Experten fordern mehr Staatshilfe für Elektroautos

Eine Million Elektroautos sollen 2020 auf Deutschlands Straßen fahren. Dieses Ziel wird die Bundesregierung nach Einschätzung ihrer eigenen Berater allerdings ohne staatliche Förderung nicht schaffen.

Euractiv.de
Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden.
Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden. [<a href="https://www.flickr.com/photos/mikecogh/15542354237" target="_blank" rel="noopener">Foto: Michael Coghlan / Flickr</a>]

Eine Million Elektroautos sollen 2020 auf Deutschlands Straßen fahren. Dieses Ziel wird die Bundesregierung nach Einschätzung ihrer eigenen Berater allerdings ohne staatliche Förderung nicht schaffen.

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Fortschrittsbericht 2014 überreicht. Mit diesem Bericht schließt die NPE die Marktvorbereitungsphase (2010-2014) ab und zeigt den aktuellen Stand auf. Außerdem unterbreitet sie für die kommende Phase des Markthochlaufs (2015-2017) Vorschläge, wie Deutschland die selbstgesteckten Ziele bis 2020 erreichen kann, um internationaler Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität zu werden.

Derzeit fahren rund 24.000 Elektroautos auf deutschen Straßen. Davon wurden in den ersten acht Monaten des Jahres 2014 knapp 8.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Konkretes Ziel der Bundesregierung ist allerdings, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen im Einsatz sind.

Im September 2014 hatte das Bundeskabinett das Elektromobilitätsgesetz verabschiedet. Darin werden unter anderem neue Park- und Halteregelungen, die Nutzung von Busspuren und die Aufhebung von Zufahrtsverboten festgelegt. Zum 1. Februar 2015 soll das Gesetz in Kraft treten.

Bilanz der „Marktvorbereitungsphase“ laut NPE: Mit 17 Fahrzeugmodellen heimischer Marken ist Deutschland auf dem Weg zum internationalen Leitanbieter. 2015 bringen die deutschen Hersteller weitere 12 Serienmodelle auf den Markt. „Wir sind auf einem guten Weg Leitanbieter zu werden, befinden uns beim Ziel Leitmarkt jedoch derzeit nur im Mittelfeld“, sagte Henning Kagermann, acatech Präsident und Vorsitzender der NPE.

Im internationalen Vergleich der Leitmärkte liegt Deutschland mit 24.000 Elektrofahrzeugen, 4.800 öffentlich zugänglichen Normalladepunkten und 100 Schnellladepunkten nur im Mittelfeld. Laut Fortschrittsbericht erreicht Deutschland das Eine-Million-Ziel nur, wenn zusätzliche monetäre und nicht-monetäre Anreize geschaffen werden. Preis, Reichweite und Ladeinfrastruktur seien dabei zentrale Faktoren für einen erfolgreichen Markthochlauf, denn sie beeinflussten Kagermann zufolge maßgeblich die Akzeptanz der Elektromobilität durch die Nutzer.

„Wir freuen uns, dass die Angebotspalette von Fahrzeugen wächst“, sagte Merkel am Dienstag und erklärte, dass die Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehe, was die Beschaffung anbelangt. „Denn jährlich haben zehn Prozent ihrer neuen Fahrzeuge elektrifizierten Antrieb. Wir haben durch Entlastungen bei der Kfz-Steuer und der Dienstwagensteuer Kaufanreize geschaffen.“

In ihrem Bericht empfiehlt die NPE die Einführung einer Sonderabschreibung (Sonder-AfA) für gewerbliche Nutzer: Flotten und Dienstwagen machen 60 Prozent des Neuwagenmarkts aus und könnten so ein Türöffner für die Elektromobilität sein. Mit den Stückzahlen müsste auch die Ladeinfrastruktur wachsen. Für deren Ausbau empfiehlt die NPE eine Kombination aus privaten und öffentlichen Investitionen.

Mit Blick auf die Kundenfreundlichkeit der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur sollten deren Betreiber aus Sicht der NPE einen barrierefreien Zugang sicherstellen und den Kunden das ad hoc-Laden ermöglichen.

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), verwies darauf, dass die deutschen Hersteller bei der Elektromobilität Vorreiter sind. „In keinem anderen Land haben Autokäufer eine so große Auswahl an Elektromodellen“, so Wissmann. Allein in den vergangenen Jahren hätten Hersteller und Zulieferer rund 12 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung der Elektromobilität investiert. Um dieses Innovationstempo zu halten, sollten „die enormen Anstrengungen der Industrie unterstützt und die Forschungs- und Entwicklungsprojekte wie bisher gefördert werden“, meint Wissmann.

Der von der NPE durchgeführte internationale Vergleich zeigt die Vielfalt der Instrumente, mit denen Elektromobilität gefördert wird. Dazu zählen neben monetären Anreizen wie Kaufprämien und steuerlichen Bestimmungen auch der Abbau von Hürden im Alltag, beispielsweise beim Laden am Arbeitsplatz oder durch reservierte Parkplätze vor Ladesäulen. Diese Anreizpakete werden in den jeweiligen Ländern unterschiedlich geschnürt und basieren auf lokalen, ökonomischen und ökologischen Randbedingungen sowie politischen Vorgaben und Zielen. Sie lassen sich deshalb nicht einfach kopieren. Das angekündigte Elektromobilitätsgesetz sei jedoch ein Schritt in die richtige Richtung und müsse nun zügig umgesetzt werden, sagte Kagermann.