Europäisches Recyclingsystem für Seltene Erden?

Handys, Energiesparlampen, Elektroautos - viele Produkte kommen nicht ohne Seltene Erden aus. China besitzt ein Monopol auf die begehrten Rohstoffe - und treibt derzeit die Preise nach oben. Während die EU-Kommission mit einer Versorgungs-Strategie hadert, legt das deutsche Ökoinstitut ein europäisches Konzept vor. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle dämpft allerdings hohe Erwartungen an das Recycling.

Alte Handys könnten bald begehrter Elektro-Schrott sein. Darin stecken Seltene Erden. Foto: Benjamin Klack / pixelio.de.
Alte Handys könnten bald begehrter Elektro-Schrott sein. Darin stecken Seltene Erden. Foto: Benjamin Klack / pixelio.de.

Handys, Energiesparlampen, Elektroautos – viele Produkte kommen nicht ohne Seltene Erden aus. China besitzt ein Monopol auf die begehrten Rohstoffe – und treibt derzeit die Preise nach oben. Während die EU-Kommission mit einer Versorgungs-Strategie hadert, legt das deutsche Ökoinstitut ein europäisches Konzept vor. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle dämpft allerdings hohe Erwartungen an das Recycling.

Das deutsche Ökoinstitut und der grüne EU-Abgeordnete Reinhard Bütikofer haben am Montag eine Studie zu „Seltenen Erden“ vorgestellt. Unter dem Begriff werden 17 chemischen Elemente gefasst. Bei sieben davon ist die Versorgungslage derzeit kritisch, so die Studie. Mehr als 95 Prozent des Weltverbrauchs stammen aus China. Peking kündigte jüngst an, die Ausfuhr  in der ersten Jahreshälfte 2011 faktisch um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu drosseln (EURACTIV.de vom 30. Dezember 2011).

Seltene Erden stecken in vielen High-Tech-Produkten, etwa in Batterien, LED-Lampen und Magneten. Auch grüne Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität, Windturbinen und die magnetische Kühlung benötigen die Metalle.

Gutachter fordern Europäisches Kompetenzzentrum

Das Ökoinstitut empfiehlt eine europäische Strategie, um der Verknappung zu begegnen. Fokus ist das bislang aufwendige und wenig erforschte Recycling. Europa gehört heute zu den weltweit größten Seltenen-Erden-Konsumenten. Mittelfristig würden deshalb bedeutende Mengen an Seltenen Erden in den zukünftigen Abfallströmen anfallen, so das Ökoinstitut. Die Gutachter schlagen den Aufbau eines „Europäischen Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerks“ vor. Da es einige Jahre dauern werde, bis alle technischen, wirtschaftlichen und juristischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Recyclingsystem geschaffen sind, solle jetzt mit dem Aufbau begonnen werden.

Ähnlich argumentiert auch Friedbert Pflüger, Direktor des European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) am King’s College London. „Zunächst muss die Recycling-Quote in Europa wesentlich verbessert werden“, so der frühere CDU-Staatssekretär in einem Standpunkt auf EURACTIV.de. Im EURACTIV-Interview warnt Pflüger vor einem drohenden Rohstoffimperialismus.

Rohstoffstrategie: Europa kommt nicht voran

Die EU-Kommission hat die Veröffentlichung einer europäischen Rohstoffstrategie mehrmals verschoben. Hintergrund waren zuletzt Unstimmigkeiten mit Frankreich (EURACTIV.de vom 26. Januar 2011). Paris drängt darauf, die Rolle von Rohstoff-Spekulanten kritisch zu bewerten. In der EU-Strategie soll es nicht nur um Seltene Erden, sondern um sämtliche knappen Rohstoffe gehen, auch im Agrarbereich.

Unklar bleibt bislang, ob die Europäer das Thema gemeinsam angehen oder ob sie untereinander konkurrieren. Die Bundesregierung hat Ende vergangenen Jahres eine Deutsche Rohstoffagentur gegründet und eine nationale Rohstoffstrategie vorgelegt. Darin heißt es: „Die Bundesregierung unterstützt die EU-Kommission in ihren Bemühungen, die Rohstoffsicherung der Gemeinschaftsindustrien weiter zu verbessern.“

„Recycling-System wird europäischen Bedarf nicht decken“

„Wer keinen Zugang zu Seltenen Erden hat, droht den Innovationswettlauf zu verlieren“, warnte Bütikofer am Montag. Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM), ergänzte, bei der Frage der Seltenen Erden gehe es um die „globale Verteilung von Zukunftsmöglichkeiten“. Kneer wies auf die besondere Problematik für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hin. Diesen falle es schwerer als Großunternehmen, eine Beschaffungsstrategie zu entwickeln und sich zum Beispiel mit China zu arrangieren.

Kneer dämpfte Erwartungen an das Recycling. „Nur über ein geschlossenes Recycling-System wird es nicht möglich sein, den europäischen Bedarf auch nur annährend zu decken.“

Bütikofer kündigte an, sich mit Blick auf das kommende 8. Forschungsrahmenprogramm der EU dafür einzusetzen, dass Mittel in die Erforschung des Recyclings Seltener Erden fließen.

awr

Links


Ökoinstitut:
Study on Rare Earths and Their Recycling (Januar 2011)

BMWi: Rohstoffstrategie der Bundesregierung (Oktober 2010)

BMWi: Deutschen Rohstoffagentur

EU-Kommission: A resource-efficient Europe – Flagship initiative of the Europe 2020 Strategy (26. Januar 2011)

EU-Kommission: Knappe Ressourcen intelligenter nutzen: Kommission startet Leitinitiative für nachhaltiges Wachstum. Pressemitteilung (26. Januar 2011)

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