Fachkräftemangel: Italienische Regierung setzt auf Schulreform

Die italienische Regierung hat sich zu einer Schulreform entschlossen, da junge Menschen nicht die von den italienischen Unternehmen benötigten Fähigkeiten erwerben, was die Einstellung von Arbeitskräften noch schwieriger macht.

EURACTIV.it
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Es bestehe ein „dramatisches Missverhältnis" zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, das sich im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie verdoppelt habe, so Giovanni Brugnoli, Vizepräsident von Confindustria, dem italienischen Arbeitgeberverband und der nationalen Handelskammer. [Shutterstock/panitanphoto]

Die italienische Regierung hat sich zu einer Schulreform entschlossen. Damit soll dem Fachkräftemangel entgegengetreten werden und die Jugendarbeitslosigkeit angegangen werden.

Es bestehe ein „dramatisches Missverhältnis“ zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, das sich im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie verdoppelt habe, so Giovanni Brugnoli, Vizepräsident von Confindustria, dem einflussreichen italienischen Arbeitgeberverband und der nationalen Handelskammer.

Tatsächlich liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Italien bei 22,3 Prozent und ist damit eine der höchsten in Europa.

Nach Angaben von Excelsior und Unioncamere kann allerdings jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) keine geeigneten Mitarbeiter finden; vor der Pandemie waren es 25 Prozent.

Die Unternehmen verlieren schätzungsweise 38 Milliarden Euro pro Jahr, und in fünf Jahren werden 3,8 Millionen neue Mitarbeiter benötigt.

„Die große Herausforderung besteht darin, sich zu orientieren, zu personalisieren und vor allem zu reformieren: Wir müssen eine Schule aufbauen, die in der Lage ist, zu verstehen, wohin sich die Welt der Bildung entwickeln soll, und die in der Lage ist, Chancen zu bieten“, erklärte der Europaabgeordnete Paolo Borchia (Lega/ID) gegenüber EURACTIV.

Die von Giorgia Meloni (Fratelli d’Italia/ECR) geführte Regierung, zusammen mit den stellvertretenden Ministerpräsidenten Matteo Salvini (Lega) und Antonio Tajani (Forza Italia/EVP), strebt eine große Reform der technischen und beruflichen Bildung an.

„Leider ist die Schulbildung derzeit noch nicht in der Lage, angemessene Qualifikationen anzubieten. Wir müssen Spezialisierungen realisieren, die es heute nicht gibt, und das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Gymnasien und technischen Instituten überwinden“, erklärt Borchia. In Italien gelten diese als Schulen zweiter Klasse.

Borchia schlägt unter anderem vor, Lehrkräfte direkt aus Unternehmen einzustellen und Sommerjobs für Schüler zu fördern, damit sie so schnell wie möglich in die Arbeitswelt einsteigen können.

„Wir müssen die Schule für die Geschäftswelt öffnen; ihre Verbindung ist von grundlegender Bedeutung. Das italienische Bildungs- und Ausbildungssystem muss sich daran gewöhnen, flexibler zu sein, um die aus verschiedenen Richtungen kommenden Trends auf dem Arbeitsmarkt aufzufangen“, fügte Borchia hinzu.

Die Beschäftigung in Italien folgt im Allgemeinen einem positiven Trend (60,9 Prozent), wie die Daten des statistischen Instituts. Im März stieg die Beschäftigungsquote im dritten Monat in Folge um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Die stabilen Verträge nehmen zu, und die Beschäftigung wächst“, kommentierte Ministerpräsident Meloni und fügte hinzu, dass die Regierung weiterhin „konkrete Antworten geben will, um die nationale Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.“

Die Istat-Daten kommen nur wenige Tage nach der Verabschiedung der neuen arbeitsrechtlichen Maßnahmen, die von den Gewerkschaften und der Opposition stark kritisiert wurden.