EuroPride in Belgrad: Mehrere Tausende protestieren
Die Organisator:innen der EuroPride-Veranstaltung in Belgrad teilten mit, dass "trotz Verboten" fast 10.000 Menschen an der Demonstration am Samstag teilgenommen hätten. Während der Veranstaltung sei es zu mehreren Zwischenfällen gekommen.
Die Organisator:innen der EuroPride-Veranstaltung in Belgrad teilten mit, dass „trotz Verboten“ fast 10.000 Menschen an der Demonstration am Samstag teilgenommen hätten. Während der Veranstaltung sei es zu mehreren Zwischenfällen gekommen.
„Fast 10.000 Menschen haben sich versammelt, um für Gleichheit, Solidarität und Menschenrechte zu kämpfen. Heute fand in Belgrad die größte Pride aller Zeiten statt, und darauf sollten wir alle stolz sein“, so das Belgrade Pride-Team in einer Pressemitteilung.
Tausende von Aktivist:innen gingen am Samstag in der serbischen Hauptstadt auf die Straße, darunter auch solche aus Nachbarländern wie Albanien und dem Kosovo.
Nach Angaben der Veranstaler:innen wurden 10 Polizeibeamte und ein Fahrzeug beschädigt, und mehrere Aktivist:innen wurden nach heftigen Angriffen von Gegendemonstranten ins Krankenhaus eingeliefert.
Im Rahmen der EuroPride-Woche, die vom 12. September bis Samstag dauerte, fanden in Belgrad mehr als 130 Veranstaltungen statt.
Die Exekutivdirektorin von IGLA Europe erklärte gegenüber EURACTIV, dass die Durchführung des Marsches nicht als Zeichen dafür gewertet werden sollte, dass die Regierung ihren Verpflichtungen in Bezug auf das Recht auf Versammlungsfreiheit nachkommt.
„Die serbische Regierung hat bis zur letzten Minute alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Organisatoren zu behindern, zu entmutigen und einzuschüchtern. Über den Pride-Marsch selbst hinaus ist das Risiko einer erhöhten Anfälligkeit für Gewalt und Hass heute sehr groß, wenn sich politische und religiöse Führungskräfte in Serbien gegen LGBTI-Personen aussprechen“, sagte sie.
Sie warf Präsident Vučić vor, die Community für politische Zwecke zu instrumentalisieren, insbesondere um rechtsextreme und antidemokratische Kräfte zu stärken.
Eine Gruppe albanischer Aktivisten, die aus Solidarität an dem Marsch teilnahm, wurde auf dem Rückweg zu ihrem Hotel brutal angegriffen. Zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Der Aktivist Xheni Karaj, der sich unter ihnen befand, sagte, die Polizei habe nichts unternommen, um einzugreifen oder den Angriff zu verhindern, obwohl sie sich zu diesem Zeitpunkt in der Nähe befunden habe.
Der albanische Botschafter in Serbien, Ilir Bocka, sagte gegenüber EURACTIV, er sei von den Angegriffenen nicht kontaktiert worden, verfolge die Situation aber „mit großer Aufmerksamkeit.“
Einige derjenigen, die gegen den Marsch protestierten, sollen Banner mit dem Gesicht des russischen Präsidenten Wladimir Putin als religiöse Symbole geschwenkt haben und stehen auch mit einer Bikergruppe in Verbindung, die das Moskauer Regime unterstützt.
Der serbische Innenminister Aleksandar Vulin sagte, dass die Sicherheit der Parade den Staat etwa 3 Millionen Euro gekostet habe und fast 6.000 Polizisten im Einsatz gewesen seien.
Das Land, das auf einen EU-Beitritt hofft, stand in den letzten zwei Wochen unter starkem Druck, nachdem Vučić gesagt hatte, der Marsch solle verboten werden, und die Polizei dies einige Tage vor der Veranstaltung veranlasste.
Die Aktivisten, die die volle Unterstützung von EU-Abgeordneten, EU-Botschaftern und Menschenrechtsorganisationen haben, hielten an der Durchführung des Marsches fest.
Die für Gleichstellung zuständige EU-Kommissarin Helena Dalli, die anlässlich der EuroPride Belgrad besuchte, sagte, dass der politische Wille für die richtigen Werte wichtig sei, um Gleichstellung zu erreichen.
Dalli, die mit der serbischen Ministerpräsidentin Ana Brnabić zusammentraf, sagte: „Der politische Wille und die Ausrichtung der Gesellschaft auf die richtigen Werte ist ein sehr wichtiger Faktor, um die Gleichstellung in jedem Land zu erreichen.“
Es gab eine starke Polizeipräsenz vor Ort, und die Behörden drängten Gegendemonstrant:innen zurück, die Kreuze und religiöse Plakate schwenkten.
Medienvertreter vor Ort sahen, wie die Polizei mehrere Gegendemonstranten, die größtenteils für die Störung verantwortlich waren, abführte.