Experte: Vucic wollte Wiederwahl von bosnischen Serbenführer verhindern
Das Ziel Belgrads bei den Wahlen in Bosnien und Herzegowina sei es gewesen, den Einfluss des Serbenführer Milorad Dodik in der Republika Srpska (RS) zu schwächen, sagte der Politologe Cvijetin Milivojevic
Das Ziel Belgrads bei den Wahlen in Bosnien und Herzegowina sei es gewesen, den Einfluss des Serbenführers Milorad Dodik in der Republika Srpska (RS) zu schwächen. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic sei allerdings nicht einflussreich genug, um die serbische Führungsfigur in Bosnien zu stürzen, sagte der Politologen Cvijetin Milivojevic im Interview mit EURACTIVs Medienpartner BETA.
Milivojevic erklärte, dass die Beziehungen zwischen den Behörden in Serbien und der Republik Srpska schon seit einiger Zeit nicht mehr gut seien. Der Politikwissenschaftler geht davon aus, dass es eine Vereinbarung zwischen den USA und Serbien gegeben hätte: Weil Vucic sich den westlichen Sanktionen nicht angeschlossen hat, müsse er zumindest den rebellischen Serbenführer in Bosnien in Schach halten.
„Vucics Ziel war es, Dodik den Stuhl unter den Füßen wegzuziehen, aber die Wahlergebnisse haben bewiesen, dass dies in diesem Moment unmöglich ist. In Absprache mit den USA hat Vucic versucht, Dodik daran zu hindern, Präsident der RS zu werden, damit Jelena Trivic von der Oppositionspartei des Demokratischen Fortschritts an die Spitze des Landes gelangt, und damit Dodik die Opposition um Hilfe bei der Regierungsbildung bitten muss. Dodik und seine Partei haben jedoch auf allen Ebenen überzeugend gewonnen, trotz der Hürden aus Belgrad“, sagte Milivojevic.
„Das Ausmaß der Wut von Präsident Vucic über die immense Unterstützung, die Dodik und seine Partei der Unabhängigen Sozialdemokraten bei den Wahlen erhalten haben, lässt sich auch daran ablesen, dass keiner der serbischen Staatsbeamten ihnen gratuliert hat. Selbst die Medien des Regimes, die ihn bis gestern noch in den höchsten Tönen gelobt hatten, halten Dodik nun für ein Tabuwort. Und auch die rechte Opposition hat es nicht gewagt, Dodik zum Wahlsieg zu gratulieren…“, so der Politologe.
„Manipulierte Wahlen“
In Bosnien und Herzegowina fanden am Sonntag (2.Oktober) Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie die Wahl des Präsidenten der Entität Republika Srpska statt.
Dodik und seine Partei SNSD ging als Sieger bei den Präsidentschaftswahlen hervor, mit einem Vorsprung auf 4 Prozentpunkte nach Auszahlung von über 97 Prozent der Stimmen gegenüber seine Herausforderin Jelena Trivić, Wirtschaftswissenschaftlerin und Vorsitzende der konservativen Oppositionspartei PBD.
Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse durch die Staatliche Wahlkommission (CIK) am Donnerstagabend fuhren tausende Demonstrant:innen durch die Hauptstadt Banja Luka, um gegen die „manipulierten“ Wahlen zu protestieren, allen voran Jelena Trivić.
„Nicht ich bin bestohlen worden, sondern das Volk der Republika Srpska“, sagte die Oppositionspolitikerin vor Tausenden von Anhängern am Hauptplatz der Stadt. „Ich werde den Diebstahl niemals akzeptieren, vor allem nicht den Diebstahl des Willens des Volkes“.
Dodik und dessen Parteikollegin Zeljka Cvijanovic, die derzeit Amtsinhaberin des Präsidentams ist, wies die Betrugsvorwürfe entschlossen zurück.