Experten fordern Schwerpunkt auf Quantencomputing im EU-Chip-Gesetz

Experten:innen fordern, dass der Ausbau und die Investitionen in die Quanteninformatik in das Europäische Chip-Gesetz aufgenommen werden, da die EU hier ein vielversprechender Vorreiter ist.

EURACTIV.com
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"Während die EU bei den Halbleitern schon so viel hinterherhinkt", sollte sie in die nächsten Technologien wie das Quantencomputing investieren, ein Bereich, "in dem die EU eigentlich führend ist", sagte Tom Berendsen, niederländischer Europaabgeordneter und Mitglied des federführenden Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments. [[Bartlomiej K. Wroblewski/Shutterstock]]

Expert:innen fordern, dass der Ausbau und die Investitionen in die Quanteninformatik in das europäische Chip-Gesetz aufgenommen werden, da die EU hier ein vielversprechender Vorreiter ist.

Auf dem European Innovation Area Summit am Dienstag (28. Juni) in Brüssel, einer Konferenz unter dem Patronat des Europäischen Parlaments, diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Industrie und Wissenschaft über die Beziehung zwischen der Quantentechnologie und dem anstehenden Chip-Gesetz.

„Während die EU bei den Halbleitern schon so viel hinterherhinkt“, sollte sie in die nächsten Technologien wie die Halbleiter-Quanteninformatik investieren, ein Bereich, „in dem die EU eigentlich führend ist“, sagte Tom Berendsen, niederländischer Europaabgeordneter und Mitglied des federführenden Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments.

Obwohl das Chip-Gesetz auch darauf abzielt, die EU in den Halbleiter-Lieferketten wettbewerbsfähiger zu machen, geht es vor allem darum, „strategisch autonom“ zu werden, so Berendsen weiter.

„Wir werden nie das gleiche Geld wie in den USA oder in Asien haben, aber wir haben die Kooperation“, sagte Berendsen und erklärte, dass die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten ein wichtiger Faktor sein werde, um dieses Ziel zu erreichen.

Forderungen der Expert:innen

Die EU sei zwar führend in der Forschung bezüglich Halbleiter-Quantencomputing, aber sie sei noch nicht anwendungsreif, so Menno Veldhorst, Teamleiter am Quantenforschungsinstitut QuTech.

Die Expert:innen waren sich einig, dass mehr Forschung und eine Steigerung der Produktion notwendig seien, um voranzukommen. Dafür seien höhere Investitionen und Pilotlinien im Rahmen des Chip-Gesetzes entscheidend.

Verschiedene Arten der Quantenphysik haben unterschiedliche Probleme und auch unterschiedliche Lösungen, sagte Kristiaan De Greve, Professor und wissenschaftlicher Direktor und Programmdirektor für Quantencomputing am IMEC.

Während bei der Quanteninformatik die Hochskalierung und die Lärmkontrolle über Foundries erreicht werden könnten, könnten die Kosten, die Masseneinführung und die Marktakzeptanz von Quantenkommunikation und Quantensensorik über Pilotlinien überbrückt werden, da es sich dabei um Wachstumstreiber handelt, erklärte er.

Maud Vinet, Leiterin des Quanten-Hardware-Programms am Forschungsinstitut CEA-LETI, sagte, dass die Zusammenarbeit zwischen Forschungs- und Technologieorganisationen (RTOs) zwar bereits läuft, aber noch stärker gefördert werden sollte.

De Greve erklärte, dass „Zusammenarbeit wichtig ist, um unnötige Doppelarbeit zu vermeiden.“

Obwohl das EU-Chip-Gesetz den Schwerpunkt auf Innovation und Kapazitätsaufbau legt, betonten die Expert:innen, dass die bereits bestehende Infrastruktur nicht auf der Strecke bleiben darf und dass zunächst der Aufbau von Leistungsfähigkeit in Angriff genommen werden sollte, bevor die Kapazitäten erhöht werden.

Auch die Frage der Gewinnung von neuen Talenten wurde angesprochen. „Wir sollten bei der Jugend anfangen, um das Ökosystem aufzubauen und zu fördern, das heißt, bei den Universitäten und Start-ups“, fügte Somya Gupta, Zuständige für Leitung, Innovation und strategische Partnerschaften bei QuTech, hinzu.

Stand des EU-Chip-Gesetzes

Das Chip-Gesetz besteht aus drei Säulen, nämlich der Förderung des massiven Aufbaus von technologischen Kapazitäten und Innovationen im Bereich der Spitzenchips; einem neuen Rahmen, der Großinvestitionen in Produktionskapazitäten anziehen und die Versorgungssicherheit gewährleisten soll; und einem Koordinierungsmechanismus zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission, um Marktentwicklungen zu überwachen und Krisen vorzubeugen.

Laut MdEP Berendsen sollte die erste Säule bei den Diskussionen über das Dossier nicht allzu problematisch sein.

Die zweite Säule, so Berendsen, müsse dafür sorgen, dass nicht nur einige wenige Länder davon profitieren, womit er auf das Thema gleicher Wettbewerbsbedingungen anspielt, das auch bei einer Debatte im Rat für Wettbewerbsfähigkeit am 9. Juni zur Sprache kam.

Die Chipproduktion ist ein sehr teures Unterfangen und birgt daher das Risiko, dass nur große Länder, die in der Lage sind, massive finanzielle Unterstützung zu mobilisieren, in der Lage sind, Investitionen zu sichern. Aus diesem Grund haben mehrere Abgeordnete des Europäischen Parlaments betont, dass alle Unternehmen aus großen und kleinen Ländern in allen Mitgliedsstaaten integriert werden sollten.

Die dritte Säule wirft die Frage auf, ob es „ein Instrument geben sollte, um zu bestimmen, was mit dem Export von auf EU-Boden produzierten Chips geschieht, wenn es zu Engpässen kommen sollte“, so Berendsen. Auch andere Europaabgeordnete haben darauf hingewiesen, dass dies ein kritischer Punkt in der Debatte sein könnte.

Die kommende tschechische EU-Ratspräsidentschaft hat das Dossier übernommen und richtete am 21. Juni eine erste Entwurfssitzung aus. Die Arbeitsgruppe des Industrierats wird am 8. und 15. Juli darüber diskutieren.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi und Nathalie Weatherald]