn und Litauen stellen ein höheres Risiko dar.

Intrum Justitia-Chef Lars Wollung sagte, die Zahl von 300 Milliarden Euro Verschwendung sei „eine ernste Sorge“ in Zeiten der wirtschaftlichen Krise. Er beschrieb die „Polarisierung“ zwischen Nord- und Südeuropa als einen gefährlichen Trend und sagte, dass Kreditmanagement „eine europäische Angelegenheit sein muss“.

Als sie die Resultate präsentierte, sagte Madeleine Bosch von Intrum Justitia, die Statistik male ein „katastrophales Bild“, und fügte hinzu, dass Zahlungsverzug „KMUs sehr stark schaden kann“.

Neue EU-Regulierung

Die Zahlen des Index kommen zu einem Zeitpunkt, da die EU ihre Regulierung zu dem Thema durch eine Revision der Richtlinie zum Zahlungsverzug aus dem Jahr 2000 ändern will. Über den Vorschlag, der durch den IMCO-Ausschuss des Europäischen Parlaments untersucht und angenommen wurde, soll im Juni oder Juli im Plenum abgestimmt werden.

Der IMCO-Ausschuss einigte sich darauf, dass Regierungsbehörden nur 30 Tage Zeit haben sollten, um ihre Rechnungen zu zahlen, mit der Ausnahme von Gesundheitsbehörden, denen 60 Tage zugesprochen werden, um ihre Rechnungen zu begleichen.

Für Business-to-Business-Transaktionen (B2B) beträgt die Kulanzfrist 30 Tage, doch kann in einigen Fällen eine Periode von 60 Tagen verhandelt werden.

Die bedeutet einen großen Unterschied vom ursprünglichen Kommissionsvorschlag, der sich ausschließlich auf Zahlungen durch öffentliche Einrichtungen konzentriert hatte und dem privaten Sektor die Freiheit ließ, seine eigenen Vertragsklauseln zu verhandeln.